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Corona-Kirse: Klever Studierende gründeten eine Nachbarschaftshilfe

Nachbarschaftshilfe in Kleve : Hilfe leisten und Hilfe annehmen

In Zeiten der Corona-Pandemie brauchen viele Menschen Hilfe – und viele Menschen wollen diese leisten. Im Kleverland gibt es einige Angebote der Nachbarschaftshilfe. Ein Klever Senior appelliert, diese auch wahrzunehmen.

Der Betrieb der Hochschule Rhein-Waal (HSRW) liegt still. Der Vorlesungsstart ist auf den 20. April verschoben. Die Studierenden sitzen Zuhause – so wie viele Menschen aktuell. Doch wie so viele wollen auch die Studierenden nicht untätig sein. Sie wollen helfen. Und so initiierte Joshua Lehmann (23), Vorsitzender des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) der HSRW, mit zwei Kommilitoninnen eine Nachbarschaftshilfe zur Unterstützung von Bürgern der sogenannten „Risikogruppe“.

„Das ging alles ziemlich schnell. Die Hilfsbereitschaft ist sehr groß“, sagt Lehmann. Mehr als 200 Studierende haben sich dem Team bereits angeschlossen. Sie wollen Tätigkeiten des Alltags für ihre Mitmenschen übernehmen, damit diese auf „nicht zwingend notwendiges Verlassen der Wohnung“ verzichten können. Insbesondere Einkaufen oder Gassi gehen sowie Rezepte einlösen, stehen auf der Tagesordnung der Gruppe. Seit Montagfrüh helfen die Studierenden überdies bei der Klever Tafel.

Wer ein Anliegen hat, kann sich bei der Nachbarschaftshilfe der Studierendenschaft melden (siehe Infokasten). Die Anfrage wird dann schnellstmöglich bearbeitet – eine Garantie gibt es allerdings nicht. Das Team um Lehmann verfährt so: Die Anfrage (zum Beispiel zum Einkäufe erledigen) wird mit einer groben Ortsangabe in der Gruppe geteilt. Der freiwillige Helfer meldet sich dann bei den Organisatoren, die die weiteren Schritte (etwa die Ansprechperson und die Adresse) benennen. „Datenschutz ist uns wichtig“, betont Lehmann. Der Helfer führt den Auftrag dann, natürlich möglichst kontaktlos, durch. „Es ist schön zu sehen, wie schnell und unkompliziert eine Anfrage bearbeitet werden kann“, sagt der 23-jährige Student.

Ähnliche Angebote kommen auch von etablierten Einrichtungen im Kleverland. Der Klever Ortsverband des Malteser Hilfdienstes bietet einen Einkaufsservice für ältere Personen und Personen aus der Risikogruppe an. Montags, mittwochs und freitags, jeweils von 14 bis 17 Uhr, sind die Malteser telefonisch (siehe Infokasten) zu erreichen, um Bestellungen aufzugeben. Jeweils nach den Telefonzeiten erfolgt die Auslieferung.

Die „Gocher Arche“ möchte zudem erreichen, Hilfesuchende und Helfer zueinander zu führen. Ab Donnerstag, 26. März, können Hilfegesuche sowie Hilfsangebote den Mitarbeitern der Arche telefonisch (siehe Infokasten) bekanntgegeben werden. Diese vermitteln dann die Telefonnummer und den Namen des Hilfesuchenden an einen Helfer, der dann direkt Kontakt aufnimmt.

Insbesondere die Studierenden merken allerdings, dass aktuell noch wenig Anfragen gestellt werden. Ähnliches bestätigt auch der Malteser: Nur langsam steige die Nachfrage. Joshua Lehmann vermutet, dass viele Menschen bis jetzt noch gut versorgt waren und sich überdies nicht in ihrer Freiheit haben Einschränken lassen wollen. Doch jetzt sei die Zeit „um Hilfe zu leisten aber auch Hilfe anzunehmen“, sagt er. „Nur indem einige sich einschränken und andere etwas mehr leisten, kann diese Krise überwunden werden.“

Zu dieser Erkenntnis kam auch Anton Cornet. Der Klever ist 84 Jahre alt, gehört also zur sogenannten „Risikogruppe“. Noch vor anderthalb Wochen habe er auf das Hilfsangebot seines Nachbarn „Mache ich den Eindruck, dass ich das nicht mehr selbst kann?“ geantwortet, erzählt er im Telefoninterview. „Aber dann ist mir deutlich geworden, dass ich dumm reagiert habe.“ Bei seinem Nachbarn hat sich Cornet, der aktuell nur für seinen alltäglichen Spaziergang das Haus verlässt, telefonisch entschuldigt – und wird seither von diesem mit allen wichtigen Einkäufen versorgt. „Es ist besser, wenn ich nicht selbst einkaufen gehe. Es ist praktisch unmöglich, den erforderlichen Abstand einzuhalten“, sagt der Senior. Allerdings betont Cornet, dass nicht jeder so gutherzige Nachbarn habe wie er. Doch auch für diese Menschen gebe es Hilfe: „Es ist herzerwärmend, wie viele Angebote es von den jungen Menschen gibt.“ Und eben auf diese Angebote müsse die sogenannte „Risikogruppe“ jetzt zurückzugreifen, appelliert Cornet. Wer bisher noch keine Nachbarschaftshilfen angenommen hat, solle dies jetzt machen – es gibt genug, man muss sich nur informieren.