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Jüchen bekommt neues Kunstwerk vom Schützenverein

Vorlage aus den 1920er Jahren : Ein Schützenkunstwerk für Jüchen

Der ehemalige Landrat Dieter Patt entwarf die Skulptur für den Bürgerschützen- und Heimatverein Jüchen nach Vorlage eines historischen Fotos. Das Werk wird am 22. August auf einem Kreisel an der Neusser Straße aufgestellt.

Die 1945 verschollene Regimentsfahne des Bürgerschützen- und Heimatvereins Jüchen kommt nach Jüchen zurück – nicht als Original, sondern als Kunstwerk. Am Samstag, 22. August, wird auf dem Kreisel an der Neusser Straße in Höhe Konrad-Duden-Allee und In der Aue die Stahlskulptur aufgestellt. Der Entwurf stammt vom ehemaligen Landrat Dieter Patt. Gefertigt wurde das Werk in der Ausbildungswerkstatt von RWE Power in Grevenbroich-Gustorf.

„In vielen Orten stehen Schützenbäume oder anderes, das die Schützen repräsentiert – bei uns bislang nicht“, erklärt BSHV-Sprecher Ulrich Clancett. An ein ähnliches Projekt wurde bei den Jüchener Schützen schon seit längerem gedacht, doch die zündende Idee blieb zunächst aus. „Irgendwann stieß ich in Neuss auf ein Schützenwerk unseres ehemaligen Landrates Dieter Patt“, erzählt Schützenpräsident Thomas Lindgens. Das habe ihn motiviert, den Künstler anzusprechen. Bürgermeister Harald Zillikens, früher beim Kreis tätig, vermittelte den Kontakt.

Lindgens stellte Patt seine Idee vor, gemeinsam wurde die Realisierung erörtert. Etwas auf Jüchen Zugeschnittenes, das Geschichte und Gegenwart verbindet, sollte es sein. Bei einem der Gespräche erzählte der Präsident dem Künstler von einem alten Foto aus der Chronik des Schützenvereins von 1925 – mit Schützen, die die damalige Regimentsfahne trugen. Das Besondere: Die Fahne war im Februar 1945 von amerikanischen Truppen nach dem Einmarsch in Jüchen mitgenommen worden und ist verschollen.

Die Vorlage für die Skulptur bildete dieses Foto aus den 1920 Jahren. Foto: Bürgerschützen- und Heimatverein Jüchen

Ein Gerücht lautete, dass die Fahne in einem Heimatmuseum in den USA verwahrt werde. Präsident Thomas Lindgens ließ das keine Ruhe, er stellte Nachforschungen an, machte sich auf die Suche – ohne Erfolg, die Fahne fand sich nicht. „Vielleicht ist sie unterwegs irgendwo im Feld verloren gegangen. Jedenfalls scheint das Stück nie in den Vereinigten Staaten angekommen zu sein“, sagt Lindgens.

Doch auf der 95 Jahre alten Fotografie mit acht Schützen ist sie noch zu sehen. Thomas Lindgens erzählte Dieter Patt von dem Bild, und der sprang sofort darauf an. „Was hältst Du davon, wenn wir die Fahne 75 Jahre nach Kriegsende wieder nach Jüchen zurückbringen?“, sagte er. Er dachte an ein Werk nach dem Motiv des Fotos. Als Material wurde Stahl gewählt, wie ihn Patt schon oft für seine Werke verwendet hat.

Dieter Patt fertigte erste Entwürfe, bald war ein weiterer Partner gefunden. Thomas Lindgens erzählte Markus Kosma, Direktor des Tagebaus Garzweiler, von der Idee. Der bot die Hilfe seines Unternehmens an. Künstler und Ingenieure arbeiten zusammen, ein Bauplan wurde erstellt. „Die Skulptur ist 4,50 Meter hoch, besteht aus 20 Millimeter dickem Stahl und wurde computergesteuert mit einem Plasmaschneider geschnitten“, schildert Ulrich Clancett. Mehrere Tonnen bringt sie auf die Waage.

Die Standortfrage war recht schnell geklärt – der Kreisel an der Zufahrt zum Neubaugebiet Auenfeld. „So kann man gut das Alte mit dem Neuen verbinden, Interesse der Neubürger für die Geschichte ihres Heimatortes wecken“, sagt Thomas Lindgens. Laut Bürgermeister Zillikens ist das Werk in Fortsetzung des Jüchener Wappentors am benachbarten Kreisel ein Willkommensgruß für Menschen, die nach Jüchen kommen.

Das Fundament auf dem Kreisel wurde bereits vorbereitet, um das Werk aufzunehmen. Auf dem Bürgersteig ist eine Stele mit Erläuterungen geplant. Eine Bepflanzung des Kreisels in den Stadtfarben blau und gelb könnte laut den Schützen den passenden Rahmen geben. Die Patenschaft für Skulptur und das dazugehörige Grün will der BSHV übernehmen.