Schloss Moyland: Katalog zur Ausstellung OIE Erwin Reusch erschienen

Museum Schloss Moyland: Insel Oie und Farbflecken im Schloss

Zur „Kunst.Bewegt“-Ausstellung „OIE“ mit Werken von Erwin Reusch ist jetzt der Katalog erschienen. Das Heft setzt die von Alexander Grönert begonnene neue Reihe zu den wechselnden Ausstellungen im Schloss fort.

Das neue Format gab’s erstmals zur noch laufenden Ausstellung von Marianne Pohl. Ein kartoniertes Umschlagblatt, mehr als doppelt so groß wie ein DIN-A-3-Blatt wird zweiseitig bedruckt und wieder auf kleineres DIN-A-4-Format zurück gefaltet. Dieses schwere Papier umfängt ein Katalogheft. Ein nicht nur ausgefallenes, sondern vor allem auch ein flexibles Design. Flexibel, wie die „Kunst.Bewegt“-Ausstellungen im Museum Schloss Moyland, zu denen sie erscheinen sollen. Lange hat man vor allem zu den Bestandsausstellungen solche Publikationen vermisst.

Jetzt liegt die zweite Ausgabe vor: denn neben Pohl zeigt Moyland derzeit Arbeiten des Bildhauers und Architekten Erich Reusch. Der hat die Ausstellung im Flügel des Schlosses selber mit seinen Werken eingerichtet. Diese Einrichtung und die durch die Räume sich ziehenden Farbinterventionen sollten eigens für diesen Katalog fotografiert werden, deshalb erscheint das Heft erst jetzt. Reusch hat mit seinen „Interventionen“ wie zufällig gerissene Farbstücke so geschickt in die Räume gesetzt, dass diese einen ganz neuen Klang bekommen. Passend hat dazu Werner Hannapel, der die Ausstellung für den Katalog fotografiert hat, einen ungewohnten Ausschnitt des Treppenhauses mit orangefarbenen Ausrissen abgebildet.

Der Umschlag des in knalligem Rot gefassten Heftchens dient als Katalog für die spannenden, rostroten Cortenstahl-Entwürfe des Bildhauers, die in Teilen auch verwirklicht wurden. Moyland bietet mit den auch im kleinen Format monumental funktionierenden Skulpturen einen schönen Überblick über diesen Teil des Werkes, über den Bildhauer Reusch.

„Mit Werken wie dem Wettbewerbsentwurf für ein Mahnmal in Auschwitz, dem Wasserrelief auf dem Forumsplatz der Universtät Bochum oder der Umgestaltung des Ehrenhofs in der Gedenkstätte ,Deutscher Widerstand’ im Berliner Bendlerblock hat Reusch maßgeblich dazu beigetragen, ein neues Verständnis von Skulptur im öffentlichen Raum zu schaffen“, schreibt Grönert im Text zur neuen Publikation. Es sind vor allem die flachen Bodenplastiken, mit denen Reusch sich auseinandersetzt – und die wie selbstverständlich im öffentlichen Raum stehen. Wie beispielsweise der Brunnen vor dem Innenministerium des Landes NRW in Düsseldorf. Reuschs Bodenskulpturen erinnern in ihrer minimalistischen, geradezu perfekt in die Räume eingepassten Einrichtung an die Werke des Amerikaners Carl Andre, die fast zeitgleich entstanden.

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Während sich das gefaltete Umschlagblatt vor allem der Stahl-Skulptur widmet, zeigt das eingelegten Heft die Malerei und die elektrostatischen Objekte, in denen sich schwarzes Pulver an den vom Raum-Klima aufgeladenen Innenseiten beispielsweise von Röhren ablagert. Das sind Säulen oder Wandskulpturen, die sich stets wandeln und die filigran, durchsichtig und doch markant im Raum stehen. „Meine Absicht ist es, Raum nicht durch eine Form zu verstellen und zu beengen, sondern die Grenzen der räumlichen Gegebenheit durch eine Plastik zu erweitern“, wird Reusch zitiert.

Der Bildhauer, Architekt und Pilot erklärt auch den Titel OIE, der sich von der Ostseeinsel Oie ableitet, die einsam hinter Rügen im Meer liegt. Als Junge träumte Reusch, von Rügen aus die Insel zu erreichen. 1998 kam er mit seinem Flugzeug in eine Gewitterfront und plötzlich tauchte in Baumwipfelhöhe Oie unter dem Flieger auf.

Reusch, 1925 geboren, war Architekt und später Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie.

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