Wachtendonk: Dem Stadtgraben auf den Grund gehen

Wachtendonk: Dem Stadtgraben auf den Grund gehen

Im historischen Ortskern von Wachtendonk werden Rammkernbohrungen vorgenommen. Sie sollen klären, welche Ausmaße der Stadtgraben einst hatte. Das Gewässer soll möglichst nah an seinen Ursprungszustand geführt werden.

Um Licht in das Dunkel der Vergangenheit zu bringen, ist Lärm nötig. Mit einem Presslufthammer treibt Pascal Schleck eine Eisenstange in das Erdreich, rund zwei Meter vom Ufer des Wachtendonker Stadtgrabens entfernt. Um genau den geht es bei den Rammkernbohrungen, die in den vergangenen Tagen von der Firma Hydronik GmbH aus Emmerich durchgeführt wurden. Die Sondierungen sollen Erkenntnisse darüber bringen, wie breit der Graben einst gewesen ist.

Der Stadtgraben aus dem 16./17. Jahrhundert soll so weit wie möglich in seinen ursprünglichen historischen Zustand versetzt werden. Hierbei ziehen die Gemeinde Wachtendonk, der Wasser- und Bodenverband der Mittleren Niers und das Rheinische Amt für Bodendenkmalpflege mit Sitz in Bonn an einem Strang. Für Bürgermeister Hans-Josef Aengenendt ist das Projekt eine Chance, den Ortskern, nicht zuletzt für Touristen, noch attraktiver zu machen. Vor allem soll der Graben möglichst immer mit Wasser gefüllt sein. Denn dass er, wie momentan, geflutet ist, ist eher die Ausnahme.

Deutlich ist der Übergang von der hellen Sohle zum dunklen Verfüllmaterial. Bei den Bohrungen wurde auch ein Jahrhunderte alter Hundekieferknochen gefunden. Foto: klatt

Wie breit der einst die Festung schützende Stadtgraben früher mal war, lässt sich bisher nur aus historischen Darstellungen ablesen. Eine wichtige Quelle ist eine französische Karte von 1813. "Die ist, anders als ältere Illustrationen, maßstäblich gezeichnet", beurteilt Christoph Rüber, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbands der Mittleren Niers, deren Wert. Allerdings zeigt sie den Graben als Morast und längst nicht mehr in dessen ursprünglicher Ausdehnung. Berichte über damalige Festungsgräben lassen von einer Breite von bis zu 50 Metern ausgehen.

Diese Dimension ließe sich, wenn überhaupt, höchstens noch auf einigen Grünflächen am Graben erreichen. "Für die Häuser und sonstige Anlagen der Umgebung gilt selbstverständlich Bestandsschutz", zerstreut Bürgermeister Aengenendt eventuell aufkeimende Befürchtungen.

Es wurde auch ein alter Hundekieferknochen gefunden. Foto: klatt
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Klären sollen die Bohrungen auch die Frage, wie tief das Bett des Grabens einst war. Denn wenn der Wasser- und Bodenverband sich künftig um die Unterhaltung kümmert, ist dem Bodendenkmalamt wichtig, dass dabei die historische Schicht, also die Sohle des Grabens, nicht zerstört wird. Die Füllschicht, also alles, was auf die Sohle obendrauf kam, dürfe abgetragen werden, erklärt Rüber. Es sei damit zu rechnen, dass der Graben um einige Dezimeter sinkt. "Das heißt, er fällt wieder unter das Niveau der Niers."

Das wiederum erleichtert den Wasserdurchfluss und verhindert, dass beim Austrocknen des Grabens durch Schadstoffablagerungen üble Gerüche entstehen. Allerdings muss am südlichen Anschluss etwas geändert werden, damit das Nierswasser leichter seinen Weg in den Graben findet. Aus einem 90-Grad-Abzweig werde ein 45-Grad-Abzweig.

Bis zu vier Meter reichen die Bohrungen ins Erdreich. "Dabei haben wir den Kiefer vermutlich eines Hundes aus dem 17. Jahrhundert gefunden", berichtet Geologe und Projektleiter Pascal van Elsbergen-Wardthuysen. Der Ursprung eines weiteren Knochens ist noch unklar. An der Färbung ist die Sohle des Stadtgrabens von dem darüber liegen Füllmaterial zu unterscheiden. Sand und Kies ganz unten sind hell. In der meist dunkelbraunen Auffüllung befinden sich zum Beispiel Holzkohle, Ziegelstücke und organische Bestandteile, unter anderem aus Abwässern.

Ein Archäologe des Rheinischen Amts für Bodendenkmalpflege wird das Bohrmaterial jetzt auswerten. Eventuell sind noch Baggerschürfungen notwendig, um die Grenzlinien des Grabens festzulegen. Auf dieser Grundlage wollen Gemeinde, Amt sowie Wasser- und Bodenverband dann ihre Planung entwickeln. Die politische Beratung ist nach Angaben von Aengenendt im Juni oder September im Planungsausschuss vorgesehen.

(RP)