Stadt Kempen: Auf Schnäppchenjagd in der Altstadt

Stadt Kempen : Auf Schnäppchenjagd in der Altstadt

Der Hubertusmarkt lockte gestern Scharen von Menschen in die Kempener Altstadt. Neben bewährten Artikeln waren wieder zahlreiche Weltneuheiten im Angebot. Unvergleichlich war die Geruchsmischung, die in der Luft lag.

Milde Herbsttemperaturen, zeitweise Sonnenschein plus Hubertusmarkt - das bedeutet eine prall gefüllt Kempener Altstadt. Gestern ist es wieder soweit, bewährte Hausmitttelchen stehen in Kontrast zu den einmal mehr zahlreich vertretenen furiosen Weltneuheiten. Darüber schwebt diese unvergleichliche Geruchsmischung aus Püfferkes, gebrannten Mandeln und Bratwurst.

Einer der erklärten Favoriten ist natürlich auch wieder am Start, der Schnibbler. Stundenlang zerlegt er Gemüse verschiedenster Art in seine kleinsten Teile. Was am Ende des Tages mit dem Vitamin-Konfetti geschieht, entzieht sich leider unserer Kenntnis. In diesem Jahr hat der Dosenöffner-Dealer ein neues Gerät mitgebracht, dessen Technik angeblich auf der Schwerkraftlehre des griechischen Altmeisters Archimedes basiert. Warum das so ist, wollte das geneigte Publikum allerdings nicht auf Anhieb verstehen.

Inmitten des quirligen Trubels spielen sich immer wieder herzergreifende Szenen ab. Besonders vielen Herren sieht man an, dass sie nur unter Androhung schlimmster Konsequenzen beim Marktbummel am Start sind. Während die Frau Gemahlin mit Hochgenuss einkauft, wird der Gatte zum Packesel degradiert. Die meisten ertragen es mit Fassung. Ist schließlich nicht das erste Mal.

Wer wollte, konnte sich die Schuhe putzen lassen - natürlich mit einer Spezialpolitur. Foto: Kaiser, Wolfgang (wka)

Genereller Eindruck: Die Verkäufer werden immer raffinierter. Da erzählt ein Tuchverkäufer lautstark, er habe die letzten acht Monate im Heim verbracht. Was die Kempener Damen dermaßen rührt, dass sich alsbald ein großer Pulk vor seinem Stand bildet. Tenor: Der arme Kerl, dem muss man doch einfach ein Tuch abkaufen . . .

Den Fugenblitz kennen wir aus den Vorjahren, ebenso den Oberflächenversiegler. Frischen Wind in die Kempener Altstadt bringt gestern ein Herr im besten Alter mit seinem Easy-Deko-Set. Den ganzen Tag über schmückt er mit engelsgleicher Geduld Papptorten verschiedener Größenordnung mit allen möglichen Deko-Artikeln. Während er seine Ware für sich sprechen lässt, ertönt aus einiger Entfernung eine schneidende Stimme. Was durchaus passend ist, denn an diesem Stand sind Schneidewaren erhältlich. Und zwar in reicher Auswahl, so manche kleine Operation hätte man gleich vor Ort ausführen können.

Gleich daneben sitzt ein Herr gemütlich auf einer Bank, macht ein Päuschen und lässt sich in der warmen Vormittagssonne Pommes-Schranke schmecken. Ein Stück weiter ist ein Händler unaufhörlich dabei, einen ausgebreiteten Teppich zu versauen, um ihn unmittelbar danach mit einem phänomenalen Reinigungsmittel (Weltneuheit) wieder zu reinigen.

Auf der Miedermeile Buttermarkt ist die Stimmung ausgesprochen entspannt. Hausfrauen beäugen interessiert die neuesten Modell, bahnbrechende neue Trends sind indes nicht auszumachen. An den Gardinenständen erblickt man neben den zeitlosen Klassikern auch feiertagsspezifische Weihnachtsmodelle, wahlweise mit Lichterketten oder hübschen Engelchen. "Die sind aber süß", merkte eine Passantin wohlwollend an. Ihre Bummelbegleiterin indes war in diesem Punkt vollkommen anderer Meinung: "Ich steh auf sowat nich mehr." Vermutlich hat sie ein traumatisches weihnachtliches Erlebnis hinter sich. Wir wissen es nicht.

Zurück zum praktischen Teil: Der Käufer erfährt auf den Engerstraße in aller gebotenen Ausführlichkeit, wie man in der Pfanne Eingebranntes ohne jede Kraftanwendung nachhaltig entfernen kann. Bürsten sind in ihrer gesamten Produktvielfalt erhältlich, ebenso natürlich Socken (inklusive der Extramodelle für Diabetiker). Zwischendurch sind allerlei weihnachtliche Artikel erhältlich, die allerdings wegen des eher spätsommerlichen Wetters gestern nicht der große Verkaufshit waren. Püfferkes hingegen gehen in Kempen immer, gerade in der Woche vor St. Martin.

Nicht alle profitieren jedoch von dem bunten Treiben in den Straßen der Altstadt. Leidtragender ist beispielsweise der Paketbote, der am Rand der City parken und die Pakete mit der Sackkarre an den Endverbraucher ausliefern muss. Armer Kerl!

(RP)