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Monika Lennartz hat ihre neapolitanische Krippe dem Kramer-Museum in Kempen geliehen

Im Städtischen Kramer-Museum in Kempen : Krippe ohne klassischen Stall

Sammlerin Monika Lennartz aus Mönchengladbach zeigt ihre neapolitanische Krippe im Städtischen Kramer-Museum in Kempen. Zwar ist das Museum derzeit geschlossen, doch lohnt sich ein Blick auf die Abbildung.

In den heimischen, kirchlichen und musealen Krippen sind in den vergangene Tagen noch einige Figuren mitsamt Kamel zu Maria, Josef und dem Kind hinzugekommen: die Heiligen Drei Könige. Das ist im Städtischen Kramer-Museum in Kempen nicht anders. Aufgrund der Corona-Schutzverordnung muss das Museum geschlossen bleiben, doch lohnt ein Blick auf die Abbildung der derzeit ausgestellten neapolitanischen Krippe.

„Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: ‚Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen‘“, heißt es im Matthäusevangelium.

Die Sterndeuter oder auch Weisen kennen wir als die Heiligen Drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar. Sie vertreten die Erdteile Europa, Asien und Afrika. Sie überreichten dem neugeborenen König Gold als Symbol für Macht und Reichtum, Myrrhe als Salböl, das auch Leiden und Tod verkörpert, und Weihrauch als Zeichen der Anwesenheit Gottes.

Der Dreikönigstag am 6. Januar war lange Zeit in Deutschland ein hohes kirchliches Fest. Heute erinnern vor allem die Sternsinger, verkleidet als Drei Könige, an die Sterndeuter.

Im Städtischen Kramer-Museum ist im Rahmen der Ausstellung „Christkinder. Vom Zauber der Krippen- und Jesuskindfiguren“ die neapolitanische Krippe aus der Sammlung von Monika Lennartz aus Mönchengladbach zu bestaunen.

„Stille Nacht“ ist eindeutig vorüber, die Heilige Familie hält Hof: Gekommen sind alle, die Interesse an diesem kleinen König haben. Bäuerinnen, Städterinnen, Hirten, Dienerinnen und Diener – alle bepackt und beladen mit Körben, Tieren und ihrer Neugier. Und mittendrin die Heiligen Drei Könige.

Prachtvoll gewandet ist jede einzelne Figur. So lebhaft wirken sie, dass man sich vorstellen könnte, dass die eine oder andere vortritt, ihre Position ändert, ihre Geschenke überreicht. Und über allem: die prachtvollen Engel. Was fehlt, ist der klassische Stall – und das ist typisch für diese Krippe, die im neapolitanischen Stil gestaltet ist.

Überdies ist es keine Darstellung einer Szene, wie sie sich vor 2000 Jahren abgespielt haben könnte. Stattdessen ist sie in der Art der Figuren und ihrer Kleidung in die Lebenswelt des 18./19. Jahrhunderts hinein versetzt worden. Die Krippe basiert auf einer Krippendarstellung, die dem ehemaligen Diözesanmuseum in Freising gehörte. Diese wiederum geht auf König Karl III. von Sizilien zurück.

Lennartz, passionierte Sammlerin und Kunsthandwerkerin, kennt sich bestens aus: Karl III. war ein Liebhaber und Förderer von großen Krippen. „Sogar seine Frau, Maria Amalia von Sachsen, ließ in ihren Porzellanmanufakturen Krippenfiguren anfertigen“, sagt Lennartz. Karl III. gründete eine Manufaktur in Capodimonte, in der Krippenfiguren hergestellt und von dort in die Welt geschickt wurden – an andere Königs- und Fürstenhäuser.

Lennartz erwarb im Antiquitätenhandel einige Originalfiguren aus neapolitanischen Krippen aus der Zeit 18./Anfang des 19. Jahrhunderts, andere arbeitete sie nach Originalen im neapolitanischen Stil aus Wachs oder einer tonartigen Gießmasse nach, bemalte sie farbig und nähte ihnen Kleidung aus authentischen Stoffen. Die Krippe, die im Kramer-Museum zu sehen ist, entstand zwischen 1990 und 1996.

„Die neapolitanischen Krippen wurden schon am 8. Dezember aufgebaut und blieben bis nach dem 6. Januar stehen“, erzählt Lennartz. Und in ihnen – ohne Stall, oft nur in eine Gasse gesetzt – fanden sich auch biblisch nicht belegte Begleitfiguren, sagt Lennartz: „Da konnte auch ein Metzger mit seinen Würstchen auftauchen.“