Kleve: Der Heilige mit dem Anker

Kleve : Der Heilige mit dem Anker

Der Heilige Clemens I. ist Namenspatron für die Kirche in Wissel. Er gilt als der dritte Nachfolger von Petrus als Gemeindevorsteher von Rom, der auch Paulus noch persönlich kannte. Einer Märtyrerlegende zufolge wurde er an einem Anker im Meer versenkt.

Das Gotteshaus in Wissel ist dem heiligen Clemens I. geweiht, dessen Fest am 23. November gefeiert wird. Nachgewiesen ist Papst Clemens als Patron durch das um 1200 datierte Siegel auf einer Urkunde des Jahres 1303. Es zeigt ihn mit der Tiara auf dem Kopf, in der rechten Hand hält er ein geöffnetes Buch, das Evangelium, in der Linken den Palmzweig, das Symbol des Martyriums.

Auf der kleinen Holzbildtafel, die in der Kirche in Wissel zu sehen ist, sieht man, wie Clemens an einem Anker im Meer versenkt wurde. Foto: Evers, Gottfried

In der Kirche findet man ein farbig gefasstes Holzbildwerk des Pfarrpatrons aus dem Jahr 1884. Von den beiden Türmen der Kirche wird der südliche als Clemensturm bezeichnet. Clemens war Irenaeus zufolge der dritte Nachfolger von Petrus als Gemeindevorsteher von Rom, der auch Paulus noch persönlich kannte. Nach der Überlieferung suchte Clemens als junger Gelehrter bei den Philosophen einen Beweis für die Unsterblichkeit der Seele; er fand ihn im Hören auf eine Predigt des Apostels Barnabas, der ihn bekehrte.

Er wurde von Barnabas getauft und zu Petrus geführt, erfuhr von diesem die Bestätigung der Unsterblichkeit und wurde von ihm zum Nachfolger als römischer Gemeindevorsteher bestimmt. Nach dem Tod von Petrus wollte er diese Wahl nicht annehmen, überließ erst Linus, dann Anenkletos das Amt, wurde aber um das Jahr 88 gedrängt, das Amt zu übernehmen, das er bis 97 innehatte, wie es die frühen Papstverzeichnisse angeben. Clemens gilt als Verfasser der beiden "Clemensbriefe", dessen erster sich an die Gemeinde in Korinth wendet, dessen zweiter eine Art ausführliche Predigt ist. Der Ausbruch der Dispute innerhalb der Kirche von Korinth, wo einige Kirchenälteste ihres Amtes enthoben wurden, zwang Clemens einzugreifen.

Bis ins 4. Jahrhundert galten die Clemensbriefe allgemein als kanonisches Buch der Bibel. Bis heute werden sie als Zeugnis für die frühe zentrale Stelle des Bischofs von Rom betrachtet. Die Kirche S. Clemente in Rom steht der Überlieferung nach an der Stelle des Elternhauses von Clemens. Ausgrabungen haben erwiesen, dass nach 64 das Gebäude an diesem Ort als Werkstatt errichtet und im 3. Jahrhundert als Mithrasheiligtum benutzt wurde. Die Zweckbestimmung nach einem weiteren Umbau im selben Jahrhundert blieb unklar, eine kirchliche Verwendung deshalb möglich. Eine dort gefundene Inschrift war einem namenlosen Märtyrer geweiht, was wohl Anlass zur Märtyrerlegende des Clemens wurde. Danach wurde er an einem Anker im Meer versenkt, was in Wissel auf einer kleinen Holzbildtafel dargestellt ist. Als Todesdatum werden die Jahre 97 oder 101 in Rom oder in Chersones, heute Ruinen bei Sewastopol auf der Halbinsel Krim in der Ukraine, angegeben. Die Reliquien des Heiligen werden heute im Hochaltar der 1108 erbauten Oberkirche von S. Clemente in Rom aufbewahrt.

(RP/rl)
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