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Bedburg-Hau: Wege zur Kunst von Münter bis Kollwitz

Bedburg-Hau : Wege zur Kunst von Münter bis Kollwitz

Das Museum Schloss Moyland zeigt bis zum 30. November Holzschnitte von Künstlerinnen des Jugendstils und des Expressionismus. Zu sehen sind Werke berühmter und längst in Vergessenheit geratener Grafikerinnen.

Städte und ferne Länder, fahrendes Volk, Utopien und Akte. Kaum eine Ausstellung des Museums Schloss Moyland hat in jüngster Vergangenheit so eine Motiv-Vielfalt geboten wie die Schau, die am Sonntag, 7. September, Vernissage in Bedburg-Hau feiert. "Wege zu Gabriele Münter und Käthe Kollwitz - Holzschnitte von Künstlerinnen des Jugendstils und des Expressionismus" zeigt die Arbeiten berühmter und längst in Vergessenheit geratener Grafikerinnen. Dabei ist das Verdienst der Ausstellung, zu zeigen, wie wesentlich die Frauen den Kunststil entwickelt und geprägt haben.

"Und das in einer Zeit, in der ihre künstlerische Ausbildung alles andere als verständlich war", sagt Paust. "Wir haben Werke von insgesamt 42 Künstlerinnen für die Ausstellung versammelt", sagt die Kuratorin und Leiterin der Grafiksammlung, Barbara Strieder. "Darunter befinden sich bekannte Namen wie Gabriele Münter und Käthe Kollwitz, aber auch zahlreiche Künstlerinnen, die heute weniger bekannt sind. Sie sind aber nicht weniger bedeutend", sagt Bettina Paust, künstlerische Leiterin des Museums.

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Im 19. und 20. Jahrhundert nahmen immer mehr Frauen entgegen aller Widerstände am bildenden Kunstbetrieb teil. Da sie an den traditionellen Akademien noch nicht studieren durften, wichen sie auf die Privatschulen aus - die oftmals einen deutlich innovativeren Ansatz verfolgten und schon mit Holzschnitten gearbeitet haben.

"Viele der Frauen gehörten zur Avantgarde ihrer Zeit", sagt Barbara Strieder. Ihre Werke waren bekannt, wurden unter anderem in Zeitschriften wie "Der Sturm" veröffentlicht. In der Kunstgeschichte fanden sie trotz allem nicht die Rezeption, die sie eventuell noch zu Lebzeiten genossen haben. Cläre Neuhaus, Martha Cunz, Dorothea Maetzel-Johanssen. "Von manchen Künstlerinnen kennen wir mittlerweile nicht mehr viel mehr als lediglich ihre biografischen Daten", sagt Strieder.

Die Werke sind nicht nach ihren Autoren, sondern nach ihren Motiven gehängt. Tiere und Landschaften gehören genauso dazu, wie Krieg und Leid. "Es ist unglaublich, wie abwechslungsreich sich der Holzschnitt präsentiert", sagt Strieder. Frühe Werke, wie die von Helene Maß, erscheinen wie gemalt. Sie sind deutlich vom Jugendstil geprägt und zeichnen sich durch räumliche Tiefe, Schattenspiele und Farbigkeit aus. Bei späteren Arbeiten wurde das Bild immer mehr als Fläche begriffen. Von den charakteristischen Werken Gabriele Münters hin zur feinen Linientechnik von Käthe Kollwitz.

Lediglich zehn der 170 Arbeiten stammen aus der eigenen Sammlung, viele der Werke sind erstmals im Museum Schloss Moyland zu sehen. Die Ausstellung ist in Kooperation mit dem Spendhaus Reutlingen entstanden, aber nicht nur von dort kommen die Stücke: Mit 61 Arbeiten stammt der größte Teil aus einer privaten Sammlung.

Zur Ausstellung ist ein 160-seitiger Katalog mit 142 Abbildungen, Texten von Maaike van Rijn und Birgit Ahrens sowie Kurzbiografien erschienen. Er ist zum Preis von 24,95 Euro erhältlich.

(RP)