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Kurhaus Kleve: Neuerwerbungen von Fries und Keining

Neues im Kurhaus : Pia Fries’ bewegte Farben für Kleve

Die Sammlungspräsentation im Museum Kurhaus zeigt die Neuzugänge: Endlich Gemälde von Pia Fries und eine Schenkung von Horst Keining. Zu sehen in der Ausstellung „Wasser & Wein“.

Pia Fries gehört zu den bedeutendsten Schweizer Malerinnen der Gegenwart, sie ist Trägerin des Gerhard-Altenbourg-Preises und lebt in Düsseldorf und München, lehrt an Kunsthochschulen und Akademien. Die 63-Jährige in Beromünster geborene Malerin gehörte zu den ersten Künstlerinnen, die eine Einzelausstellung im neuen Museum Kurhaus Kleve bekam. Jüngst hob sie die Goltzius-Ausstellung in Kleve mit ihren vom barocken Kupferstecher inspirierten Werken in eine bedeutendere Sphäre. Fries stellte den Drucken und dem Manierismus die Freiheit der Malerei der Gegenwart gegenüber. Ihre Gemälde ließen Szenen, Details aus den Drucken des 16. Jahrhunderts in mächtigen Farbschwüngen lebendig werden. Fries’ Bilder waren der eigentliche Höhepunkt dieser Ausstellung, der Schatz in der Mitte.

Namhafte Häuser in Bonn, in Essen und Leverkusen, Detroit, San Diego oder Los Angeles bewahren ihre Werke. Jetzt ist auch das Museum Kurhaus Kleve auf der Zielgeraden, zwei Gemälde der Schweizerin in die Sammlung aufnehmen zu können. „Wir hatten den Wunsch, diese Bilder zu bekommen“, sagt Kleves Museumsdirektor Harald Kunde.

Für die Finanzierung des Ankaufes brauchte es aber tatkräftige Helfer. Das Kurhaus holte die Kunststiftung NRW an Bord, die Volksbank Kleverland und die Stadtwerke und nicht zuletzt den Freundeskreis. Jetzt fehlen noch 4000 Euro, um die beiden Bilder nach Kleve zu bekommen, rechnet Valentina Vlasic, die die Goltzius/Fries-Ausstellung kuratierte. Vlasic und Kunde sind zuversichtlich, auch dieses letzte Quentchen, weniger als zehn Prozent der Gesamtsumme für ein Bild, im Laufe des Jahres über Spenden noch zu bekommen. Dann hätte Kleve Bilder einer Malerin, die in der Zeitung „Die Welt“ als geistige Erbin von Gerhard Richter gefeiert wurde. Zumal es gute Tradition in Kleve ist, Bilder der Künstler zu erwerben, die im Haus ausgestellt haben – wenn es machbar ist. Und die Machbarkeit, zwei Werke von Fries zu bekommen, ist jetzt greifbar.

Die beiden Gemälde hängen – sie müssen ja noch zur Sammlung kommen – unten im Eingangsbereich auf farbiger Wand einander gegenüber auf dem Weg in die Lounge des Kurhauses: Man sollte sich Zeit nehmen, die Berge von Farbe zur erkunden und darin und darauf die Linien aus den barocken Blättern von Goltzius zu finden.

Mit Linien arbeitet auch Horst Keining in seinem Block früher Zeichnungen, die er dem Haus geschenkt hat. „Wir schätzen Horst Keinings Werk und seine Entwicklung als Künstler. Kürzlich waren seine großen malerischen Arbeiten im Museum Schloss Moyland zu sehen“, sagt Harald Kunde. Kleve hat mit der Schenkung eine vergleichsweise frühe Arbeit des in Düsseldorf lebenden Künstlers.

Es sind 72 auf den ersten Blick vielleicht spröde Bilder – denkt man an Keinings farbenfrohe Gemälde, die in Moyland und erst kürzlich in der Galerie Ebbers in Kranenburg zu sehen waren. Sie hängen in einer langen Reihe im Säulengang der Galerie und dürften auch zu Richard Longs langer Feuerstein-Linie passen, die derzeit nicht zu sehen ist aber bald wieder an ihren angestammten komme, sagt Kunde.

Keining untersucht in diesem Block auf dunklem Papier, wie sich der Raumeindruck durch Linien, die auf dem Untergrund gezogen werden, verändert. Der in Düsseldorf lebende Künstler hat eine Zeit lang mit diesen Reaktionen, die Linie und Blatt aufeinander haben, experimentiert – auch hier zeigte Moyland Beispiele. Man muss schon genau hinsehen, dabei bleiben, um (hinter den leider sehr spiegelnden Gläsern der Rahmung) zu erkennen, wie spannend je nach Linien die Blätter großer, kleiner, höher oder breiter wirken, der Raum sich verändert, zurück oder hervortritt. Eine gute Übung, Gefühl für die Wirkung von Flächen zu bekommen, die so unterschiedlich scheinen und doch alle gleich sind. Die Bilder von Pia Fries und Horst Keining sind in der Neupräsentation der Sammlung II „Wasser & Wein“ zu sehen. Di. bis So. 11 bis 17 Uhr.