Stadt Kempen: Das frühere Leben in der Kempener Burg

Stadt Kempen : Das frühere Leben in der Kempener Burg

Das Heimatbuch 2015 des Kreises Viersen ist soeben erschienen. 21 Beiträge beschäftigen sich mit Geschichte, Kunst, Natur und Menschen. In der Burg ging es nur in der Fastenzeit nüchtern zu.

In der Fastenzeit haben die Bewohner der Kempener Burg Hering, Bückling und Stockfisch verspeist. Zu anderen Gelegenheiten ging es weniger nüchtern zu. Der Weinkonsum ist recht groß gewesen. Herausgefunden hat dies Prof. Dr. Leo Peters, der ein Rechnungsbuch Arnold von Wachtendonks aus dem Beginn des 17. Jahrhunderts ausgewertet hat. Entstanden ist daraus ein Aufsatz über den "Alltag auf der Burg und in der Stadt Kempen".

Weitere 20 Beiträge enthält das soeben erschienene Heimatbuch des Kreises Viersen 2015. Es ist für unverändert 12 Euro in den Buchhandlungen und im Kreisarchiv erhältlich. "Viel Arbeit" hatte Kreisarchivar Dr. Gerhard Rehm als Redakteur einer Ausgabe, die mit 384 Seiten bisherige Formate sprengt. "Keiner muss alles lesen", meint Rehm auch zur 66. Ausgabe, die in 3500 Exemplaren aufgelegt wurde.

Seit Jahrzehnten zeichnet sich das Buch dadurch aus, dass es wissenschaftliche (und überprüfbare) Qualität, eine breite Themenvielfalt und Lesbarkeit ausbalanciert. In den "Lebensbildern aus dem Kreis Viersen" schildert Ferdi Leewe einmal den Mut des Waldnielers Peter Hillekes gegen Krieg und Naziterror. Die Frontbriefe des Kempeners Bruno Siebens aus dem Zweiten Weltkrieg hat Hans Kaiser ausgewertet: "Vom gläubigen Offizier zum Nazi-Gegner". Viele und teilweise ungewöhnlich umfangreiche Beiträge hat das Kapitel "Aus der Geschichte". Der Kempener Doktorand Cornelius Lehmann beleuchtet als neuer, junger Autor die Inflation 1923 in seiner Heimatstadt. Der Bonner Historiker Dr. Wolfgang Rosen thematisiert die Klostergeschichte im Kreis Viersen. Wolfgang Schaffer befasst sich mit dem aufgearbeiteten Provinzarchiv der Schwestern Unserer Lieben Frau in Mülhausen. Eine eigene Dynamik entwickelten Forschungen von Vera Meyer-Rogmann zur wechselvollen Baugeschichte der evangelischen Christuskirche in St. Tönis. Immerhin hatte die Gemeinde sogar erwogen, den Neubau auf den Trümmern der 1938 zerstörten Synagoge zu errichten. Viersens Stadtarchivar Marcus Ewers hat mit Vera Allertz und René Heckmann den ersten Teil einer umfassenden Darstellung des Niedergangs der Viersener Textilindustrie erarbeitet.

Der Hinsbecker Heinz Koch beschäftigt sich im Kapitel "Kunst- und Architekturgeschichte" mit der Kapelle auf dem Kreuzberg. Im Kapitel "Aus Natur und Landschaft" beschreibt Jochen Hild, der 1956 seinen ersten Aufsatz für das Heimatbuch verfasste, die Entwicklung der Vegetation an den Krickenbecker Seen. In der "Aktuellen Dokumentation" erinnert Landrat Peter Ottmann daran, dass vor 40 Jahren der Kreis Viersen gebildet wurde.

(RP)
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