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Mittelalter-Graben in Wachtendonk wird umgestaltet

Projekt : Den Stadtgraben wieder sichtbar machen

Der Wasser- und Bodenverband der Mittleren Niers hat seine Pläne für die Umgestaltung der mittelalterlichen Anlage in Wachtendonk vorgestellt. Die Umsetzung ist in bis zu elf Teilabschnitten möglich. Die Aue als Freizeitplatz nutzen.

Das Urteil des Experten ist eindeutig. „In dem jetzigen Zustand ist die Unterhaltung des Stadtgrabens weder kostengünstig noch nachhaltig möglich“, konstatiert Christoph Rüber. Doch der Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes der Mittleren Niers hat genaue Vorstellungen darüber, wie der Wasserlauf, der einst die mittelalterliche Burg Wachtendonks vor Angreifern schützen sollte, wieder zu einem wahrnehmbaren und nutzbaren Bestandteil des historischen Ortskerns werden kann.

Ziel des vom Verband getragenen Projekts ist es, die Eigenschaft des Grabens als Fließgewässer wieder herzustellen. Zudem soll erreicht werden, dass eine Unterhaltung des Grabens durch Maschinen oder sogar aus sich selbst heraus möglich ist. Voraussetzung dafür ist die Wiederherstellung der natürlichen Anbindung an die Niers südlich der Ortslage. Dafür muss die Sohle vertieft werden, wozu laut Rüber je nach Standort zwischen 20 Zentimeter und 1,80 Meter abgeteuft werden müssen. Auch ein gleichmäßiges Sohlgefälle ist notwendig.

Im Frühling und Sommer wurden, wie berichtet, Rammkernsondierungen entlang des Stadtgrabens vorgenommen. Sie bestätigten die Vermutungen, dass der Graben einst viel breiter war als die Niers heute. Rüber: „Er hatte ungefähr die Ausmaße, die eine maßstäbliche Katasterkarte aus dem Jahr 1813 zeigt.“ Wegen der Bebauung ist klar, dass die ursprünglichen Dimensionen des Stadtgrabens nicht mehr dargestellt werden können. „Private Liegenschaften werden in die Planung nicht einbezogen“, stellte Rüber in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats klar. Bleiben also die Flächen in kommunalem Besitz. Die jetzt vorliegende Planung wurde mit den zuständigen Behörden abgestimmt, wobei nach Darstellung Rübers besonders die Verhandlungen mit dem Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege langwierig waren.

Im April bei einer Rammkernbohrung (v.l.): Bürgermeister Hans-Josef Angenendt, Pascal Schleck, Christoph Rüber und Pascal van Elsbergen-Wardthuysen Foto: Evers, Gottfried (eve)

Im Wesentlichen soll die naturnahe Gestaltung aufgenommen und es soll für eine gewässertypische Bepflanzung gesorgt werden. Schatten schützt vor anorganischen Prozessen, die, wie jetzt immer wieder, zu üblen Gerüchen führen. Der Zufluss von der Niers her wird breiter und tiefer. Wo es vom Platz her möglich ist, sollen die alten Außengrenzen des Grabens durch die Gestaltung der Aue nachempfunden werden. Dort, wo zum Beispiel die Schule oder Wohnbebauung eine Ausdehnung verhindern, soll der Graben als schmaler Streifen verlaufen.

Einige Möglichkeiten zur Naherholung am Stadtgraben sind laut Rüber denkbar. In der Illustration des Verbandes sind neun Punkte aufgeführt.

1. Start des Erlebnispfads mit Infotafeln zur historischen Festung und zum Stadtgraben

2. Pfad der Sinne

3. Weidentunnel

4. Infotafel zur Stadthistorie

5. Abenteuerspielplatz mit Weidentipis, Wasserpumpe und Klettersteinen

6. „Totholz voller Leben“ – Informationsstation zum Thema Totholz im Gewässer

7. Wasser-Trittsteine

8. Balancier- und Kletterparcours

9. Nestschaukel und Picknickplatz mit Blick auf die Niers

Die Reaktionen im Gemeinderat waren gemischt. Ludwig Ramacher (Bündnis 90/Grüne) äußerte sich begeistert, während Georg Camp (CDU) dessen Euphorie nicht teilen mochte. Uwe Marksteiner, der allgemeine Vertreter des Bürgermeisters, empfahl, das Ganze erst mal sacken zu lassen.

Zeitdruck besteht seitens des Wasser- und Bodenverbands nicht. „Wir drängen uns nicht auf“, sagte Rüber, der allerdings keinen Zweifel daran ließ, dass mit der Umgestaltung des Stadtgrabens ein noch attraktiverer Grüngürtel für Wachtendonk entstehe. Das Projekt lasse sich in sieben bis elf Planungsschritte einteilen und jederzeit stoppen. Der Wasser- und Bodenverband hat in seinem Haushalt für die Jahre 2018 bis 2020 1,1 Millionen Euro eingestellt. Bis der neue Stadtgraben fertig ist, wird es nach Einschätzung Rübers aber wohl eher 2025 werden.