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Bedburg-Hau Schloss Moyland Beuys und die Schamanen

Schloss Moyland : Eine Reise zu Beuys und den Schamanen

Beim NRW-weiten Ausstellungsreigen „beuys2021“ widmet sich Museum Schloss Moyland dem Spirituellen. Es ist die teuerste Ausstellung seit Wiedereröffnung. Sie bietet ein breites pädagogisches Programm für Kinder.

Das Rentier lacht, Beuys lacht. Der Künstler schwenkt ein Tuch, über ihm leuchtet eine warme orangefarbene Sonne, die beiden stehen auf einem Beuys-typischen braunen Packpapier-Untergrund. „Entdeckerheft“ steht neben der orangefarbenen Sonne oben auf dem Heft. Darunter kann man seinen Namen eintragen und auf die Reise gehen: Die Reise zu Beuys und zugleich die Reise zu den Schamanen. Man lernt, dass Europa und Asien das große Eurasien ist, auf das sich Beuys so oft bezieht, dass eine Aktion von Beuys fast so etwas ist wie ein Theaterstück und dass alle Schamanen werden können. Frauen und Männer. Aber nur, wenn die Geister das wollen. Das Entdeckerheft ist eigentlich für die kleinen Besucher der Ausstellung „Beuys und die Schamanen“ in Museum Schloss Moyland gedacht – und doch macht es auch als Erwachsener Spaß, damit auf die Reise zu gehen.

Beispielsweise gedanklich mit einem Schlitten. Davon gibt es in der Ausstellung mehrere – und auf Bildern noch viel mehr. Der Schlitten gehört zu Beuys’ Werk fast so dazu wie Filz und Fett. Es gibt den Schlitten als Zeichnung, in Braunkreuzfarbe, mit Elchen und Menschen beladen. Und als Überlebenspack, mit dem Beuys  sein beeindruckendes Werk „Das Rudel“ (heute in Kassel) als Auflage für jedermann zugänglich machte. Indem er diverse Schlitten mit Fett und Filz bestückte. Eine Taschenlampe dazu gab die Energie, die Dunkelheit hell zu machen.

 Zeichnungen von Beuys mit Elchen und Frauen.
Zeichnungen von Beuys mit Elchen und Frauen. Foto: Evers, Gottfried (eve)
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Einen dieser Schlitten hat auch die Sammlung Museum Schloss Moyland. Der begrüßt den Besucher der neuen Ausstellung gleich am linken Eingang zur Beuys-Etage. Ihm zugesellt sind Beispiele schamanischer Schlitten. Denn Moyland feiert den 100. Geburtstag von Joseph Beuys mit der Ausstellung  „Beuys und die Schamanen“ (wir berichteten).  Es ist, so die Geschäftsführerin der Stiftung, Julia Niggemann, die teuerste Ausstellung seit Wiedereröffnung des Schlosses nach der Umorganisation der so genannten Moyländer Hängung. Bei der Ausstellung begegnen sich Ethnologie und Kunst auf Augenhöhe und sie hat zwei Erzählstränge: einen über Beuys und die Schamanen und einen über den indigenen Schamanismus.

 Dafür haben die Moyländer ein langes Vitrinen- und Textband durch die komplette Beuys-Etage gezogen, in der die schamanischen Kostbarkeiten wie Gewänder, Trommeln und andere Kultgegenstände aus diversen Jahrhunderten präsentiert werden. Denen stehen die Beuys-Werke gegenüber, die größtenteils aus dem Fundus der Moyländer Sammlung kommen und hier wieder zu der einen oder anderen neuen Entdeckung einladen.

Es ist der „Resonanzraum“ Eurasien, vor dem sich das Ganze abspielt, sagt Barbara Strieder, kommissarische künstlerische Leiterin von Museum Schloss Moyland. Ein Ort, der sich von Mitteleuropa über Skandinavien und ganz Sibirien bis hin nach Wladiwostok erstreckt.

Dabei ist Beuys nicht wirklich Schamane. Er ist der Künstler, der sich Gestus und Ritus von Schamanen zu eigen macht, der auch Ezählungen der Schamanen übernimmt. So sind bei den Schamanen Tiere ebenso Helfer, wie sie es bei Beuys sind. Nicht umsonst erkärt Beuys dem toten Hasen die Bilder. Allein der Raum zu „Beuys und die Tiere“ lohnt einen langen Stopp auf der Reise durch den Schamanismus: mit Hirschen und Elchen und Rentieren und Hasen. Die helfen beim Ausgleich zwischen Materiellem und Spirituellen, sagt Strieder.

Aber auch die vielen Objekte aus dem schamanischen Bereich sind eine Entdeckungsreise wert. Wie ein reich verzierter Hut mit Antennen, mit dem Schamanen Energie aufnehmen können – dazu gibt’s eine passende Beuys-Zeichnung. Oder die herrlich bunten, schweren schamanischen Gewänder in den Vitrinen, denen der Filzanzug des Künstlers schlicht und grau gegenübersteht.

Zu sehen sein wird die Ausstellung, wenn die  Inzidenz-Zahlen es wieder zulassen. Zur Eröffnung gibt es einen Live-Stream am kommenden Sonntag, 2. Mai, um 14 Uhr (Übertragung der Reden).