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Kempen: Einkaufen in der „Grauzone“

Kempen : Einkaufen in der „Grauzone“

Die Kunden wollen Geld sparen, die Stadt sorgt sich um den Einzelhandel in der Kempener City: Sie beobachtet wachsam den zunehmenden Verkauf von vielerlei Waren direkt ab Fabrik im Gewerbegebiet.

"Man kann einfach eine ganze Ecke günstiger einkaufen, daher fahre ich gern ins Gewerbegebiet. Besonders lohnt es sich bei Keksen. Wir naschen nämlich alle gerne", sagt Simone Weertz schmunzelnd. Molkereiprodukte sind es bei Achim Holters, die den Rentner regelmäßig ins Kempener Gewerbegebiet ziehen. Dreimal in der Woche werden dort nämlich Joghurt, Käse und Co zu günstigeren Preisen als im normalen Einzelhandel verkauft. "Da kann ich wirklich Geld sparen", urteilt Holters.

"Die Innenstadt schützen"

Billiger einkaufen ab Fabrik, der Trend hält sich, auch im Kempener Gewerbegebiet. Allerdings hat die Stadt darauf ein wachsames Auge. Denn sie möchte mit ihrem Zentrenkonzept, das den Verkauf bestimmter Sortimente auf die Innenstadt beschränkt, die City stärken und die Kunden nicht an die Außenbezirke verlieren. "Es ist ein Grundsatzproblem", findet Bürgermeister Karl Hensel. Das Gewerbe sucht eben Möglichkeiten, überschüssige Ware, die 1B-Produktion oder Restware zu veräußern — der Auslöser für den Fabrikverkauf.

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"Und damit beginnt die Problematik. Wir können im Einzelfall nicht kontrollieren, wie viel reguläre Ware mit in den Fabrikverkauf geht", so Hensel. Das ist aber nicht das einzige Problem. Eigentlich ist es dem Anbieter nur erlaubt, Produkte, die in Kempen selbst produziert werden, zu verkaufen. Dazu kommt, dass einzelne Vermarkter Produkte anderer Firmen mit ins Angebot nehmen, weil sie sie günstig bekommen und die eigene Palette ergänzen. Hier sei eine Grauzone, beklagt Hensel.

Die Stadt kontrolliere regelmäßig, ab und zu müssten die Betriebe etwas zurückschrauben. Dazu kommt, dass die Stadt die Öffnungszeiten der Fabrikverkäufe reglementiert und die Geschäftslokale bestimmte Größen nicht überschreiten dürfen. Das Maximum sind 100 Quadratmeter. Es muss ein Nebengeschäft bleiben. Mit diesen Maßnahmen will die Verwaltung die City stärken, "denn von ihr leben wir alle. Wir müssen sie vor solchen Außenvermarktungen schützen", so Hensel. Was nicht heißt, dass dem Fabrikverkauf komplett der Riegel vorgeschoben wird: "Das ist ein Drahtseilakt." Am besten, aber utopisch wäre es, dass sich die Firmen eine Verkaufsstelle im Ortskern suchen würden. "Eine solche Konzentration wäre optimal", so Hensel. Bei den Bürgern jedenfalls kommt der Fabrikverkauf gut an. "Nur schade, dass die Öffnungszeiten so unterschiedlich sind", beklagt Bärbel Franke. Frage des Tages

(RP)