Ausstellung im Museum : 500 Jahre Grafik in Kalkar

Von Aldegrever bis Uecker, vom späten Mittelalter bis hinein  in die Gegenwart zeigt das Museum Kalkar über 130 Blätter aus seiner Sammlung. Motto der Ausstellung: „Druckgrafik: Kunst für alle“.

Heute kennt sie kaum noch jemand, die Acedia, die da verführerisch aufreizend am Gesims lehnt. Dass ein Esel hinter der leicht geschürzten Dame aus der Kulisse schaut, macht misstrauisch. Zu recht, denn diese Frau ist eine Sünde, und zwar eine der ganz großen: Sie ist die Allegorie zur Nachlässigkeit, die Sünde, die zu „Nichtswollen“ oder neudeutsch zu „chillen“ verführt und alles verdrängt, was mit Sorge, Mühe oder Anstrengung behaftet ist. Ihr Wappentier ist der störrische Esel, mit dem sie in der Regel abgebildet wird. So auch auf dem Stich von Johann Ladenspelder, der auf 1540 datiert ist. Ladenspelder wurde um 1512 geboren und war Kupferstecher. Sein Einkommen reicht, damit sich der aus Essen stammende Künstler ein Haus in Köln leisten kann. Er stach Allegorisches wie die Acedia in die Platte, kopierte Dürer. Viel mehr weiß man nicht über den Mann des ausgehenden Mittelalters. Jetzt hängt einer seiner feinen, kleinen Stiche im Kabinett des Kalkarer Museums. Zusammen mit denen von Heinrich Aldegrever. Schön, kostbar und über 500 Jahre alt.

„Druckgrafik: Kunst für alle“ heißt die neue Ausstellung im Kalkarer Museum. Lioba Rochell von den Freunden Kalkars ist dafür tief ins Depot des Museums eingetaucht und hat eine wunderbare Übersicht über die Sammlung des kleinen Hauses hinter dem Rathaus der Stadt zusammengestellt. Sie bietet einen Rundgang durch die Jahrhunderte und die Techniken von Druckgrafik. Der Besucher sollte nicht vergessen, die drei Stufen ins kleine Kabinett hinauf zu den Ladenspelders und Aldegrevers ins ausgehende Mittelalter zu machen: Das Kabinett liegt nämlich noch vor den eigentlichen Ausstellungssälen gegenüber dem Empfang. Auch sollte er dringend bis in die dritte Etage des Hauses: Dort wartet nämlich unter anderen der Expressionist Heinrich Nauen mit faszinierenden Blättern von 1919. Da ist ein ungemein lebendiges Porträt seines Förderers, des Kunsthistorikers und späteren Direktors der Düsseldorfer Kunstakademie, Walter Kaesbach. Oder eine „Mutter mit Kind“, ein Schnitt, gefunden auf auf der Rückseite eines Tempera-Gemäldes von 1926. Gleich gegenüber nochmal stille Schnitte Teubers.

Gleich im ersten Saal der Ausstellung wird man von den Landschaften de Beijers verzaubert, dessen Zeichnungen in den meist von anderen Stechern in die Platte gesetzten Stiche allerdings immer etwas von ihrer de-Beijer-typischen Frische verlieren. Faszinierend die Stiche aus der Mitte des 19. Jahrhunderts vom Klever Land. Und vor allem die Anatomie von Vesalius, die den Menschen Stück für Stück bis auf die Knochen vom Fleische befreit. Wie stark gerade auch Druckgrafik sein kann, zeigt Günther Ueckers unbetitelte Lithografie von 1988, die eine ganze Wand in Anspruch nimmt und doch nur blattgroß ist.

„Druckgrafik ist als günstige Kunst für jedermann zwar stark verbreitet - aber in den Museen selten zu sehen“, sagt Lioba Rochell. Und so hat sie von 25 Künstlern aus dem Bestand Blätter und ganze Serien herausgeholt. Dabei auch Geschichten, wie eine Eulenspiegelei aus dem Jahr 1936, und eine prächtige Bildergeschichte von Robert Pudlich, der 1957 vom „Fischer und syner Fru“ erzählte. Fehlen dürfen natürlich auch nicht Blätter Goyas, die vom Grauen des Krieges berichten.

Zu sehen bis 17. Februar, Mo bis Di 11 bis 13 und Mi bis So 11 bis 17 Uhr.

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