Bundespräsident in Straelen: Großer Empfang für Frank-Walter Steinmeier

Bundespräsident in Straelen : Großer Empfang für Frank-Walter Steinmeier

Am Donnerstagnachmittag ist der Bundespräsident in Straelen angekommen. Der Gast aus Berlin besuchte das Europäische Übersetzer-Kollegium. Viele Bürger erwarteten das Staatsoberhaupt auf der Kuhstraße.

Bundespräsidenten dürfen das: Entgegen der erlaubten Richtung fuhr der Konvoi mit der Dienstlimousine von Frank-Walter Steinmeier in die Kuhstraße ein. Nur noch wenige Meter, dann hatte das deutsche Staatsoberhaupt sein Ziel erreicht: das Europäische Übersetzer-Kollegium (EÜK) Straelen, über dessen 40-jährige Geschichte und Arbeit sich der Gast aus Berlin, der am Vormittag die seit 200 Jahren bestehende Universität Bonn besucht hatte, informieren wollte.

Von vielen Schaulustigen wurde Steinmeier erwartet. Bald erfuhren die Wartenden, dass es mit der erst geplanten Ankunftszeit von etwa 15.40 Uhr nichts werden würde. Die Verspätung tat der guten Stimmung zu beiden Seiten des EÜK-Eingangs keinen Abbruch. „Man freut sich auf so einen recht seltenen, hohen Besuch“, sagte Wolfgang Gorissen, der mit seiner Frau Marlies aus Wachtendonk gekommen war. Überhaupt hatten viele Auswärtige den Weg in die Blumenstadt gefunden, sie kamen aus Kevelaer, Sevelen, und auch Josephina Wolff aus dem niederländischen Beringe jenseits der Maas wartete auf das deutsche Staatsoberhaupt, wie manche ausgerüstet mit schwarz-rot-goldener Papierfahne. „Ich hoffe auf ein gutes Foto von Herrn Steinmeier“, erklärte der Straelener Jochen Pasch, der wie viele Dutzend sein Handy gezückt hielt.

Eine Polizeisirene und Motorräder mit Blaulicht kündeten um etwa 16.10 Uhr das Nahen des Präsidenten-Konvois an. Beifall brandete auf. Schnell legte Steinmeiers Limousine den Weg zum EÜK zurück. „Jetzt isser schon weg“, war eine enttäuschte Frauenstimme zu vernehmen. Doch der Bundespräsident entschwand mitnichten sofort im EÜK, sondern nahm sich einige Minuten Zeit, um mit den Bürgern zu sprechen. Da schwoll der Applaus noch an, Fotos wurden geschossen, Hände geschüttelt. Straelens Bürgermeister Hans-Josef Linßen und SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Barbara Hendricks begleiteten Steinmeier beim „Bad in der Menge“. Dann noch ein letztes Winken an der Tür des EÜK, dann ging das Besuchsprogramm des Bundespräsidenten im Innern des Hauses weiter.

Dr. Regina Peeters, die Geschäftsführerin des EÜK, war mit dem Ablauf äußerst zufrieden. „Es hätte nicht besser laufen können“, meinte sie nach der Abfahrt Steinmeiers. Ähnlich euphorisch äußerte sich EÜK-Präsident Claus Sprick. „Es war ein großer Tag, wir waren begeistert.“

Ausführlich wurde Steinmeier bei einer Führung das EÜK gezeigt. Der Bundespräsident habe sich, so berichtete Sprick, während des Rundgangs sehr interessiert gezeigt und auch in manchem Buch geblättert. Bei einem rund einstündigen Gespräch mit sechs Übersetzern ging es um die Situation von Literaten und Übersetzern aus Ländern, die sich im Umbruch befinden. Aus Iran, Griechenland, Mazedonien, Ungarn, Russland und Georgien stammten Steinmeiers Gesprächspartner. Der Bundespräsident sei über die politische Lage in den Staaten bestens informiert gewesen, so Sprick. Ein Thema der Runde sei auch gewesen, wie sich das Deutschlandbild in den Ländern durch Übersetzungen entwickle.

Um etwa 18.15 Uhr verließ Steinmeier das EÜK wieder – und wurde draußen noch von rund 70 Zaungästen erwartet, die ihm eine gute Heimreise wünschten und zum Abschied winkten. Wie die EÜK-Verantwortlichen bewerteten auch die Bürger die Stippvisite des Staatsoberhauptes positiv. „Der war so nah, das war toll“, urteilte Jakob Tönneßen aus Straelen. Kalli Geerkens hatte schon die Besuche der Bundespräsidenten Roman Herzog 1997 und Johannes Rau 2003 erlebt. „Aber der heute, das war der beste.“

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(RP)
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