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Kranenburg: Stundenzeiger von Kirchturmuhr in 50 Metern Höhe gestohlen

Kirchturm in Kranenburg : Gestohlener Zeiger kostet nur 15 Euro – aber der Schaden ist groß

Den kleinen Zeiger der Kirchturmuhr in Kranenburg-Mehr haben die Täter gestohlen. Dafür kletterten sie an einem Baugerüst 50 Meter hoch. Die Beute hat einen Wert von 15 Euro. Der verursachte Schaden beträgt mindestens 1200 Euro.

Seit vier Monaten ist der Turm der Mehrer St. Martinus Kirche eingerüstet. Das Mauerwerk des erstmals 1332 erwähnten Gotteshauses muss neu verputzt werden. Steine drohten sich zu lösen. Diebe nutzten jetzt das Baugerüst, um 50 Meter hoch bis zur Turmuhr zu klettern. Sie bogen so lange an dem Stundenzeiger herum, bis sie ihn von der Narbe abgebrochen hatten. Der Versuch, den Minutenzeiger ebenfalls vom Ziffernblatt zu trennen, scheiterte. Die Tat ereignete sich in der Zeit zwischen Dienstag, 15 Uhr, und Mittwoch, 8.45 Uhr. Das Gerüst mit dem Treppenhaus ist gut gesichert. Die Täter müssen über eine Absperrung geklettert sein. Bemerkt wurde der Schaden, als die Handwerker mit ihrer Arbeit begannen.

Die Kirche in Mehr gehört zu der Pfarrei St. Antonius Abbas. Pfarrer ist Jörg Monier (50), der sich über den Raub ärgert. Vor allem dachte er auch schon daran, wer für den Schaden aufkommen muss. Wir erreichen ihn wenige Minuten vor einer Trauung in Frasselt. Der Geistliche hat schon einige Vorfälle erlebt, in denen Gotteshäuser beschädigt wurden. „Meine letzte Stelle war in Duisburg. Da war das häufiger der Fall“, sagt Monier. Vielleicht gehe es den Tätern auch einfach nur um ein Souvenir, so der Geistliche.

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Martin Wieschus (57) arbeitet bei dem Unternehmen Diegner & Schade und ist Fachmann für historische Uhren. Der Kirchentechniker war bereits vor Ort und hat sich den Schaden angesehen. „Die meisten meinen, sie hätten da Gott weiß was vom Turm geholt“, sagt Wieschus. Die Zeiger sind aus Stahl und mit Kupfer ummantelt. Auf dem Schrott wird die Beute verkauft. „Es handelt sich hier um einen Wert von 15 Euro“, sagt der Experte. Bitter sei der Schaden, der dabei verursacht wurde. Die Unterkonstruktion ist verbogen. Um das defekte Innenleben zu beheben, müssen mindestens 1200 Euro investiert werden. „Es kann aber auch mehr werden. Wir wissen nicht genau, wie es in dem Uhrwerk aussieht“, sagt Wieschus.

 Das demolierte Ziffernblatt der Kirchuhr.
Das demolierte Ziffernblatt der Kirchuhr. Foto: Markus van Offern (mvo)

Die Kirche steht unter Denkmalschutz. Darum muss die gleiche Art der Zeiger originalgetreu wieder angebracht werden. Bitter ist der Fall auch, weil erst vor zwei Jahren die Zeiger und das Ziffernblatt aufgearbeitet wurden.

Martin Wieschus hat derartige Fälle schon häufiger erlebt. „Wenn wir Kirchtürme einrüsten, bauen wir häufig sofort die Zeiger ab“, sagt er. Es komme immer mal wieder vor, dass Handwerker versuchen, an den Zeigern zu drehen, um etwa die Uhrzeit zu verstellen. „Dabei brechen dann Stifte ab. Das hatten wir zuletzt noch in Düren“, sagt der Experte.

Hinweise zu verdächtigen Personen oder Beobachtungen im Umfeld der Kirche in Mehr nimmt die Kriminalpolizei Kleve unter der Telefonnummer 02821 5040 entgegen.