Stadt Kempen: In der "Via Stenden" läuft alles nach Plan

Stadt Kempen : In der "Via Stenden" läuft alles nach Plan

In dem ehemaligen Tagungshotel an der Ortsgrenze zu St. Hubert leben mehr als 200 Flüchtlinge. Sie werden dort vom Roten Kreuz betreut. Hilfe kommt auch aus St. Hubert. Dort wird aber auch Kritik laut.

Das neue Leben in dem ehemaligen Tagungshotel des SPD-Landesverbandes im Stendener Wald hat sich inzwischen eingespielt. Seit einigen Wochen leben in der renovierten Herberge Flüchtlinge vor allem aus Syrien, aber auch aus Albanien oder Serbien. Sie werden von Mitarbeitern des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) - überwiegend ehrenamtlich - betreut. Größere Probleme gibt es in dem viele Jahr leer stehenden ehemaligen Hotel, das eigens für die Unterbringung der Asylsuchenden hergerichtet worden ist, nicht.

Davon konnte sich jetzt auch der SPD-Bundestagsabgeordnete für den Kreis Viersen, Udo Schiefner, überzeugen. Gemeinsam mit seiner Fraktionskollegin aus dem Kreis Kleve, Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, verschaffte sich der Kempener Schiefner einen Eindruck von dem Übergangswohnheim für Asylsuchende in Kerken. Dort sind zurzeit etwa 200 Flüchtlinge, die in Deutschland Asyl suchen, untergebracht.

Das ehemalige SPD-Tagungshotel "Via Stenden" im Wald - unmittelbar an der Ortsgrenze zu St. Hubert: Seit einigen Wochen sind hier Flüchtlinge untergebracht. Sie werden vom Roten Kreuz betreut. Foto: Seybert

"Das gesamte Übergangsheim macht einen guten und äußerst professionellen Eindruck. Die Organisation scheint hervorragend zu funktionieren", meinte Barbara Hendricks nach dem Besuch. Und ihr Kollege Schiefner betonte die große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung. Der Kempener stellte fest: "Die zahlreichen Sachspenden sprechen für sich. In Kerken sind die Flüchtlinge gut aufgenommen worden." Auch für Organisation und Verwaltung fand er lobende Worte: "Man merkt, dass die Mitarbeiter mit großem Engagement an ihre Aufgabe herangehen. Die Betreiber sehen sich nicht nur als Dienstleister, sie wollen helfen."

Die Ministerin lobte die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer des DRK Kreisverbandes Kleve-Geldern: "Was die mehr als 50 Mitarbeiter des DRK hier in den vergangenen Wochen geleistet haben, ist enorm. Wenn man bedenkt, dass sie insgesamt 6000 Stunden ehrenamtlich gearbeitet haben, um das Haus für die Flüchtlinge herzurichten, verdient das große Anerkennung. Für alle, die hier mitgearbeitet haben, ist es selbstverständlich, dass sie ihre Freizeit dafür hergeben, um Menschen in ihrer Not zu helfen. Das ist bemerkenswert."

Begleitet wurden die Abgeordneten von Volker Milk, Regierungsvizepräsident der Bezirksregierung Arnsberg, die die Flüchtlingsunterkünfte in Nordrhein-Westfalen verwaltet. Milk bezeichnete "Via Stenden" als Vorzeigeprojekt für eine gute und schnelle Aufnahme von Flüchtlingen. Kerkens Bürgermeister Dirk Möcking, der die Besucher ebenfalls begleitete, sei von Anfang an bereit gewesen, die Bezirksregierung und das DRK zu unterstützen. Jürgen Hecker vom DRK lobte das Engagement des Bürgermeisters, der in der Bevölkerung für Verständnis und Akzeptanz geworben hatte.

Auch in der "Via Stenden" gibt es unter den zahlreichen Flüchtlingen immer wieder kleine Streitigkeiten. "Wenn zahlreiche, teils traumatisierte Menschen auf engem Raum in einer fremden Umgebung zusammenkommen und für kurze Zeit auch zusammenleben, kommt es schon mal zu Konflikten. Das bleibt nicht aus. Probleme durch den Sicherheitsdienst, wie wir sie in Burbach und Essen erlebt haben, befürchte ich hier nicht", betonte Udo Schiefner.

Gleichwohl ist auch dem gebürtigen St. Huberter zu Ohren gekommen, dass in seinem Geburtsort einige Flüchtlinge bereits für Unmut gesorgt haben. So sollen einige in Geschäften Lebensmittel aus ihrer Verpackung herausgenommen und gegessen haben. Schiefner will dies nicht überbewerten, setzt auf die Arbeit der Betreuer in der "Via Stenden". Ganz vermeiden ließe sich dies wohl nicht. Dass sich diese Vorfälle im kleineren Rahmen halten, zeigt auch, dass sie von der Polizei nicht an die große Glocke gehängt werden.

Die Hilfsbereitschaft für die Flüchtlinge ist auch in St. Hubert durchaus vorhanden. Erinnert sei an die Mitglieder der Katholischen Jungen Gemeinde, die schon bei Inbetriebnahme der Asylnotunterkunft zu einer Hilfsaktion aufgerufen und Kleidung und Spielzeug für Kinder gesammelt hatten. Auch die Unicef-Kicker des FC St. Hubert kümmern sich um Flüchtlinge. Einige der ausländischen Jugendlichen kicken in einer der Jugendmannschaften des St. Huberter Fußballvereins.

Udo Schiefner wirbt um weitere Unterstützung der Asylsuchenden. "Grundsätzliche Vorbehalte sind völlig fehl am Platz. Wir müssen ein Klima der Toleranz und Anteilnahme schaffen, dürfen kleinere Zwischenfälle nicht dramatisieren", sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete jetzt im Gespräch mit der Rheinischen Post.

(RP)
Mehr von RP ONLINE