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Grevenbroich: Becker-Huberti erklärt Fronleichnam

Grevenbroich : Becker-Huberti erklärt Fronleichnam

Morgen werden wieder feierliche Prozessionen durch die Pfarrgemeinden im Heimatgebiet ziehen. Warum Fronleichnam so zelebriert wird, erklärt der bekannte Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti aus Langwaden.

Den morgigen Tag nutzen viele als Brückentag. Was wirklich hinter dem katholischen Fest steckt, das immer am zweiten Donnerstag nach Pfingsten begangen wird und Fronleichnam heißt, erklärt Heimatforscher Manfred Becker-Huberti - und er beginnt beim Begriff. "Die Bezeichnung leitet sich aus dem Mittelhochdeutschen ab". "Vron" steht für "Herr", "Lichnam" für "Leib". Beides zusammen bedeute also "Leib des Herrn" und habe nichts mit Leichen zu tun, wie etwa die Verballhornung "Happy Kadaver Day" suggeriere.

Dieses Fest der Zuversicht wird seit dem 13. Jahrhundert gefeiert, führt der Fachmann aus. Als so etwas wie Eucharistie für jedermann wurde Gott nicht länger nur in der Kirche gewürdigt. Mit bunten Prozessionen und einer geweihten Hostie im goldverzierten Gefäß, der Monstranz, wird der Leib Christi seither durch die Straßen getragen, "durch die Städte, Dörfer und auf die Felder", beschreibt es Becker-Huberti. Der die Monstranz tragende Priester, feierlich in einen Chormantel gehüllt, schreitet dazu übrigens unter einem Traghimmel - die Stärksten der Gemeinde tragen diesen prachtvoll verzierten Baldachin. Dieses Prozedere begann 1264 im niederländischen Lüttich, wurde 1264 durch Papst Urban IV anerkannt und wurde 1274 erstmals in Köln zelebriert. "Nicht nur zu Fuß, sondern auch per Schiff", führt Becker-Huberti aus. "Die Prozession steht sinnbildlich für das wandernde Gottesvolk in der Welt mit Christus in seiner Mitte."

Zu Fronleichnam gehören maßgeblich Blumenbilder, "sie gehen auf heidnische Zeiten zurück" und lassen sich als Idee interpretieren, die Himmelswiese nachzuahmen. Aber nur Blüten und Blätter auszustreuen, wäre zu wenig, weshalb es auch aus diesem Material gelegte Kelche, Hostien oder Engel bildhaft dargestellt werden. "In Bayern und Italien auch gerne aus buntem Sand", wie Manfred Becker-Huberti weiß. Weitere Accessoires sind die sogenannten frommen Tücher, "die brauchte man an Fronleichnam und beim Tod", denn der gute Katholik schmückt mit diesen fein bestickten Decken seinen Tisch. "Ein bisschen Repräsentation nach außen und um dem Herrn einen symbolischen himmlischen Weg zu bereiten." Besonders hübsche Exemplare übrigens sind im Neusser Clemens-Sels-Museum zu sehen.

Reformator Martin Luther sah übrigens keinen biblischen Bezug zum Fronleichnamsfest. Derlei harsche Kritik ist inzwischen unüblich. Allerdings fast gänzlich aus der Mode gekommen sind Fronleichnamsspiele, bei denen der Heilige Georg mit einem wohlgesetzten Stich einem Drachen den Garaus macht. Wer dieses Spektakel erleben möchte, muss nach Limburg reisen - dort wird der Drachenstich alle sieben Jahre aufgeführt.

(von)