Klever Klaviersommer : Chopin zu nachtschlafender Zeit

Beim Nocturne spielten vier Studenten des Musiksommers Campus Cleve.

So zeigt sich der Klaviersommer beim Nocturne-Konzert: Rund 200 Stühle bleiben nach dem Nachmittagskonzert stehen und erwarten die Zuhörer, die sich gegen kurz vor 22 Uhr vor der Konzertmuschel einfinden. Die Hitze des Tages brennt nicht mehr, alles wird etwas ruhiger in der Dämmerung, die im Laufe des Konzerts in Dunkelheit übergehen wird. Der Name „Nocturne“, zu Deutsch wortwörtlich „nächtlich“ oder „Nacht werdend“, wird seiner Bedeutung dabei voll gerecht. Die Bühne wird von einem Kerzenmeer sanft illuminiert, lediglich ein Strahler mit warmem Licht beleuchtet das Notenpult des großen, glänzenden, schwarzen Konzertflügels, der in der Mitte der Bühne steht. Irgendwann, wenn es richtig dunkel ist, gehen am Wegesrand Laternen an. Grillen zirpen, Äste knacken, die Kieswege knirschen, wenn jemand darüber läuft, und hin und wieder hört man etwas vom Verkehr von den nahegelegenen Straßen.

Die Jungstudenten hinter der Bühne bringen ein bisschen Aufregung und ganz viel Konzentration mit. In die Dämmerung hinein perlen dann, nach einer kurzen Begrüßung und Vorstellung der jungen Pianisten, Läufe von Chopin-Nocturnes und -Balladen. In die ruhige Stimmung hinein entfalten sich Klangwelten aus 88 Tasten eines einzigen Instruments.

So auch beim diesjährigen Nocturne-Konzert, das bei bester Wetterlage am ersten Klaviersommer-Sonntag stattfand. Es spielten vier Studenten, die in der Folgewoche Teilnehmer des Musiksommer Campus Cleve sind. Nicolas Absalom (*1999) begann mit einer Auswahl von Schumann-Walzern von beschwingt bis ruhig. Lisa Zhu (*2002) spielte zwei Chopin-Nocturnes in b-Moll und cis-Moll; eine passende Werkwahl, ist die Nocturne bei Chopin doch gleichsam der innerste Kern einer sonst anspruchsvollen, überaus „keuschen“ Seele, die sich der befreienden Nacht öffnet – und wo könnte die Aufführung passender sein, als beim freien Spiel unter Sternen.

Auch Clara Strobel (*2002) spielte Chopin, nämlich die Ballade Nr. 4 f-Moll op. 52, ein ebenfalls emotionsbetontes Werk des romantischen Komponisten, lyrisch-nachdenklich und harmonisch vielfältig. Elias Braun (*2001) beschloss die Stunde nächtlicher Klaviermusik im Forstgarten mit dem 1. Satz aus Ludwig van Beethovens Mondscheinsonate. Alle jungen Pianisten haben mit ihrem feinen, gefühlvollen und auch zupackenden Spiel in den richtigen Momenten das Nocturne-Konzert zu einem Highlight gemacht – und auch selbst eine ganz besondere Erfahrung beim Open-Air-Auftritt gesammelt, die nicht jeder Pianist im Laufe seiner Laufbahn erlebt.

Nach dem Applaus geht das Nocturne- Konzert dann jedes Jahr mit etwas Stühle-Klappern und einem Spaziergang zurück zum Parkplatz oder nach Hause zu Ende – dieses Jahr hat sogar das Feuerwerk der Klever Kirmes auf den Abschluss des Konzertes „gewartet“ und ging erst nach dem letzten Schlussakkord in die Luft.