1. NRW
  2. Städte
  3. Geldern

Neun neue Kandidaten bei der CDU in Issum.

Kommunalwahl 2020 : Issums CDU vor Generationswechsel

Nach der Kommunalwahl im September dürfte Gerd Stenmans mit seinen 57 Jahren das älteste Fraktionsmitglied sein. Neun neue Kandidaten treten für die Christdemokraten an. Man habe nur zu wenig weibliche Bewerber gefunden.

Mit 57 der Älteste in einer (größeren) Ratsfraktion zu sein, das hat Seltenheitswert. Und das genau „droht“ Gerd Stenmans nach der Kommunalwahl. Die Issumer CDU hat bereits ihre Hausaufgaben gemacht und Kandidat für alle 15 Wahlbezirke gewählt. Neun von ihnen sind „neue“, die sich erstmals um ein Mandat bewerben. „Wir stehen vor einem Generationswechsel“, freut sich Klaus Viefers. Und verschweigt dabei, dass er selbst ein Symbol der neu aufgestellten CDU ist. Wo führt sonst ein gerade 41-Jähriger die Partei – und das schon seit 2015?

Keine Frage, der Verlust der absoluten Mehrheit bei der Kommunalwahl 2014 hat etwas bewegt bei den Issumer Christdemokraten. Dazu kam dann auch noch die Bürgermeisterwahl 2015, wo die CDU sehr früh Stefan Vester ins Rennen schickte und dann erleben musste, wie Clemens Brüx für SPD und FDP im Sturm die Herzen der Wähler eroberte. „Wir hatten einen Top-Kandidaten, der alles mitbrachte für das Amt des Verwaltungschefs“, erinnert sich Gerd Stenmans. Aber gegen die Verwurzelung von Brüx bei Bevölkerung und Vereinen hatte er keine Chance. Damit ist die CDU längst im Reinen. Sie erkennt an, dass Clemens Brüx ganz nah bei den Menschen ist. „Jeder traut sich, ihn anzusprechen. Und im Rathaus lässt er den Mitarbeitern viele Freiheiten, die es früher nicht gab. Dadurch ist das Rathaus viel offener geworden“, so Klaus Viefers. Folgerichtig steht die CDU in diesem Jahr bei der Wahl hinter Clemens Brüx und unterstützt ihn.

Viel Kärrnerarbeit leisteten die beiden Vorsitzenden mit ihren jeweiligen Vorständen, um neue Menschen für die Arbeit im Rat zu begeistern. Bewährt hat sich dabei, die möglichen Kandidaten zunächst als sachkundige Bürger zu gewinnen. „So kann man das Interesse wecken, und die Leute erleben, dass man bei der Kommunalpolitik etwas bewegen kann“, so Klaus Viefers. An einer Front scheiterten sie dann aber doch: „Wir haben viel zu wenig Frauen unter den Kandidaten“, so Stenmans. Nur zwei Bewerberinnen, das bewertet auch Klaus Viefers als „miserabel“. Leider habe man sich oft Absagen eingefangen. Trotzdem blicken beide schon weiter in die Zukunft und sind sich sicher, in weiteren fünf Jahren deutlich mehr weibliche Kandidaten nominieren zu können.

Klaus Viefers ist Vorsitzender des Issumer Ortsverbandes der CDU. Foto: Dirk Möwius

Ihren Wahlkampf wird die CDU in Issum klar auf die einzelnen Bewerber ausrichten. Die entscheiden zum Beispiel, was bei ihnen plakatiert wird. Jeder bekommt eine Laterne für den Vorgarten gestellt, damit man weiß: Dort wohnt ein CDU-Kandidat. Sie sind aber auch gefordert. Stenmans: „In so einer kleinen Gemeinde musst du als Kandidat mit den Wählern sprechen, von Garten zu Garten oder von Haustür zu Haustür gehen. Die Leute müssen dich kennen und am Ende nicht eine Partei, sondern gezielt den Kandidaten wählen.“ So erreiche man es, die Politik zum Bindeglied zwischen Rat und Verwaltung, Dorfleben und Bürger zu machen. Ein wichtiger Baustein sei dabei das Engagement in den Vereinen. Mit denen, auch dabei habe die CDU durchaus aus der Vergangenheit gelernt, wolle man sich nicht anlegen, sondern möglichst früh ins Gespräch kommen, um gemeinsam Lösungen für Probleme zu finden. Stenmans: „Ohne unsere Vereine wäre das Leben in Issum, wie wir es kennen, nicht möglich.“ Viefers: „Ich hoffe, dass wir alle gemeinsam Issum schützen und vor Ort bleiben. Das heißt für mich auch, dass die Kinder und Jugendlichen nicht irgendwohin fahren, um Chinesisch zu lernen oder exotischen Sportarten nachzugehen, sondern dass sie den Weg zu Musikverein, Pfadfindern oder Feuerwehr finden.“

Gerd Stenmans ist CDU-Fraktionsvorsitzender. Foto: Dirk Möwius

Für den Wahltag — ausgerechnet Kirmessonntag in Issum — geben sie klare Ziele aus. Gern möchte die CDU alle 15 Wahlbezirke direkt gewinnen. Und im Gesamtergebnis darf es dann wieder Richtung 50 Prozent gehen. Allerdings sei auch klar, dass mit den Grünen und möglicherweise der AfD die Karten neu gemischt werden. Stenmans: „Es wird wohl Überhangmandate geben, der Rat wird wachsen“. Am Ende müsse man dann sehen, wie die Mehrheiten aussehen.