Kurhaus/Moyland: Programme zum Todestag von Joseph Beuys

Museen im Klever Land : Eine Annäherung an Joseph Beuys

Vor 33 Jahren starb der in Kleve aufgewachsene Künstler und Professor der Düsseldorfer Kunstakademie. Die Museen Schloss Moyland und Kurhaus erinnern an seine Kunst, Moyland zeigt die Film-Dokumentation von Andres Veiel.

Das Leben im Wohnatelier in Düsseldorf am Drakeplatz wirkt manchmal wie ein großes Gesamtkunstwerk, wenn die Versammlung der Tierchen mit Eisbär und Puppe zur Installation wird, oder wenn der Tannenbaum des ersten Weihnachtsfestes in der neuen Unterkunft der Familie ein Kunstwerk ist und später mit seinen Nadeln möglicherweise in einem anderen Werk überlebt, das derzeit mitsamt Hut im Souterrain von Schloss Moyland zu sehen ist.

Museum Schloss Moyland zeigt derzeit den von der damaligen Museumsdirektorin Bettina Paust angestoßenen Ankauf einer Langzeitdokumentation mit Fotografien von Eva Beuys, die ihren Mann begleitete, seine Werke fotografierte und zugleich in ihren beeindruckenden Bildern vom Leben im Atelier erzählt – ohne ihn selbst abzubilden, der sonst aus seinen Werken nicht wegzudenken war: Joseph Beuys.

Am 23. Januar vor 33 Jahren starb der Künstler, dessen Werke bis heute nicht aus den großen Museen der Welt wegzudenken sind. Die Museen im Klever Land bieten zum Gedenken an diesen Tag ein Sonderprogramm. Schließlich sind sie und ihre Sammlung mit dem in Kleve aufgewachsenen Künstler eng verbunden. Beuys hatte im damaligen Kurhaus eines seiner frühen Ateliers. Es war der Ort, in den sich der Künstler zurückzog und zu dem wurde, was ihn berühmt machte. Von hier aus führte sein Weg als Professor zur Kunstakademie nach Düsseldorf. In Kranenburg bei den Gebrüdern Franz-Joseph und Hans van der Grinten bewältigte er seine Krise in der „Feldarbeit“, die Brüder organisierten hier die Stallausstellungen und begannen mit ihrer Sammlung, die heute Grundstock von Schloss Moyland ist.  Haus Koekkoek schließlich richtete ihm eine seiner frühen Ausstellungen ein.

Spannend zeigt Kleve, dass Beuys auch für die späteren Werke, wie der Straßenbahnhaltestelle für die Bienale in Venedig, auf seine Heimat zurückgriff. Das belegen Getlingers Fotos und der Kopf, den Beuys auf das in Kleve abgegossene Kanonenrohr setzte, so Museumsdirektor Prof. Harald Kunde. Faszinierend das androgyne Selbstporträt (1947), das sich in Kleve als Gips und als Bronze gegenübersteht. Passend zur Kurhaus-Sammlung „Mein Kölner Dom“. Das ist eine wandfüllende  Fotoarbeit von 1980. Zu sehen auch die Maske aus der Performance „Beethovens Küche“ von Beuys, deren Dokumentation ebenfalls Bettina Paust für Moyland ankaufte. Damals eine Entdeckung!

Am Sonntag, 27. Januar, startet in Moyland um 12 Uhr ein Rundgang durch die Beuys-Etage mit den Fotografien von Eva Beuys. Das Programm für Kinder ab neun Jahren und Familien beginnt um 13 Uhr. Wie man sich Beuys hautnah annähern kann, zeigt Alexandra Eerenstein anhand praktischer Übungen direkt vor den Exponaten und macht so das Werk und vor allem auch die Materialien, die Beuys verwendete, erleb- und begreifbar. Um diese Sinneseindrücke zu vertiefen, experimentieren die Teilnehmer im Anschluss selbst mit diversen Materialien, Formen und Symbolen, die sie zuvor im Beuys’schen Werk entdeckt haben. (Die für den eigentlichen Todestag, Mittwoch, 23. Januar, angekündigte Führung entfällt).

Parallel läuft im hinteren Saal des Museumscafés  der Dokumentarfilm Beuys von Andres Veiel, der im Rahmen der Berlinale 2017 seine Weltpremiere feierte. Für „Beuys“ (Dauer: 107 Minuten) recherchierten und erschlossen Veiel und sein Team in jahrelanger Arbeit Foto-, Audio- und Videomaterial. Das Ergebnis ist eine Collage, die eine ungewöhnliche Persönlichkeit porträtiert und die Ideenräume des Künstlers sowie seine Aktualität spürbar macht. Und die auch zeigt, wie eng Künstler und Werk zueinander standen. humorvoll und vor allem nachdenklich – unbedingt sehenswert.

Kosten in Moyland: Nur Museumseintritt, Führung und Workshop sind kostenfrei, in Kleve ebenfalls Museumseintritt.

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