"Krieg und Freitag" aus Krefeld: Tobias Vogel zeichnet Strichmännchenkette gegen Nazis in Chemnitz

Spendenaktion nach Hetze in Chemnitz : Krefelder zeichnet Strichmännchen gegen Neonazis

Tobias Vogel, besser bekannt als „Krieg und Freitag“, ist ein Internet-Comic-Künstler. Der gebürtige Krefelder zeichnet gegen Spenden für den Sächsischen Flüchtlingsrat eine Kette aus Strichmännchen. Die Idee findet großen Anklang.

Normalerweise sind Tobias Vogels Comics unpolitisch. „Ich habe mich auch schon für das Wählen oder gegen Rechts positioniert, aber eigentlich möchte ich unpolitisch sein und den Menschen einen Freiraum ohne Politik geben. Mir geht es um den Spaß“, sagte der gebürtige Krefelder und Wahl-Hamburger, der im Internet unter dem Pseudonym „Krieg und Freitag“ Bekanntheit erlangt er im Februar anlässlich einer Ausstellung im Krefelder Café Liesgen.

Seine Popularität steigt immer weiter. Auf den drei großen Portalen Twitter, Facebook und Instagram folgen ihm über 40.000 Fans. „Als ich dann im Netz die Berichterstattung über die Ereignisse in Chemnitz verfolgt habe, dachte ich, ich müsse etwas tun“, erzählt der Comiczeichner. Meist spielen seine Werke eher in kleinen, zwischenmenschlichen Situation, sind kreativ, pfiffig, witzig und regen zum Schmunzeln an. Nachdem nun aber ein rechter Mob in der sächsischen Stadt Menschen verletzte und Ausländer jagte, wollte Vogel etwas tun.

Kurzerhand rief er über seine Kanäle zu einer Spendenaktion auf. Einen Monat lang will er Geld für den Sächsischen Flüchtlingsrat sammeln. Der Clou: Er zeichnet eine Menschenkette aus seinen Comicfiguren. Pro fünf Euro Spendensumme kommt eine Figur hinzu. „Ich habe das am Montagabend gestartet und hatte mir als Ziel 1000 Figuren, also 5000 Euro gesetzt. Ich dachte mir schon, dass es gut ankommt, aber dass ich diese Marke nach 16 Stunden schon übertroffen habe, das wirft mich nun doch um“, sagt er.

Nun geht es ans Zeichnen. 150 Strichmännchen brachte er bereits zu Papier und malt in jeder freien Minute weiter. „Ich muss jetzt einen Kompromiss finden. Einerseits sollen die Figuren schnell zu malen sein, andererseits aber sollen sie individuell sein. Ich will Vielfalt ausdrücken. So sind bislang auch drei Rolltuhlfahrer dabei. Meine Community hilft mir auch mit Ideen“, sagt er. Und wenn nun jemand käme, es für eine tolle Idee hielte und zig oder gar hunderttausend Euro spendet? Vogel lacht. „Dann sitze ich wohl das nächste Jahr hier und zeichne Strichmännchen. Aber ich verspreche, ich werde für jeden gespendeten Euro die entsprechenden Männchen zeichnen. Egal, wie lang es dauert“, sagt er.

Was mit dem Bild nachher geschieht? Die Antwort kommt ohne zu überlegen: „Das wird dann versteigert. Auch zu Gunsten des Flüchtlingsrats. Ob in einem Stück oder in mehreren, das hängt auch davon ab, wie groß es am Ende wird.“

Tobias Vogel - auf dem Bild mit seiner Frau Steffi - hat seine Strichmännchen im Cafe Liesgen ausgestellt. Jetzt engagiert er sich gegen Rassimus. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)/Lammertz Thomas

Im Netz gibt es beide Arten von Reaktionen: Zuspruch und Kritik. Einen rechten Shitstorm aber erlebte er zumindest bislang nicht. „Nein, bisher ist es eher ein Candystorm. Da ist wahnsinnig viel Zuspruch und Lob. Die vielleicht zehn Prozent negativen Kommentare registriere ich, aber ich ignoriere sie weitgehend. Mit Rechten zu diskutieren, dafür fehlt mir Zeit und Muße. Und wenn es ein bestimmtes Maß an Hass und Schmutz übersteigt, dann werden die Personen blockiert und die Kommentare gelöscht. Da fege ich mit eisernem Besen“, sagt Vogel.

Die Aktion findet durchaus ein überregionales Medienecho und auch seine Fans auf den verschiedenen Netzwerken sorgen für eine gute Verbreitung. Und so ist es durchaus nicht ausgeschlossen, dass auch weitere größere Summen eingehen. Angst macht ihm das nicht. „Natürlich würde eine hohe Spendensumme viel Arbeit bedeuten. Aber am Ende ist es doch so, dass ich es dafür tue. Ich will Geld sammeln und ein Zeichen setzen. Und dafür würde ich gern lange zeichnen müssen“, antwortet der Künstler auf die Frage, ob er sich ein Abflauen der Resonanz wünscht.

In der Zukunft will er aber weiter eher unpolitisch sein. „Wenn ich eine gute Idee habe, dann sage ich meine Meinung. Aber ich will nicht platt und belehrend sein“, ist eine Vorgabe an sich selbst. Pfiffigkeit ist für ihn das oberste Gebot.

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