1. NRW
  2. Städte
  3. Kleve
  4. Kultur

Kleve: Konzert der niederrheinischen Kantorei

Musikkritik : Niederrheinische Kantorei hat Raum für schöne Stimmen

Hatte der seit über 40 Jahren bestehende Chor zuletzt noch Nachwuchsprobleme, präsentierte die Kantorei sich jetzt gut aufgestellt.

Zur geistlichen Abendmusik mit dem Titel „Gloria“ hatte die Niederrheinische Kantorei (Leitung: Werner Seuken) in die Versöhnungskirche Kleve eingeladen. Und hatte der bereits über 40 Jahre bestehende Chor zuletzt noch – wie so viele Chöre - mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen, präsentierte die Kantorei sich jetzt sangesstark und gut aufgestellt mit einem Programm auf hohem Niveau. Dazu waren neben den Sängern auch das Blechbläser-Quintett „Banana-Brass“, Martha Seuken an der Querflöte, Thomas Tesche an den Tasten und Laura Kriese als Sopran am Geschehen beteiligt. Den Rahmen des knapp zweistündigen Programm boten liturgische Teile, betitelt mit Gloria in excelsis Deo, Pater omnipotens, Misere nobis, Tu solus sanctus und zum Abschluss ein Abendsegen. Grundlegend war hierfür Bob Chilcotts komplette Gloria-Vertonung, die in ein Cross-Over-Programm eingebettet wurde. Mit sauberen Einsätzen, dynamisch ausgefeilt und sehr guter Textverständlichkeit präsentierten die Choristen zunächst F. Mendelssohn Bartholdys Psalm 100, „Jauchzet dem Herrn“ sowie Armin Schoofs zeitgenössisches Werk Psalm 119. Auch das später folgende „Gebet“ Max Bruchs mit einem Text von E. Mörike für Chor a cappella gelang intonatorisch einwandfrei und eindrücklich, wie alle ausgewählten Werke des Abends.

Die formgebenden Teile aus Bob Chilcotts „Gloria“ ertönten vielschichtig, fordernd, aber immer mit Raum für schöne Stimmen, dazu klangsensibel und mit einer Fülle kleiner Wirkungen, die Seuken in seinem engagierten Dirigat von allen Beteiligten mit viel sichtlicher Freude forderte. Chor, Orgel, Bläser und Pauke erhoben sich festlich und füllten den Klangraum der Versöhnungskirche voll aus. Sopranistin Laura Kriese war dafür eine hervorragende Wahl: Sowohl in ihren Solo-Interpretationen wie dem „Domine Deus“ aus Vivaldis Gloria, wie auch gemeinsam mit dem Chor und Orgel/Klavier wie z.B. in Mendelssohns „Hör mein Bitten“ erhob sich ihre Stimme strahlend, unprätentiös und klangschön und verband sich mit den anderen Agierenden zu einem stimmigen Ganzen.

Unverzichtbar auch die gute Begleitung durch Thomas Tesche an der Orgel und dem E-Piano. Besonders zu loben sind die Glanzpunkte im Programm, die „Banana-Brass“ setzten: Insgesamt sechs Stücke wie z.B. „Amazing Grace“ oder „I Dream of Jeanie“ im schönsten Swing, der zum Wippen mit den Beinen verführte, oder Brahms‘ Wiegenlied wurden blitzsauber und mitreißend musiziert –glänzender Klang aus glänzenden Blech. Das Applaus-freudige Publikum wurde mit dem schönen Abendsegen „The peace of God“ von John Rutter entlassen.

Man hätte sich noch mehr Zuhörer für das abwechslungsreichen Programm und die gelungene Aufführung gewünscht, aber neben der Freude an dem Konzert schwingt auch die Freude darüber mit, dass von der Niederrheinischen Kantorei auch in Zukunft noch oft zu hören sein wird.