Kranenburg: Niederländer kämpfen gegen Windpark

Kranenburg: Niederländer kämpfen gegen Windpark

Die Gemeinde Kranenburg plant, im Reichswald einen Windpark zu errichten. Die ersten Schritte sind getan. Doch nimmt der Widerstand gegen das Projekt vor allem jenseits der Grenze zu. Auch der Kreis Kleve äußert Bedenken.

Wer Windkraft sät, kann Sturm ernten. Der Plan der Gemeinde Kranenburg im Reichswald am Kartenspielerweg (von der Bundesstraße 504 Richtung Grafwegen) zwischen 15 und 23 Windkraftanlagen zu errichten, stößt auf erbitterten Widerstand. Neben einer Bürgerinitiative, die sich in Grafwegen gegründet hat, sind es jetzt Niederländer aus dem Grenzgebiet, die gegen das Projekt Sturm laufen.

Vor sechs Monaten hatte der Genneper Bürgermeister de Koning einen Brief an seinen Kranenburger Kollegen Günter Steins geschickt. Tenor des zweiseitigen Schreibens: Wir wollen die Anlagen nicht und werden auch einiges dafür tun, um dieses Projekt zu verhindern.

So fühlen sich die Niederländer nicht ausreichend informiert, was Steins anders bewertet. Man habe das Verfahren stets transparent behandelt, so der Kranenburger Verwaltungschef. Die Genneper beanstanden, dass man nicht genug eingebunden war. Man bewertet das Vorhaben als erheblichen Eingriff in die Natur mit negativen Auswirkungen wie: Lärm, optische Störfaktoren, Erschütterungen, Schlagschatten. Aus Sicht der Gemeinde Gennep sollte gemeinsam nach geeigneten Standorten gesucht werden.

Doch suchen die Nachbarn derzeit nach etwas ganz anderem. Nämlich nach Möglichkeiten, wie man die 200 Meter hohen Anlagen verhindern kann. So soll sich laut niederländischer Medienberichte aktuell das Europäische Parlament mit neuen Gesetzen zu der Thematik beschäftigen. Diese sollen verhindern, dass innerhalb von 18 Kilometern im Grenzbereich Gebäude errichtet werden, die einen schädlichen Einfluss auf Bewohner und Wirtschaft haben können.

Selbst der niederländische Wirtschaftsminister Henk Kamp hat sich zu dem Projekt geäußert. So soll er darauf hingewiesen haben, dass man in niederländischen Naturgebieten keine Windkraftanlagen errichten dürfe und er es somit seltsam fände, wenn 100 Meter jenseits der Grenze diese gebaut würden.

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Auch eine niederländische Naturschutzorganisation hatte an die Kranenburger Verwaltung geschrieben. "Eine Antwort haben wir nicht bekommen", sagt Fons Mandigers. Der Naturschützer ist - wie nahezu alle Aktivisten - tendenziell nicht gegen Windkraft. Nur sollen die Mühlen nicht im Wald errichtet werden. "Nicht nur die Gemeinde Gennep ist dagegen. Auch Groesbeek steht dem Projekt ablehnend gegenüber", sagt der Naturschützer. Für ihn ist das Ziel, das Kranenburg mit diesen Plänen verfolgt, eindeutig: "Es geht alleine darum, Geld zu verdienen." Der Widerstand in den Niederlanden nehme zu, so Mandigers, der davon ausgeht, dass sich niemals Windkrafträder im Reichswald drehen werden. Auf niederländischer Seite würden derzeit mehr als 25 Millionen Euro in ein Gebiet investiert, um dieses zu renaturieren, weiß der Umweltschützer. Es grenze direkt an den Reichswald, da könne man nicht auf der anderen Seite die Natur verschandeln.

Einen ersten negativen Bescheid für die Planungen hat die Gemeinde bereits von der Unteren Landschaftsbehörde, dem Kreis Kleve, erhalten. Die Bedenken der Kreisverwaltung: Möglicherweise stellen tiefe Fundamente und das hydraulische Öl ein Risiko für die Trinkwasserqualität dar. Im waldarmen Niederrhein gelte der Reichswald als wertvolles Waldgebiet und sei als Standort für Windanlagen nicht geeignet, die auch das Landschaftsbild beeinträchtigen würden.

Nach ersten Planungen zu urteilen, sollen etwa vier Jahre vergehen, bevor sich die erste Anlage dreht. Mögliche Klagen sollen in dieser zeitlichen Vorstellung nicht eingerechnet sein.

Axel Kämmerling ist beim Landesbetrieb Wald und Holz NRW zuständig für das Thema Windkraft im Forst. Die Behörde will das Projekt umsetzen. Der Grund und Boden, auf dem die Anlagen gebaut werden sollen, gehört dem Landesbetrieb. Allein der Kartenspielerweg, über den die Erschließung erfolgen muss, ist im Besitz der Gemeinde. "Wenn in Waldgebieten Anlagen geplant sind, so gibt es nahezu immer Widerstand", sagt Kämmerling, der betont, dass nicht das Geld, sondern der Klimaschutz im Vordergrund stehe.

Für Fons Mandigers kommt bei diesem Thema ohnehin ein weiterer Aspekt zum Tragen: Anhand dieses Beispiels könne man die immer wieder betonte grenzüberschreitende und vertrauensvolle Zusammenarbeit in die Kategorie "Nette Sonntagsrede" einsortieren. Getreu nach dem Motto: Bei Geld hört die Freundschaft auf.

(RP)
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