Band „47 Soul“ spricht von KZ in Israel

Auftritt in Krefeld: Band „47 Soul“ spricht von KZ in Israel und polarisiert

Mit Kolonialismus, Konzentrationslagern und Apartheid bringt die Band47 Souls den Staat Israel in Verbindung. In Krefeld trat die Band am vergangenen Wochenende auf. War die Haltung der arabischen Combo dem Oberbürgermeister im Vorfeld bekannt?

Die Ausladung der schottischen Band „Young Fathers“ rückte die Ruhrtriennale ins Rampenlicht. Die Musiker hatten sich geweigert, sich von der Initiative zu distanzieren, die einen Boykott von Veranstaltungen empfiehlt, die mit Zuschüssen aus Israel finanziert werden. Das Aufsehen, das erzeugt wurde, bewog Ministerpräsident Armin Laschet, seinen Termin bei der Ruhrtriennale abzusagen.

Der Auftritt der arabischen Band 47 Soul beim Folklorefest am Wochenende in Krefeld ging ohne Aufregung in Politik und Gesellschaft über die Bühne, obwohl die Band, deren Musiker allesamt palästinensische Wurzeln haben, in einem Interview mit der „taz“ in Berlin provokante Thesen äußerte. Die Frage, ob sie eine „antizionistische Band“ sei, umging Sänger Walaa Sbeit. Bei der nach der „israelischen Politik“ wurde er deutlicher und sprach davon, dass die Israelis „andere in Konzentrationslagern“ leben ließen. Nach einem Einwand legte er nach und erklärte: „Wenn man Leute daran hindert, sich frei zu bewegen, sie unterdrückt, Mauern um sei herum baut, und sie wie in einem Gefängnis hält, tötet man sie langsam.“

Er sei sich im Klaren über die Geschichte Deutschlands und der beiden Weltkriege. Vor allem aber schmerze es ihn, dass Palästinenser und Araber den Preis für das zahlen müssten, was die Europäer — sprich die Deutschen — den Juden angetan hätten. Mit der Gründung Israels 1948 habe die Katastrophe ihren Anfang genommen. Palästina sei zuvor ein offenes Land gewesen, in dem Christen, Muslime und Juden friedlich miteinander gelebt hätten. Dieselben Leute seien 1948 plötzlich zu Feinden geworden. Er und seine Bandkollegen wollten in einem „vereinten Jerusalem ohne Apartheid“ gegenüber der einheimischen Bevölkerung auftreten.

In Krefeld sorgte 47 Soul für Stimmung unter den Besuchern. Der Veranstalter beschreibt es auf seiner Homepage „Um kurz nach 22 Uhr erreicht das 41. Folklorefest seinen Höhepunkt. Nach einer sehr deutlichen Rede gegen rechtes Gedankengut moderierten Johannes Floehr und Dr. Tagrid Yousef (vom Kommunalen Integrationszentrum Krefeld, die Redaktion) zweisprachig den Headliner des Abends an: 47 Soul. Als die Künstler die Bühne betraten, gab es kein Halten mehr. Der Platz an der Alten Kirche kochte. Menschen mit arabischen Wurzeln tanzten ausgelassen zur Musik der vier Männer aus Jordanien, Jemen, Syrien und Palästina, begleitet vom Klatschen der Umstehenden. Der ,Shamstep’ hatte in Krefeld Einzug gehalten und wurde von den Besuchern frenetisch gefeiert.“

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Zu Beginn des Festivals hatte Oberbürgermeister Frank Meyer als Schirmherr das Folklorefest 2018 offiziell eröffnet, und Tagrid Yousef, „in einem wunderschönen palästinensischen Kleid ihrer Großmutter, ein Grußwort“ gesprochen, so der Veranstalter. Zur Frage, ob sich Oberbürgermeister Frank Meyer im Vorhinein über die auftretenden Bands informiert habe, und welche Position er zu 47 Soul einnehme, antwortete Stadtsprecher Christoph Elles am Dienstag auf Anfrage unserer Redaktion, das Folklorefest stehe seit mehr als 40 Jahren für ein tolerantes, weltoffenes und interkulturelles Krefeld, in dem Rassismus und Diskriminierung keinen Platz fänden. Da der Oberbürgermeister sich mit diesen Werten identifiziere und die ehrenamtliche Initiative Folklorefest unterstützen möchte, habe er zum wiederholten Male die Schirmherrschaft übernommen.

Im Programm des Festivals finde traditionell Musik aus allen Ländern und Kulturen ihren Platz, von europäischer Folklore bis zu südamerikanischen Bands, von jüdischem Klezmer bis zu Klängen aus der arabischen Welt. Das Folklorefest stehe in keiner Weise unter dem Verdacht, einzelne Gruppen auszugrenzen - das Gegenteil sei der Fall, erklärte der Sprecher. Die Band 47 Soul setze sich nach „unserer Kenntnis mit politischen Texten dafür ein, Grenzen zu überwinden, miteinander ins Gespräch zu kommen und friedlich miteinander zu leben“. Dies sei offenbar auch in einem Statement zum Ausdruck gekommen, das die Band am Samstag auf der Bühne abgegeben habe.

Besucher berichteten, dass die Band bei ihrem Auftritt in Krefeld  von „Apartheid“ gesprochen habe. Walaa Sbeit sprach in dem taz-Interview im Zusammenhang mit der Staatsgründung Israels von „Kolonialismus“. Der Bandname beziehe sich auf das Jahr 1947, auf das Jahr bevor durch die Gründung des Staates Israel „unsere Großeltern aus ihrer Heimat Palästina vertrieben wurden“.

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