Hochschule Rhein-Waal lädt zum Ethiktag

Hochschule Rhein-Waal: Die vergessene soziale Verantwortung

Beim von Prof. Klaus Hegemann organisierten Ethiktag der Hochschule Rhein-Waal soll es um Facebook und Amazon, aber auch um profitorientierte Medizin gehen, die Leisner-Klinikum-Chefarzt Patrick Verreet beleuchten wird.

Auch wenn die Hochschule Rhein-Waal (HSRW) eine MINT-Fachhochschule ist, die Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik im Fokus hat, will man an der HSRW die ethischen Grundsätze, die Frage nach Verantwortung und moralisch-ethischen Grundlagen nicht aus den Augen verlieren. Klaus Hegemann, Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, stellt die Ethik-Frage immer wieder in der Diskussion mit seinen Studenten.

 „Unternehmen müssen sich regelmäßig fragen, ob das, was sie machen, und ob das, was beispielsweise ihre Zulieferer oder Kunden machen, ethisch verantwortlich ist“, sagt der in Kalkar lebende Hochschullehrer. Heutzutage könne ein Unternehmen nicht einfach erst einmal uneingeschränkten Profit machen, um dann seine Weste mit „Charity-Veranstaltungen“ weiß zu waschen. Inzwischen werde gerade auch für Börsennotierte Unternehmen die Frage nach der Verantwortung, nach der Nachhaltigkeit ihres Handelns wichtiger.

„Globalisierung, aktuelle Debatten und Nicht-finanzielle Berichterstattung der Unternehmen rücken das Thema Soziale Verantwortung und Ethik immer mehr in den Fokus der Gesellschaft“, ist Hegemann überzeugt.

Dabei stelle sich die Frage, welche Rolle Organisationen übernehmen, sowie in welchen Bereichen sie die Gesellschaft voranbringen und unterstützen können, so der Betriebswirt. Eine Frage, die sich inzwischen Unternehmen ab 500 Mitarbeiter stellen müssen, gehe es Richtlinien der EU nach.

Das betreffe dann eben nicht mehr nur die Großen wie Facebook, Amazon und Google, sondern auch ganz einfach die Sparkasse hier vor Ort, so Hegemann: „Wir müssen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass unsere heutigen Entscheidungen das Morgen nachhaltig beeinflussen“, sagt er. Und das nicht nur in der Diskussion mit den Studenten, sondern auch mit einer breiten Öffentlichkeit.

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Deshalb organisiert der Betriebswirt zusammen mit seinen Studenten regelmäßig den Ethik-Tag an der Hochschule, der in diesem Jahr im November über die Bühne gehen soll. „Das Programm steht soweit“, sagt Hegemann, der in diesem Jahr die Frage nach der „Sozialen Verantwortung - eine vergessene Selbstverständlichkeit“ stellen und mit seinen Referenten und vor allem dem Publikum diskutieren möchte.

„Wir diskutieren natürlich auch über Amazon, Facebook und Google und die wirtschaftspolitischen Herausforderungen durch digitale Medien“, sagt der Organisator. Für diesen Part konnte er Prof. Joachim Wagner von der Ruhr-Universität Bochum gewinnen. Wie die nach eigenen Angaben erste ökologische Bank, die genossenschaftlich organisierte GLS-Bank funktioniert, berichtet Thorsten Holstein. Außerdem ist das renommierte Wuppertal-Institut, zu dem kürzlich HSRW-Sprecherin Christin Hasken wechselte, mit an Bord: Jana Rasch referiert über die Wirtschaftsförderung 4.0: „Regionale Wertschöpfung und kooperative Wirtschaftsformen fördern“ heißt ihr Thema.

Spannend dürfte auch die Diskussion um „Die Bedrohung ethischer Grundlagen in der profit-orientierten Medizin“ werden, zu der Patrick Verreet spricht, Chefarzt und Arzt für Allgemein-, Viszeral und spezielle Viszeralchirurgie beim Karl-Leisner-Klinikum im Kreis Kleve. Nach den jeweils rund 30-minütigen Vorträgen ist eine Podiumsdiskussion geplant, zuvor wird in Workshops debattiert.

Der Ethiktag ist am 7. November, 13 Uhr, auf dem Campus Kamp-Lintfort.