Laternenfest macht Sankt Martin Konkurrenz

Brauchtums-Streit : Laternenfest macht Martin Konkurrenz

Auch in Hilden gibt es immer mehr „politische Korrektheit“ beim Fest angedenk dem heiligen Martin.

„Sankt Martin, Sankt Martin,

Sankt Martin ritt durch Pommes und Salat, sein Ross stand still am Colaautomat. Sankt Martin wirft ne Münze rein und trinkt die Cola ganz allein!“

Nicht nur in Hildener Grundschulen ist diese Verballhornung des wohl bekanntesten Martinsliedes zurzeit ein Renner auf dem Pausenhof. Hinter dem Erfolg darf man allerdings auch eine Frage vermuten: Wie viel wissen Kinder heutzutage eigentlich noch über die Geschichte des Heiligen Martin. Und vor allem: Wie viel bekommen Sie vermittelt?

In dieser Woche ziehen Martinszüge wieder durch die Stadt. Eine stichprobenartige Umfrage in zehn Hildener Kindertagesstätten brachte folgendes Ergebnis: Sechs gaben an, das Martinsfest in Anlehnung an die christliche Tradition zu feiern. Drei nannten es lediglich Laternenfest – und in einer hieß es gar: „Uns ist egal, wie die Leute das nennen – Hauptsache, die Kinder haben Spaß.“

Wie soll der Martinszug bezeichnet werden? „Sonne, Mond und Sterne“-Fest? Oder doch lieber „Lichterfest“? Die Angst davor, Migranten auszuschließen, ist groß – der Ärger über diese Angst gerade in vielen christlich orientierten Familie aber noch um einiges größer.

Dabei hat gerade die Martinsgeschichte viele Facetten, die Kindern heute sowohl Orientierung geben können, als auch ihrer natürlichen Neugier gerecht werden. Denn auch der Heilige Martin hatte einen Vater – und der dürfte keineswegs begeistert gewesen sein, als ihm sein um 317 geborener und nach dem Kriegsgott Mars benannter Sohn eröffnete, er wolle nicht zur Armee. Ein Christ wollte er sein, musste aber trotzdem Soldat werden, weil Kaiser Diokletian wollte, dass der männliche Nachkomme eines römischen Offiziers zum Militärdienst verpflichtet wird. Mit 15 stand er schon in der Leibwache von Kaiser Konstantin II. Nach 25 Jahren Dienstzeit quittierte er den Dienst – da war er 40.

Das ist der erste Lebenslauf des späteren Bischofs von Tours. Der zweite führte dazu, dass Martin heute als Heiliger verehrt wird – und zwar nicht nur in der katholischen Kirche.

Umso mehr ärgert es Kirchenhistoriker wie den lange Zeit für das Erzbistum Köln tätigen Professor Manfred Becker-Huberti, wenn die christliche Identität des Festes unter dem Deckmantel der politischen Korrektheit geopfert wird.

„Das wollen im Übrigen auch viele Muslime nicht, die ihre Kinder bewusst in christlichen Familienzentren anmelden“, sagt er. Es gehe schließlich auch um Wertevermittlung – was wiederum zeige, dass man die religiösen Aspekte christlicher Feste nicht einfach in der Gleichmacher-Suppe unterrühren dürfe.

„Gerade die Handlungen des Heiligen Martin dienen besonders dazu, Werte wie Nächstenliebe zu vermitteln“, betont Becker-Huberti. Wenn Kinder etwa Fragen stellen, warum St. Martin einfach fortreitet, statt den Dank des Bettlers abzuwarten, sei dies ein guter Anlass, zu erklären, dass man bedürftigen Menschen helfen müsse, ohne etwas dafür zu verlangen. „Das ist in gewisser Weise eine Selbstverständlichkeit“, sagt Becker-Huberti.

So etwas bekommt man aber nur vermittelt, wenn die Martinsgeschichte nicht in Vergessenheit gerate: „Das“, sagt der Kirchenhistoriker, „bekommen Sie mit einem Sonne-, Mond-und Sternefest nicht hin.“

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