Schloss Moyland: Spielplatz Kunst von Ernst Althoff

Museum Schloss Moyland: Der „Spielplatz Kunst“ im Schloss

Der Schreiner und Architekt Ernst Althoff, der zusammen mit Beuys und Erwin Heerich an der Kunstakademie Düsseldorf lehrte, entwarf Mitmach-Kunst für alle. Jeder Moyland-Besucher kann jetzt seine Kreativität ausprobieren.

700 Klötzchen stapeln sich in fünf geweißte Kisten. Die Klötzchen sind an einer Ecke abgeschrägt, viereckig, fünfeckig – aber sonst sehen sie aus, wie die bunten Spielsteine aus Holz, mit der nicht nur kleine Kinder so gerne Türme bauen. Diese Klötzchen sind aber nicht bunt, sie sind holzfarbig und liegen angenehm in der Hand. Sie sind Kunst, so wie sie in den Kisten angeordnet sind. Und Spielzeug. Und machen einfach Spaß.

Nina Schulze hat eine kleine Kinderschubkarre voller Steine mitten auf den kreisrunden Teppich gestellt. „Greifen Sie zu“, sagt die Museumspädagogin von Museum Schloss und strahlt über das ganze Gesicht. Gerne. Stein auf Stein fügt sich zum Turm. Damit man sieht, dass man mit solchen Steinen auch „richtige“ Kunst machen kann, hängt ein geradezu plastisch anmutendes Foto der 4,8 Meter großen Plastik „Monument“ des Beuys-Freundes Erwin Heerich an der Wand, die Heerich für den Skulpturenpark Viersen schuf. Ein Kollege der beiden an der Düsseldorfer Kunstakademie war auch der Schreiner und Architekt Ernst Althoff. Althoff lehrte wie Beuys und Heerich als Professor an der Kunstakademie, erzählt Schulze. „Das Bauen und Konstruieren war seine Lebensaufgabe“, sagt die Museumspädagogin. Er wollte, dass alle seine Möbel oder Bauwerke bestmöglich zum Leben der Menschen passten. Fast alles, was er entwarf, konnte wieder um-, ab- oder aufgebaut werden, sagt Schulze.

Als von Heerich für Viersen entworfenen Sitzbänke marode wurden, sprang Althoff in die Bresche und sanierte die Holzteile. Dabei stellte er fest, dass viele der Bohlen noch brauchbar waren. Mit Blick auf die große Heerich-Skulptur „Monument“ machte Althoff seine Klötzchen daraus. Aus der Praxis für die Praxis - jeder sollte Spaß daran haben, einen Turm wie Heerich im Kleinformat bauen zu können oder neue Formen zu erfinden, ganze Häuser bauen oder einen Kreis aus den Steinen zu legen, wie es jetzt Besucher in Moyland machten. Alles geht. Althoff baute dann noch aus einfachem Sperrholz Kisten, die die kleinen Klötzchen stilvoll verwahrten. Fertig. Der „Spielplatz Kunst“ war geboren. In den Kisten steckten gleichlange Klötzchen mit unterschiedlichen Querschnitten: Viereck, Fünfeck, Sechseck. Damit kann jeder die Skulptur Monument nachbauen. Oder eben eigene Skulpturen entwerfen.

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Dann dümpelte die Mitmach-Kunst eine Zeit lang in einer Halle des Künstlers. Bis er bei einem Projekt Nina Schulze traf. „Sie müssen zu mir kommen und sich das mal angucken“, hatte Althoff wenige Jahre vor seinem Tod 2016 die Museumspädagogin eingeladen. Schulze fuhr hin – und war begeistert. Es sei genau das richtige für die Samlung der Museusmpädagogik in Museum Schloss Moyland, sagt sie. Althoff freute sich, das Werk in Moyland bei Schulze in guten auch pädagogischen Händen zu wissen. Seine Bedingung: Es sollte bespielbar sein.

Zur jetzt laufenden Ausstellung mit Werken von Erich Reusch holte die Museumspädagogin die Klötzchen aus dem Depot. Und baute oben unterm Dach der Museusmpädagogik den „Spielplatz Kunst“ auf. Gleich hinter Hiroyuki Masuyamas großartiger Blumenwiese oben am Ende der Treppe. Da darf jetzt jeder ran. Kunst zum Anfassen. „Das ist nicht nur für Schulklassen gedacht – im Gegenteil, jeder Besucher kann hier Steine stapeln“, sagt Schulze. Man muss nur in die Kisten greifen und anfangen, auf dem großen Teppich zu bauen.

Die Aufsichten im Schloss wissen Bescheid und weisen den Weg hinauf.

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