Neues Info-Material kommt Mit dem Fahrrad immer an der Niers entlang

Kreis Viersen · Der über 100 Kilometer lange Niers-Radwanderweg ist sehr beliebt, die Info-Broschüre dazu aber seit Jahren vergriffen. Eine deutsch-niederländische Projektgruppe kümmert sich jetzt um die Neuauflage.

 An der Clörather Mühle genießen Ausflügler den Ausblick auf das umgebende Feuchtbiotop für Amphibien, Insekten und Vögel.

An der Clörather Mühle genießen Ausflügler den Ausblick auf das umgebende Feuchtbiotop für Amphibien, Insekten und Vögel.

Foto: Marc Schütz

Wer gern mit dem Fahrrad längere Touren unternimmt, wird darauf schon gewartet haben: Die Broschüre, die den über 100 Kilometer langen Niers-Radwanderweg näher beschreibt, wird neu aufgelegt. Und zwar auf Deutsch und Niederländisch. Mit der Erarbeitung ist eine Projektgruppe aus Deutschland und den Niederlanden beschäftigt. Vor wenigen Tagen traf sich die Gruppe im niederländischen Gellep, um mit der Arbeit zu beginnen.

Der Projektgruppe gehören Vertreter der Stadt Mönchengladbach, der Wirtschaftsförderung Kreis Kleve, der Gemeinde Gennep und des Kreises Viersen an, der Kreis Viersen koordiniert das Projekt. Der Niers-Radwanderweg ist eine mit einem „N“ gut ausgeschilderte Route, die von Mönchengladbach über die Kreise Viersen und Kleve bis in die Niederlande führt, wo sie hinter Gennep in die Maas mündet. Unterwegs erfahren Radfahrer viel Wissenswertes über die niederrheinische Kulturlandschaft und können an historischen Sehenswürdigkeiten oder Ausflugszielen einen Zwischenstopp einlegen, urige Landcafés besuchen, romantische Ortskerne erkunden und die Seele baumeln lassen.

Was man unterwegs sehr schön sehen kann: Die im vergangenen Jahrhundert mit der Industrialisierung fast vollständig begradigte Niers wird an vielen Stellen wieder in einen natürlicheren Zustand versetzt. Der geschwungene Verlauf und das langsamer fließende Wasser bieten bedrohten Tieren und Pflanzen Lebensräume, die sich immer weiter entwickeln. Große Bereiche entlang des Flusses stehen unter Natur- oder Landschaftsschutz. In einem Rutsch fahren wird den Niers-Radwanderweg wohl niemand, doch manche nehmen sich Etappen vor, andere nutzen etwa das Angebot der Niederrhein Tourismus für eine dreitägige grenzüberschreitende Rundreise auf der Strecke.

„Der Niers-Radwanderweg wird immer noch stark befahren“, weiß Anke Faßbender, stellvertretende Verantwortliche für das Projekt aufseiten des Kreises Viersen. Doch die Informationsmaterialien dazu, die 2007 erstmals auf Deutsch und Niederländisch aufgelegt wurden, sind seit Jahren vergriffen. Immer wieder seien Anfragen nach Informationsmaterialien eingegangen. „Deshalb haben wir gesagt: Wir brauchen einen neuen Aufschlag, damit Radfahrende gut versorgt sind“, sagt Faßbender. Das Projekt nun wird durch das Interreg-Programm Deutschland-Nederland sowie seine Programmpartner ermöglicht und von der EU kofinanziert. Bis zum Sommer 2025 läuft das Förderprojekt, dann soll die neu gestaltete, zweisprachige Broschüre fertig sein.

Die ursprüngliche Quelle der Niers liegt bei Kuckum im Kreis Heinsberg. Dort war früher entsprechend auch der Startpunkt für die Tour, „doch die Quelle ist versiegt“, erklärt Faßbender. Aktuell werde die Niers durch Sümpfungswasser aus dem Braunkohle-Abbau gespeist. Deshalb starten Radler nun in Mönchengladbach-Wanlo. Durch den Wickrather Schlosspark und weiter nach Odenkirchen führt die Route, durch den Zoppenbroicher Wald zum Schloss Rheydt. Durch das Naturschutzgebiet Bungtwald fahren Ausflügler weiter zum Schloss Myllendonk.

Angekommen im Kreis Viersen, lohnt sich ein Abstecher zum Schloss Neersen, wer kurz darauf die Bahngleise am Grenzweg überquert hat, kann die Route kurz nach rechts zur Clörather Mühle am Rande des Naturschutzgebietes Salbruch verlassen und den Ausblick genießen. Mit Glück sieht man einen Storch, der die eigens für ihn aufgestellte Nisthilfe nutzt. Dem Niersverlauf folgend geht es zur Anlegestelle für Paddelboote im Süchteln, über Hagen weiter zur Burg Uda in Oedt, die der örtliche Heimatverein zwischen April und Oktober sonntags für Besucher von 11 bis 17 Uhr offen hält. Wer den Burgturm besteigt, hat von oben einen weiten Blick auf die Umgebung.

Entlang der Niers geht es in Richtung Flugplatz Niershorst. Wer mag, legt einen Zwischenstopp ein und schaut Segelfliegern und Ultraleichtfliegern zu oder folgt den Schildern zum Niederrheinischen Freilichtmuseum in Grefrath, das zwischen April und Oktober täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet ist und einen spannenden Einblick in das Leben am Niederrhein in früheren Zeiten vermittelt. Mit dem Besuch im Spielzeugmuseum dort und einem Pfannkuchen im „Pannekookehuus“ ist die Pause rasch vorbei.

 Eine Übersichtskarte des Niers-Wanderwegs.

Eine Übersichtskarte des Niers-Wanderwegs.

Foto: grafik

Zurück auf dem Niers-Radwanderweg passieren die Radler die Langendonker Mühle im Naturschutzgebiet Grasheide und Mülhausener Benden, ein Abstecher führt zur Motte „Horbes Bergske“ – von dem frühmittelalterlichen Bauwerk sind heute nur noch Erdhügel und Wälle übrig. Weiter geht es zur Abtei Mariendonk, in der Nähe liegt die Neersdommer Mühle. Hinter der Mühle verlassen die Ausflügler den Kreis Viersen in Richtung der ehemaligen Festung Wachtendonk, bummeln vielleicht eine Runde durch den hübschen historischen Ortskern Wachtendonk, fahren dann weiter über Straelen, Geldern, Wetten und Kevelaer, Weeze und Goch nach Kessel, wo sie die deutsch-niederländische Grenze erreichen und die Niers in die Maas mündet.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort