Kaiser-Wilhelm-Museum zeigt Highlights

Krefeld : Kaiser-Wilhelm-Museum zeigt Highlights

Schätze aus der Sammlung, selten gezeigt oder restauriert und in neuen Kontext gerückt, sind jetzt zu sehen.

Von Petra Diederichs

Die Frage, was Kunst ist, hat zu allen Zeiten beschäftigt - auch die Künstler selbst. „Ein Bild ist, was man sieht, nichts darüber hinaus“ ist von Francoise Morellet überliefert, einem der wichtigsten französischen Vertreter der Konkreten Kunst. Konsequenterweise hat der Künstler (1926-2016) die Struktur seiner Werke sichtbar gemacht für den Betrachter. Allerdings erst beim genauen Hinsehen. Anfangs wirken seine 60 mal 60 Zentimeter großen „Examlaires“ optisch täuschend wie Stoffgewebe. Doch es sind blaue und rote Linien aus Acrylfarbe, die er mit einem Gitter als Vorlage auf Holz aufgetragen hat. Bei jedem Arbeitsschritt hat er die Schablone um eine bestimmte Gratzahl gedreht. Morellets Bilder sind als Dauerleihgaben aus dem Landesbesitz Nordrhein-Westfalen neu ins Kaiser-Wilhelm-Museum gekommen und nun mit anderen Highlights aus der Sammlung bis zum 9. September zu sehen.

Heinrich Campendonks „Hirte mit Verdienstkreuz ist jetzt auch ausgestellt. Dem Krefelder maler ist ein ganzer Raum gewidmet. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

„Highlights aus der Sammlung“ ist die kleine Schwester der zweiteiligen Ausstellung „Abenteuer unserer Sammlung“. „Wir wollen neue Blicke auf Stücke unserer Sammlung ermöglichen, um zu zeigen, wie breit sie aufgestellt ist“, sagt Museumsdirektorin Katia Baudin. Deshalb hat Sylvia Martin, stellvertretende Museumsleiterin, nun 80 Werke zu zentralen Kunstströmungen im Rheinland zusammengestellt. So erzählt die zweite Etage farbenfroh und vielfältig von der produktiven und ereignisreichen Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts, von Klassischer Moderne, Zero, Arte Povera und Postmoderne mit Namen wie Max Liebermann, Heinrich Campendonk, Adolf Luther, Herbert Zangs, Lucio Fontana, Yves Klein und Gerhard Richter.

Das Entree markiert die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Liebermanns „Judengasse“ hat mit einem neuen vergoldeten Rahmen eine ganz neue Strahlkraft bekommen. Lange hat das Bild im Magazin geschlummert. Dank eines Förderprogramms des Landes, das sich mit bis zu 80 Prozent an den Kosten für Restaurierungen beteiligt, hat Museumsrestaurator Sebastian Köhler einige Schätze aus den Archivtiefen wieder vorzeigbar gemacht. Auch ohne tiefe Kunstgeschichtskenntnisse lässt sich beim Rundgang die vibrierende Stimmung in der Künstlerwelt des vorigen Jahrhunderts nachempfinden. Ländliche Motive weichen großstädtischen Darstellungen von Artisten. Die Badendene, ein zentrales Sujet der Berliner Künstlergruppe „Die Brücke“, taucht auch bei niederrheinischen Malern auf. Das 20. Jahrhundert war eine Zeit des Aufbruchs, der Suche nach neuen Ausdrucksformen: „Die Künstler kannten einander, besuchten sich, reisten quer durch Europa, so entstand der Austausch“, sagt Martin. Dass der Krefelder Heinrich Campendonk im Herbst 1911 einer Einladung des russischen Malers Wassily Kandinsky ins bayerische Sindelsdorf folgte, ist für sie das Synonym des produktiven Austauschs.

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Jeder Raum ist einem anderen Künstler oder einer anderen Position gewidmet. Die Malerei von Campendonks Pierrots bis Gerhard Richters „Krankenschwestern“ reizt, den roten Faden der Entwicklung zu spannen. Die Zero-Künstler nehmen einen großen Platz ein. Zwischen Bildern von Uecker und Mack hängt fast unscheinbar - ein Star der Zero-Bewegung: Otto Pienes erstes Rasterbild aus dem Jahr 1957. „Es ist eines der meistausgeliehenen Weke, das bei jeder Zero-Schau angefragt wird - weil es das erste Werk ist“, erzählt Martin. Gegenüber lassen sich Themenfäden spannen von Yves Kleins Monochrom und Objekten im typischen Blau zu Adolf Luthers Spiegellinsen und seinem weißen Eierrelief - eine Leihgabe der Luther-Stiftung.

In manchen Räumen duftet es sogar: Jannis Kounellis Installation von kleinen waageartigen Elementen sind im Stil orientalischer Gewürzmärkte mit (frischem) Kaffeepulver befüllt und stehen in reizvollem Kontrast zu den Gewürzkästen, in denen Dieter Roth mit Mohn und Pfeffer Landschaften gebildet hat.

Auf rund 1000 Quadratmetern gibt es etliche Entdeckungen und Verbindungen zu knüpfen. Einen Zugang bietet auch der Vortrag „Im Kampf um die Kunst“, in dem Ina Ewers-Schulze, von den Netzwerken und Netzwerkern im Rheinischen Experssionismus berichtet, am Donnerstag, 12. Juli, um 19 Uhr. An diesem Tag ist die Ausstellung 21 Uhr zu sehen.

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