23-jährige Finanzbeamtin aus Kleve macht Geländelauf mit Hund

Kleve : Finanzbeamtin im Duo mit einem Schlittenhund

Carolin Joeken gewann im vergangenen Jahr den Marathon bei der LLG Kevelaer. Nun ist sie beim Geländelauf „Canicross“ unterwegs.

Carolin Joeken ist eine angenehme Gesprächspartnerin. Sehr bedacht antwortet die 23-Jährige, immer in ganzen Sätzen, dazu ein Lächeln auf den Lippen. Die Finanzbeamtin strahlt Ruhe und Ausgeglichenheit aus. Holt Joeken allerdings ihren Wegbegleiter Nick aus dem Kofferraum, tritt ein waschechter Wirbelwind auf den Plan. Nick, vierzehn Monate alt, Rasse „Europäischer Schlittenhund“ könnte stürmischer kaum sein: Mit hektischen Bewegungen schnüffelt er von Busch zu Busch, setzt immer wieder zu kurzen Sprints an, legt sich auf den Waldboden, steht wieder auf, springt in die Luft und sein Herrchen Carolin an. Ein muskulöses Kraftbündel mit dreißig Kilogramm auf vier Pfoten. „Eigentlich wollte ich keinen weiteren Hund, aber ich habe mich sofort in Nick verliebt. Und ich kann sagen: Bereut habe ich ihn nie“, sagt Joeken.

Das eingespielte Mensch-Tier-Gespann bereist für eine noch junge Sportart schon seit einigen Monaten das gesamte Bundesgebiet: Canicross. Zur Erklärung: Canicross ist ein Geländelauf, bei dem der Sportler mit dem Hund durch eine flexible Leine verbunden ist. Der Clou: Bei dieser Trendsportart zieht der Vierbeiner sein Herrchen regelrecht. „Mit Nick bin ich deutlich schneller, als wenn ich alleine laufen würden – insbesondere auf kurzen Strecken“, sagt Joeken. Eine Geschwindigkeit von bis zu dreißig Kilometer pro Stunde sei so möglich. Sportlich ist die Finanzbeamtin schon seit Kindesbeinen: So läuft sie im Dress der Leichtathletik-Abteilung des VfL Merkur Kleve Langstrecke – und das äußerst erfolgreich. „Mittlerweile aber ist Carnicross wohl eine noch größere Leidenschaft von mir. Es macht mehr Spaß, mit dem Hund durch den Wald, als alleine über die Straße zu laufen“, sagt sie.

Zum Canicross stieß Joeken durch persönliche Kontakte und ihren sechsjährigen Hund „Spike“. „Hunde wollen etwas tun, lernen, Beschäftigung haben. Ja sie wollen arbeiten“, sagt die 23-Jährige. So ging sie mit dem Australian Shepherd beim ursprünglich aus Skandinavien stammenden Geländelauf an den Start. Mittlerweile sei „Spike“ allerdings nur noch Reserve, sagt Joeken. Sportlich nämlich könne sie mit Nick noch deutlich mehr erreichen. „Jeder, der mich kennt, weiß, wie ehrgeizig ich bin“, sagt Joeken, die in Goch wohnt. So landete sie zuletzt gar bei der Canicross-Europameisterschaft in Belgien auf dem dritten Platz. Auch die Deutsche Vizemeisterschaft gewann sie bereits. Diese Sportart setzt zumindest für einige Minuten den Gesellschaftsvertrag zwischen Hund und Herrchen außer Kraft: Beim Gassigehen führt der Besitzer, der Vierbeiner folgt – so zumindest die weise Theorie. Beim Canicross aber entscheidet Nick darüber, in welchem Tempo und, noch wichtiger, in welche Richtung Joeken rennt. Kommt der zweibeinige Läufer nicht mehr hinterher, verstärkt sich der Zug auf die Leine. „Aber ich habe großes Vertrauen in Nick. Bisher hört er immer sehr gut auf meine Befehle“, sagt Joeken. So sei es auch noch zu keinem Sturz gekommen.

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