Kekerdom: Joost Langeveld begeisterte bei Musica Sacra

Musica Sacra in Kekerdom : Musica Sacra: Mitreißende Improvisation über ein Volkslied

Joost Langeveld begeisterte an der Orgel in Kekerdom

Der Lebenslauf von Joost Langeveld liest sich äußerst kurzweilig: Zu den Künstlern, mit denen der Organist bereits zusammengearbeitet hat, zählen unter anderem eine Streetdance-Gruppe und ein Jongleur. Neben seiner Konzerttätigkeit arbeitet Langeveld als Kirchenmusiker und Dozent für Musikgeschichte in Nimwegen, begleitet Stummfilme, komponiert Kirchen-, Kabarett- und Straßenlieder und hat ein Buch über Musiktheorie veröffentlicht.

In seinem Konzert der „Musica Sacra“-Reihe in St. Laurentius Kekerdom präsentierte er Orgelmusik aus fünf Jahrhunderten, von geistlich bis weltlich, von heiter bis ernst, und gab schließlich noch eine phänomenale Kostprobe seiner Improvisationskunst.

Bereits in den sechs Tänzen eines anonymen Renaissancemeisters erwiesen sich Langeveld und die Smits-Orgel als gutes Team. In den teils bodenständigen, teils eleganten Tanzsätzen brachte der Künstler die verschiedenen Register des Instruments schön zur Geltung.

Eindrucksvoll setzte er auch den „Streit zwischen David und Goliath“ von Johann Kuhnau in Szene. Der Vorgänger Bachs an der Leipziger Thomaskirche bedient sich darin aus dem großen Vorrat barocker Tonsymbolik, lässt Goliath toben und wüten, das Volk Israels zittern, David kämpfen und schließlich über seinen Sieg triumphieren.

Wunderbare Ruhe verströmten Johann Sebastian Bachs Präludium g-moll aus der Suite BWV 808 und zwei seiner Choralbearbeitungen. Mit sicherer Hand führte Langeveld den Hörer durch das polyphone Stimmengeflecht, gestaltete die Stimmen klar und transparent, ließ den Bogen der Musik niemals abreißen.

Viel Raum gab er auch Johannes Brahms’ schwermütigem Choralvorspiel „O Gott, du frommer Gott“ und kostete genussvoll die schrägen Harmonien von Albert de Klerks (1917-1998) Variationen über ein Weihnachtslied aus.

Schließlich der Höhepunkt des Konzertes: Eine Improvisation über das traditionelle Volkslied Kekerdoms, den niederländischen Zuhörern offensichtlich wohlbekannt. Langeveld ließ zunächst die Originalmelodie solo erklingen, um dann ein komplexes, atmosphärisch dichtes Tongemälde daraus zu erschaffen. Wilde Akkorde, gegeneinander verschobene Rhythmen, zwischendurch blitzte sogar Beethovens Fünfte kurz auf – doch immer wieder leuchtete die Volksmelodie schlicht und strahlkräftig aus dem Dickicht hervor.

Das bewegte Publikum in St. Laurentius Kekerdom gab stehende Ovationen.

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