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Jüchen: Kinder sollen Schwimmen lernen, bevor sie in die Schule kommen

DLRG Hochneukirch : Alle Schulkinder sollen schwimmen können

Bei der DLRG Hochneukirch gibt es sogar eine Warteliste für die Anfängerkurse. Seit 1. Januar 2020 gelten Anfänger nicht mehr mit dem Seepferdchen, sondern erst mit dem Bronzeabzeichen als sichere Schwimmer.

Immer weniger Kinder lernen in Deutschland in frühem Alter richtig zu schwimmen. Tragische Unfälle mit ertrunkenen Kindern gibt es mittlerweile in jedem Sommer in Freibädern und an Baggerseen. In Jüchen wird allerdings seit Jahren, insbesondere von der DLRG Hochneukirch unterstützt, die Devise verfolgt: „Alle Jüchener Kinder sollen, wenn sie in die Schule kommen, richtig schwimmen gelernt haben.“ So bekräftigt es auch Bürgermeister Harald Zillikens, selbst Sportschwimmer und Vorstandsmitglied der DLRG Hochneukirch. Er sagt: „Die Schwimmausbildung, gerade für Kinder, ist ein Schwerpunkt in der Arbeit der DLRG Hochneukirch. Zusätzlich zu den zahlreichen Schwimmkursen arbeiten wir deshalb eng mit Kindergärten und Schulen zusammen, damit jedes Kind mit fünf bis sechs Jahren sicher schwimmen lernen kann.“ Und Zillikens verdeutlicht: „Das Seepferdchen als Frühschwimmerabzeichen ist dabei ein erster Schritt. Erst mit Ablegen des Schwimmabzeichens in Bronze haben die Kinder genug Sicherheit im Wasser.“

So zeigt sich bei der DLRG Hochneukirch mit aktuell sieben Kinder-Kursen und einem Erwachsenenanfängerkursus, wie hoch der Bedarf ist: „Wir sind allerdings auch an unserer Kapazitätsgrenze angelangt, was die Zahl unserer Hallenbadstunden und Übungsleiter anbelangt. Deshalb haben wir für unsere Anfängerkurse sogar eine Warteliste“, berichtet Anja Bossems, die Vorsitzende der DLRG Hochneukirch. Das Angebot habe sich nicht nur in Jüchen herumgesprochen: „Wir haben auch viele Kinder aus Erkelenz, Mönchengladbach und Grevenbroich, die bei uns das Schwimmen erlernen“, erzählt Bossems. Bei den Kindern sei die Teilnehmerzahl auf zwölf, bei den Erwachsenen auf sieben begrenzt. Und um die Kleinen nicht nur spielerisch ans Wasser zu gewöhnen, sondern ihnen auch das richtige und sichere Schwimmen beibringen zu können, stellt die DLRG Hochneukirch zu jedem Anfängerkursus zwei Übungsleiter ab.

Denn auch Bossems betont: „Wer nur das Seepferdchen gemacht hat, kann noch lange nicht behaupten, schwimmen zu können.“ Mit diesem Anfängerabzeichen sei eine nur vermeintliche Sicherheit auch für die Eltern verbunden, warnt sie und freut sich zugleich, dass doch immer mehr Eltern auch Wert darauf legten, dass ihre Kinder zumindest das Bronzeabzeichen ablegten. Außerdem habe sie immer wieder gehört, dass Kinder von Mitschülern gehänselt werden, wenn sie als Schulkind noch nicht schwimmen können. Deshalb setzt die DLRG Hochneukirch auch schon bei den Kindergartenkindern an und hat beide Kitas am Ort, die katholische und die städtische, komplett mit allen Kindern wöchentlich zum Training im Schwimmbad zu Gast. Die Grundschulen und die Gesamtschuldependance in Hochneukirch und Otzenrath organisieren laut Bossems darüber hinaus in Eigenregie ihre Schwimmstunden an der Gartenstraße.

Die DLRG Hochneukirch hatte auch gleich zu Beginn der großen Flüchtlingswelle erkannt, dass von den Flüchtlingskindern fast keines schwimmen konnte. So wurde ein eigener altersgemischter Anfängerkursus für Kinder und Jugendliche von Asylsuchenden eingerichtet. Mit Erfolg! „Inzwischen sind die Flüchtlingskinder bei uns in das normale Kurs- und Trainingsangebot vollständig integriert“, betont die Vereinsvorsitzende.

Lediglich ein regelrechtes Babyschwimmen gibt es bei der DLRG Hochneukirch nicht, wohl aber die Wassergewöhnung. „Wir haben zwar schon eine Wassertemperatur von 29,9 Grad, aber fürs Babyschwimmen muss das Wasser noch wärmer sein“, beschreibt Bossems die Vorschriften. Doch es gebe auch schon Vierjährige, die sich nach der Wassergewöhnung bereits auf das Seepferdchen oder sogar das Bronzeabzeichen vorbereiteten, berichtet Anja Bossems und betont: „Mit dem Schwimmenlernen kann man nicht früh genug anfangen.“