Stadt Kempen: Stolpersteine dank Paten kostenfrei

Stadt Kempen: Stolpersteine dank Paten kostenfrei

Es war eine überraschende Entscheidung im Kulturausschuss: Mit deutlicher Mehrheit wurde der Antrag der Initiative "Projekt Stolpersteine" angenommen. Vor allem in der CDU-Fraktion sind die Meinungen geteilt.

Ob in Kempen so genannte Stolpersteine vor Häusern verlegt werden, in denen zuletzt Opfer des Nationalsozialismus gelebt haben, entscheidet der Stadtrat in der letzten Sitzung des Jahres am 16\. Dezember. Bis dahin bleibt offen, ob sich eine Mehrheit für das Projekt findet. Ein klares Zeichen hat der Kulturausschuss am Dienstagabend gesetzt. Mit 10:4-Stimmen stimmte das Gremium für die Verlegung dieser Gedenksteine (die RP berichtete).

Die Diskussion im Ausschuss war offen und - vor allem innerhalb der CDU-Fraktion - auch kontrovers. Während SPD, Grüne und FDP dem Antrag der Initiative zustimmten, gab es innerhalb der Riege der Christdemokraten kein einheitliches Meinungsbild. Sehr sachlich verlief die Diskussion, die von den zahlreichen Zuhörern - darunter viele Schüler der beteiligten Schulen - aufmerksam verfolgt wurde. Bürgermeister Volker Rübo, der sich bereits beim ersten Anlauf für derartige Gedenksteine vor dreieinhalb Jahren auf den Kempener Weg des Erinnerns und Gedenken ohne Stolpersteine festgelegt hatte, hat seine Meinung zwischenzeitlich nicht geändert. Er hält "Gedenken von der Stange", wie er die von dem Kölner Künstler Gunter Demnig inzwischen bundesweit vielfach verlegten Stolpersteine bezeichnete, nicht für das richtige Mittel, um in Kempen neben den bereits vorhandenen Gedenkorten und -veranstaltungen, an die Opfer der Nazi-Gräuel zu erinnern. Der Bürgermeister betonte auch am Dienstagabend, dass dies seine persönliche Meinung sei, die Entscheidung treffe der Stadtrat in seiner Gesamtheit.

Persönliche Meinungen kamen in der Diskussion um das heikle Thema zum Tragen. Allseits - auch von den Gegnern der Stolpersteine - wurde allerdings die neuerliche Initiative gelobt. Insbesondere das Engagement der Jugendlichen, die sich an den Schulen ins das Projekt einbringen, sei sehr hoch anzurechnen. Aber, so sagte die Historikerin Dr. Ina Germes-Dohmen, sie habe Probleme mit derartigen Steinen, weil an den Orten, an denen sie verlegt seien, die Schicksale der Opfer sinnbildlich mit Füßen getreten würden. Die Sachkundige Bürgerin der CDU bevorzugt die auf Initiative des Historikers Dr. Hans Kaiser an Häusern angebrachten Gedenktafeln. Sie regten eher zum Erinnern "auf Augenhöhe" an, so Ina Germes-Dohmen.

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Eine andere Meinung vertrat der Stolperstein-Befürworter Heinz Wiegers. Sie seien ideal, um an individuelle Schicksale zu erinnern. Auf ihnen fuße sinnbildlich das Gedenken an die Opfer. Ein Befürworter ist auch CDU-Ratsherr Josef Lamozik. Er will eine Patenschaft für einen Stein übernehmen, das heißt: er will für die Kosten aufkommen und für die Pflege sorgen. Sein Argument: Die vorhandene Gedenkstele am Rathaus oder das Mahnmal an der Umstraße würden kaum wahrgenommen. "Stolpersteine, das sieht man in anderen Städten, werden wahrgenommen." Heinz Wiegers (SPD) meinte, dass die auch von Bürgermeister Rübo angeführten Gedenkveranstaltungen nur von einem relativ kleinen Kreis interessierter Besucher wahrgenommen würden. Er erinnerte an den "Boulevard der Sterne" in Berlin oder den "Walk of Fame" in Los Angeles, die prominenten Schauspielern gewidmet sind.

Philipp Wachowiak, Initiator der ersten Bürgerinitiative in Sachen Stolpersteine aus dem Jahre 2011, freut sich über den Verlauf der Diskussion und das Ergebnis im Kulturausschuss. Er hatte die Sitzung von den Zuschauerplätzen verfolgt. Wachowiak stellte gegenüber der Rheinischen Post noch einmal klar, dass die Aktion die Stadt Kempen nichts kostet. Die Verlegung der Stolpersteine werde über Patenschaften finanziert. Für etwa 50 Stolpersteine - in Kempen sollen 46 verlegt werden - fallen Gesamtkosten von 5000 Euro an, stellte Wachowiak klar. Selbst wenn die von der Stadt bezahlt werden müssten, könnte für diese Summe auch nicht die Kempener Mühle saniert werden. Ein RP-Leser hatte vorgeschlagen, das Geld dafür zu investieren.

(RP)
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