Schach : Ein Kaminzimmer für die Zweite Liga

Abteilungsleiter Dierk Ferlemann und Turnierchef Erik Hartz wollen in Sachen Schach noch einiges bewegen.

Das Schachspiel wird im allgemeinen Sprachgebrauch gerne als das königliche Spiel bezeichnet. Der Begriff „Schach“ geht auf das persische Wort „Schah“, was so viel wie Herrscher oder König bedeutet. Die Geschichte des weltbekannten Brettspiels reicht vermutlich weit über tausend Jahre zurück. Es gibt Belege dafür, dass bereits im Jahre 600 nach Christus das Spiel in Persien existierte.

Noch nicht vor ganz so langer Zeit hat das königliche Spiel auch in der Herzogstadt Geldern Einzug gehalten. Als Unterabteilung des TTC Geldern-Veert entwickelt sich der Schachverein unter Regie des Vorsitzenden Dierk Ferlemann seit zwölf Jahren stetig weiter. 64 Denksportler sind für die Blau-Weißen im Einsatz; mit drei Mannschaften mischt der TTC Geldern im Liga-Spielbetrieb mit. Immerhin ein Drittel der aktiven Schachspieler sind Jugendliche.

Dass Geldern ein besonderes Pflaster für Schachspieler ist, erkannte vor einigen Jahren auch Erik Hartz. Der gebürtige Heidelberger, der in der IT-Branche als Projektmanager arbeitet und mittlerweile in Veert zu Hause ist, registrierte sehr schnell, dass sich der Verein erreichbare Ziele gesteckt hatte. An deren Verwirklichung war Hartz, der zuvor für „Turm Krefeld“ gespielt hatte und Regionalliga-Erfahrung mitbringt, in der Folgezeit nicht ganz unbeteiligt.

Als Turnierleiter hob er 2016 die offenen Gelderner Stadtmeisterschaft anstelle der internen Vereinsmeisterschaft aus der Taufe. Mit der Maßgabe, innerhalb von zehn Jahren mehr als 100 Denksportler für diese Titelkämpfe zu begeistern. Waren anfangs gerade einmal 23 Teilnehmer am Start, so stieg die Resonanz bei der vierten Auflage bereits auf 60. Hartz und Ferlemann sind sehr zuversichtlich, bereits in diesem Jahr die 100er-Marke knacken zu können. „Dieser Erfolg kommt nicht von ungefähr“, sagt der Abteilungsleiter. „Wir lassen uns ständig etwas einfallen und haben den Teilnehmern einiges zu bieten.“ Die Organisatoren sind professionell und mit sehr viel Liebe zum Detail bei der Sache – das hat sich in Schachkreisen längst über die Stadtgrenzen hinaus herumgesprochen.

„Man kann nicht einfach nur die Möglichkeit bieten, eine Partie Schach spielen zu können und dann darauf vertrauen, dass sich die Leute dem Schachclub anschließen. Das ist zu wenig. So kann kein Verein funktionieren und bestehen“, sind sich die beiden Macher einig und ziehen gemeinsam an einem Strang. Und Hartz wird noch deutlicher: „Man muss Attraktivität und das Leistungsniveau kontinuierlich steigern, um sich als Verein entwickeln zu können. Nur so kann man neue Spieler für sich gewinnen. In zehn Jahren möchten wir in der Zweiten Bundesliga mitmischen.“

Momentan spielt die erste Mannschaft in der Bezirksliga – folglich müssen noch einige Aufstiegsfeiern her. Aber Hartz ist kein Schwätzer. Ganz im Gegenteil. Er steht zu seinem Wort, hat klare Vorstellungen und weiß aus eigener Erfahrung, wie sich Vereinsziele umsetzen lassen. Vor inzwischen mehr als 20 Jahren hatte der Gelderner Denksportler einen Abstecher in Richtung Kartenspiel unternommen. Mit durchschlagendem Erfolg: 1997 wurde Erik Hartz mit dem Steinbacher SV Deutscher Mannschaftsmeister im Skat.

Sein Mitstreiter Dierk Ferlemann ist mittlerweile Experte, wenn es darum geht, Skepsis zu zerstreuen. „Ich höre häufig den Satz ,So gut kann ich das gar nicht’. Das ist völliger Quatsch. Es gehen ja auch Menschen zu einem Tennisverein und haben vorher noch nie gespielt. Und genauso ist es auch bei uns. Es muss keiner Vorkenntnisse mitbringen. Wir haben zwei lizenzierte Trainer, jeder Vereinsspieler nimmt sich jedem Neuling an und bringt ihm das Spiel bei. Da braucht keiner Hemmungen zu haben, wir lassen keinen im Regen stehen.“

Jeder Anfänger, so versichern beide, werde betreut und behutsam an das Schachspiel herangeführt, egal wie alt. Für reine Hobbyspieler bietet der Verein inzwischen sogar einen eigenen Trainingstag an. Außerdem kann der Schachverein im TTC Geldern-Veert mit einer ganz besonderen Trainingsstätte punkten. Ein schönerer Ort für rauchende Köpfe als das große Kaminzimmer in den „Lindenstuben“ lässt sich kaum denken.

Ganz nebenbei möchte der Verein in naher Zukunft auch noch die Jugendarbeit ankurbeln. „Das ist eine besondere Herausforderung. Wir wollen und müssen den Verein verjüngen und setzen dabei auch auf den Faktor ,Digitalisierung’“, kündigt Ferlemann an. Noch gibt’s keine reine Jugendmannschaft. Die Talente spielen in der „Dritten“, um sich auf Kreisebene mit Spielern aus anderen Vereinen messen zu können.

Letzte Frage: Ist Schach nun ein Sport oder doch „nur“ ein Gesellschaftsspiel? „Ganz klar Sport“, antwortet Ferlemann wie aus der Pistole geschossen. „Ein Denksport ohne anstrengende körperliche Bewegung.“