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Kempen: Deutlich, drastisch, mutig – gut

Kempen : Deutlich, drastisch, mutig – gut

Bekannte, immer noch zugkräftige Gags präsentierte Volker Pispers in St. Hubert ebenso wie bissiges, pointiertes, politisches Kabarett. Das nur feingeistige, literarische Florett packte er da nicht aus. Einigen Zuhörern schien die Luft wegzubleiben. Pispers Pointen saßen.

ST.HUBERT „Was meinen Sie, was hier los wäre, wenn mehr Menschen begreifen würden, was hier los ist?“ Nein, der Mann ist kein Kuschelbär – auch wenn er zunächst eher gemütlich daherkommt: Volker Pispers präsentierte Mittwoch- und Donnerstagabend sein aktuelles Programm im St. Huberter Forum. Pispers steht für politisches Kabarett. Und dass das weh tut, versteht sich von selbst – und spätestens nach der Pause auch das Publikum.

Sprachlich pointiert

Dem nämlich bleibt bisweilen ob der Deutlichkeit der pispersschen Positionen schlicht die Luft weg. Allerdings noch nicht vor der Pause: Da schleicht sich Pispers eher noch an. Volker erklärt die Welt, sprachlich pointiert präsentiert, nett.

Und alle können lauthals über die nicht immer taufrischen Pointen lachen – wer Pispers häufiger gesehen hat, trifft manche alte Bekannte wieder. Was der Meister aber erstens auch anfangs einräumt und zweitens dem Vergnügen keinen Abbruch tut. Also: Früher stand der Russe im Osten vor der Tür, heute verkauft er im Fernsehen Milchschnitten. Schwarzenegger vor 15 Jahren noch Conan, der Barbar, heute regiert er Kalifornien - man sollte Daniel Küblböck im Auge behalten. Eine Gruppe raffgierigen, asozialen Packs? Richtig, er spricht von Spitzenmanagern. Und vom „Prekariat reden wir nur, damit diese Leute nicht merken, dass wir über die sprechen“. Lacher. Viele Lacher, heftiger Applaus, das Publikum fühlt sich bestens unterhalten.

  • Kaarst : Knallhartes politisches Kabarett im AEF
  • Hier stehen zwei Zeilen Bildunterschrift.
    Kabarett : Große Kabarett-Show vor kleinem Publikum im AEF
  • Rommerskirchen : Knallhartes Polit-Kabarett in Eckum

Nach fast 80 (!) Minuten die Pause. Und danach geht es dann ruckartig ans Eingemachte. Pispers deckt die Fehler, den Zynismus, das Absurde, das Schäbige, die Lügen des Systems auf. Und nennt das Kind beim Namen – in einer auch sprachlich bisweilen drastischen Form. Pispers bezieht Position: Bildungspolitik, Mindestlohn, G8-Gipfel, soziale Ungerechtigkeiten, der Zynismus der Kapitalisten, die Verlogenheit der Politiker, die Scheinheiligkeit der Medien, reine Politikinszenierungen, Parteien, die ihr Programm und ihr Klientel verraten – nur ein paar der Themen, zu denen Pispers seine entschlossene Meinung ins Auditorium knallt. Und da klatschen dann lange nicht mehr alle. Es macht sich Betroffenheit breit.

Pispers hat sich entschieden. Er sagt, was er denkt. Und nennt die Dinge beim Namen. Das nur feingeistige, literarische Florett, das er natürlich auch beherrscht, bleibt zeitweise in der Waffenkammer. Er schwingt das Beidhandschwert. Und trifft. Was man der fast greifbaren Betroffenheit im Publikum deutlich anmerkt. Mancher wendet sich gar pikiert: „Das kann man doch nicht machen.“ Was – die Wahrheit sagen? Doch, man kann. Falsch: Man muss.

(RP)