Kleve: Taping: Rindern eine kleben

Kleve : Taping: Rindern eine kleben

Im Profisport hat sich das sogenannte Taping schon länger durchgesetzt. Nach erfolgreicher Übertragung auf den Pferdesport wird das Verfahren nun auch im Kuhstall angewendet. Haus Riswick bietet erste Kurse an.

Kleve-Kellen Das geht auf keine Kuhhaut? Und ob! Eine Firma aus Borken bietet für interessierte Landwirte, Tierärzte und Tiertherapeuten Kurse im Haus Riswick an, bei dem sie lernen sollen, Rinder mit Tapes zu therapieren. "Bei Blutergüssen oder Muskulatur-Problemen können die Tapes eine kostengünstige Behandlungsalternative sein, die ohne Medikamente wirkt", erzählt Søren Heinbokel, Therapieleiter von Maia Medical.

Denn bis auf hypoallergenen Klebstoff seien die Gummibänder komplett frei von Wirkstoffen. Bei Entzündungen zum Beispiel werde mit Hilfe der Tapes die Haut angehoben und fixiert. So könne die Entzündung deutlich besser zerfließen und die Heilung beschleunigt werden. Bei Ödemen an Eutern oder bestimmten Infektionen kann durch Lymph-Tapes eine Unterstützung der klassischen Behandlung erfolgen, aber auch verrenkte Gelenke, Muskelfaserrisse oder Bänder- und Sehnenproblematiken können behandelt werden.

"Ursprünglich kommt die Behandlung aus der Physiotherapie und aus dem Profisport. Vor fünf Jahren haben wir damit angefangen, auch Pferde zu tapen", erzählt Heinbokel. Damals habe man ihn noch ausgelacht. Mittlerweile sei die Wirkung aber auch wissenschaftlich bewiesen. "Das ist für Pferdesportler natürlich interessant, weil sie ihre Tiere dopingfrei behandeln können", so der Therapieleiter.

Auf die Idee mit den Kühen sei dann die Dozentin Meike Schnöring gekommen. "Das Rindertaping unterscheidet sich aber deutlich vom bisherigen Taping. Die Haltbarkeit ist noch einmal problematischer als beim Pferd", sagt Heinbokel. Schnöring, die auch ein Buch zu dem Thema veröffentlich hat, berichtet, dass sich die Tiere durch die Tapes meist sichtlich wohler fühlen. Und das wirke sich auch für uns Menschen aus, sagt Anne Verhoeven vom Haus Riswick.

Denn wenn sich ein Tier wohlfühlt, dann erhöhe sich auch die Milchleistung der Kühe. Und da sich bei der Behandlung der Rinder Medikamente sparen lassen, sei das Fleisch am Ende auch nicht so belastet. "Wir legen aber Wert darauf, dass nur ausgewiesene Fachleute tapen, da man sich mit der Anatomie und der Physiologie der Kühe auskennen muss", betont Søren Heinbokel.

Die Anlage im Haus Riswick biete sich dafür besonders an, weil sich dort ein Schulungsstall befindet, sagt er. "Die Kühe müssen schon ruhig und fixiert stehen, damit man die Tapes richtig auftragen kann", so der Therapieleiter. Mit alternativen Behandlungen von Rindern hat man dort auch schon Erfahrung gemacht. Seit einigen Jahren bietet man schon Physiotherapie und Akkupunktur für die Nutztiere an. Auch eine Bürstenanlage steht für die Tiere bereit, die seit zehn Jahren behornt gehalten werden.

(lukra)
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