SV Straelen reist zum Abstiegs-Endspiel nach Wattenscheid

Fußball : Auf zum Abstiegs-Finale: Das ganze Dorf ist da

Fußball-Regionalliga: SG Wattenscheid 09 – SV Straelen (Sa., 14 Uhr). Die Grün-Gelben benötigen einen Sieg zur Rettung.

Die Taschenrechner können endlich zur Seite gelegt werden. Die Ergebnisse der Konkurrenz können zumindest dem SV Straelen herzlich egal sein. Die Konstellation vor dem 34. und vielleicht vorerst letzten Spiel in der Fußball-Regionalliga lässt in Sachen Eindeutigkeit keine Wünsche offen. Niederlage oder Unentschieden in der Wattenscheider Lohrheide – und der Kartenvorverkauf für das Oberliga-Derby gegen den 1. FC Kleve kann starten. Sieg: Vereinswirt Dieter Niersmans sollte schnell noch einmal ein paar Getränke nachordern. Weil das ganze Dorf nach der Rückkehr aus dem Ruhrgebiet an der Römerstraße garantiert noch auf den Klassenerhalt anstoßen möchte.

Gegen 15.50 Uhr herrscht am Samstag endlich Klarheit darüber, ob die Grün-Gelben weiterhin im Konzert der Großen in Liga vier mitmischen. Oder ob es ab August eine Etage tiefer wieder etwas familiärer zugeht. Straelens Trainerin Inka Grings kann eine solche Ausgangslage nicht erschüttern. Die frühere Nationalspielerin und Rekord-Torjägerin hat während ihrer aktiven Laufbahn so ziemlich alles erlebt, was nichts für schwache Nerven ist. „Für uns hat sich im Grunde genommen im Vergleich zu den vergangenen Wochen nicht viel geändert. Wir greifen nach dem Strohhalm. Mit dem Unterschied, dass wir diesmal nach dem Abpfiff wissen, ob wir unser Ziel erreicht haben“, sagt die Fußball-Lehrerin.

Im Vorfeld spricht einiges dafür, dass die Grün-Gelben Grund zum Feiern haben. Der psychologische Vorteil befindet sich eindeutig auf der Seite des SV Straelen. Am vergangenen Samstag war die Mannschaft praktisch schon abgestiegen. Mitkonkurrent Bonner SC befand sich am Aachener Tivoli auf der Siegerstraße, Drittligist Fortuna Köln stand als Absteiger fest. Und nach 90 Minuten waren im Stadion an der Römerstraße gegen Tabellenführer Viktoria Köln immer noch keine Tore gefallen. Das Ende ist bekannt: Nach einem Sonntagsschuss von Aram Abdelkarim und einem Joker-Tor von Denis Sitter durfte der Neuling ausgelassen einen 2:0-Erfolg feiern.

Bei der SG Wattenscheid 09 gab’s hingegen parallel nach einer 1:2-Niederlage im ostwestfälischen Verl lange Gesichter. Die Mannschaft hatte sich nach einem 2:1 im Revier-Derby bei Rot-Weiss Essen schon auf der sicheren Seite gewähnt, um am Ende doch noch wieder von der bitteren Realität eingeholt zu werden. Und die sieht so aus: Sollte sich der Gastgeber gegen den Verfolger aus Straelen eine Niederlage einhandeln, ist der Gang des ehemaligen Bundesligisten in die Oberliga wahrscheinlich besiegelt. Denn dem Bonner SC reicht im Heimspiel gegen Absteiger 1. FC Kaan-Marienborn ein Unentschieden, um in jedem Fall auf der sicheren Seite zu sein.

Hinzu kommt die Tatsache, dass die Schwarz-Weißen aus dem Bochumer „Stadtbezirk 2“ nicht unbedingt von einem Heimvorteil ausgehen dürfen. Von einer gewachsenen Fan-Kultur, wie sie in den Nachbarstädten an nahezu jedem Kiosk zu finden ist, kann in Wattenscheid keine Rede sein. Heutzutage sind bei der Sportgemeinschaft 09 in erster Linie einige sympathische Enthusiasten am Werk, die in jungen Jahren den kurzzeitigen Höhenflug des Vereins unter Regie des Unternehmers Klaus Steilmann erleben durften.

Der SV Straelen macht hingegen pünktlich zum „Abstiegs-Finale“ noch einmal mobil. Der Verein spendiert seinen Fans eine kostenlose Bustour nach Wattenscheid. Drei Reisebusse machen sich am Samstag um 11.30 Uhr an der Römerstraße auf den Weg in Richtung Lohrheide-Stadion. Hinzu dürften sich noch etliche Fußballfreunde aus der Blumenstadt und der näheren Umgebung gesellen, die am Samstag im eigenen Pkw die Auffahrt zur A40 in Richtung Duisburg wählen, um den Aufsteiger am frühen Nachmittag lautstark anfeuern zu können. „Ich gehe davon aus, dass unsere Mannschaft von rund 200 Fans unterstützt wird“, sagt Straelens Fußball-Abteilungsleiter Stephan Dix.

Personell gibt’s ein Problem, das Inka Grings noch etwas Kopfzerbrechen bereitet. Straelens bärenstarke „Doppel-Sechs“, die den Aufsteiger fast durch die komplette Saison getragen hat, muss am Spielfeldrand die Daumen drücken. Kapitän Fabio Ribeiro hatte sich beim Debakel von Dortmund einen Muskelfaserriss zugezogen. Sein kongenialer Partner Kevin Weggen handelte sich beim Coup gegen den Tabellenführer die zehnte Gelbe Karte ein. Bei allem Respekt vor den beiden Leistungsträgern: Der SV Straelen hat zwar abgesehen von Torjäger Shun Terada keine Stürmer, dafür aber seinen Kader mit so vielen defensiven Mittelfeldspielern aufgebläht, dass sich damit die halbe Liga ausrüsten lässt.

Während am Samstag innerhalb von 90 Minuten die Weichen für die sportliche Zukunft des SV Strae­len gestellt werden, sind offenbar hinter den Kulissen einige wichtige Entscheidungen bereits getroffen worden. So wird offenkundig Inka Grings auch in der kommenden Saison die sportliche Verantwortung an der Römerstraße tragen. „Ich habe persönlich mit Präsident Hermann Tecklenburg noch nicht über das Thema Vertragsverlängerung gesprochen“, versichert die Fußball-Lehrerin. Das dürfte sich innerhalb kurzer Zeit ändern – Anfang nächster Woche soll die 40-Jährige, die seit 1. April für die Grün-Gelben im Einsatz ist, mit ihrer Unterschrift die weitere Zusammenarbeit besiegeln.

Und auch Sportlicher Leiter Stephan Houben, der vor einigen Wochen seinen Abschied verkündet hatte, hat es sich wohl anders überlegt. Der Mann, der den SV Straelen als Trainer vor zwei Jahren in die Oberliga geführt hatte, soll sich nach Absprache mit dem Präsidenten auch in Zukunft mit der Kaderplanung beschäftigen. Ganz nebenbei hat er im Saison-Endspurt auch noch viel Freude an der Aufgabe des „Motivators“ gefunden. Am Donnerstag war er nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Wahrscheinlich befindet sich Houben gedanklich schon in der Lohrheide, am Samstag Schauplatz eines der wichtigsten Spiele der jüngeren Straelener Vereinsgeschichte.

Mehr von RP ONLINE