1. NRW
  2. Städte
  3. Emmerich

Wie die Emmericher War unter dem Klimawandel leidet

Trockenheit setzt Naturschutzgebiet zu : Sorgen um die Emmericher Ward

Den Auengewässern am Niederrhein geht es schlecht. Gründe sind fehlende Niederschläge und der niedrige Rheinwasserstand. Der Klimawandel macht auch vor dem Naturschutzgebiet in Emmerich nicht Halt.

Die Artenvielfalt der Emmericher Ward ist beeindruckend. Zahlreiche Vogel- und Pflanzenarten leben in dem Naturschutzgebiet. Doch es tun sich dunkle Wolken auf: Die Auen trocknen aus, es fehlt an Wasser im Rhein. Die Nabu-Naturschutzstation Niederrhein engagiert sich seit den 70er-Jahren für die Unterschutzstellung des Gebietes. Um der Auentrockenheit entgegenzuwirken, beginnen zeitnah die Bauarbeiten des zweiten LIFE-Projekts an der Emmericher Ward.

Das Naturschutzgebiet Emmericher Ward gehört zu den Auengewässern am Niederrhein. Es erstreckt sich südwestlich von Emmerich, an der westlich verlaufenden Staatsgrenze zu den Niederlanden und direkt am südlich fließenden Rhein. Die Grundstruktur des Gebietes wurde durch den Rhein und seine wandernden Arme bis ins 18. Jahrhundert geprägt. Es besteht somit aus kleinen Auengewässern und ist für sein Feuchtgrünland und dessen Auenwaldbestände bekannt.

 Klaus Markgraf-Maué kümmert sich um die Emmericher Ward.
Klaus Markgraf-Maué kümmert sich um die Emmericher Ward. Foto: Markus Balser

Seit jeher dient die Ward als Rückzugsort für zahlreiche Brutvögel, darunter sind Wasservögel wie die Knäkente und der Zwergtaucher sowie Wattvogelarten wie der Flussregenpfeifer und der Rotschenkel. Aber auch das Schwarzkehlchen und die Nachtigall sind vertreten. Für Gänse, Enten und Watvögel dient die Emmericher Ward als Rast- und Überwinterungsgebiet. Wenn mittlere Hochwasserstände zu überschwemmten Wiesen führen, lassen sich Wasservögel und Möwen beobachten. Durch die Vielfalt der Gewässer leben hier außerdem artenreiche Libellengemeinschaften. Neben den Tierarten wurden seit 1996 knapp 380 Gefäßpflanzenarten nachgewiesen, 35 Arten der Roten Liste NRW kommen zudem in der Ward vor. Damit zählt das Naturschutzgebiet zu den bedeutendsten Auengebieten.

  • Beim aktuellen Niedrigwasser fotografierte Wahid Valiei
    Nach Explosion verbrannt und gesunken : Rhein-Niedrigwasser gibt altes Schiffswrack frei
  • Gerd Gertsen, Ludger Hövelmann und Johannes
    Beleuchtetes Emmerich : Stadtbildverein wirbt für sich und ein schöneres Emmerich
  • Der Wochenmarkt in Emmerich an einem
    Emmericher Wochenmarkt : Gedämpfte Stimmung – Beschicker verlassen den Markt

Diese Artenvielfalt wird nun von der Trockenheit bedroht. Einige Tiere und Pflanzen sterben, andere verlieren ihr Habitat. Klaus Markgraf-Maué ist Schutzgebietsbetreuer der Emmericher Ward. „Auengewässer am Niederrhein sind von kurzfristigen Entwicklungen betroffen, wie etwa vom Fehlen der Niederschläge oder vom niedrigen Rheinwasserstand. Dadurch frisst sich der Rhein in die Sohle ein und der Wasserspiegel sinkt. Durch die fortschreitende Eintiefung der Rheinsohle wird die Aue immer trockener. Es braucht somit mehr Wasser im Rhein“, sagt Klaus Markgraf-Maué im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Emmericher Ward ist also direkt vom Rhein abhängig.

Die Trockenheit lässt sich vor allem auf den Klimawandel zurückführen. Seit 2018 wird es immer schlimmer. „Jedes Jahr sind die Auengewässer davon betroffen, diese sind selten ganzjährig wasserführend. Seit einigen Jahren halten die Trockenphasen jedoch länger am Stück an“, so der Schutzgebietsbetreuer. Dieser Trend hat fatale Auswirkungen auf die Flora und Fauna des Naturschutzgebietes. „Das Fischsterben ist ja bereits seit einiger Zeit bekannt und ein großes Problem. Aber auch andere Tierarten sind weniger in der Ward zu finden, denn sie ziehen sich zurück. Dazu nehmen die Feuchtwiesen ab. Der Auencharakter geht somit verloren“, sagt Markgraf-Maué.

Um den Auencharakter dennoch erhalten zu können, braucht es Maßnahmenpakete. An diesen feilt die Nabu derzeit. „Insgesamt muss das Wasser in der Ward zurückgehalten werden. Dafür gibt es verschiedene Methoden. Eine ist etwa, Gräben zu verschließen und Flüsse in Schleifen zu legen. Außerdem hilft es, Kies hinzuzugeben, an dem der Rhein sich abarbeiten kann“, sagt Klaus Markgraf-Maué. In den nächsten Tagen beginnen unterdessen die Bauarbeiten eines weiteren LIFE-Projekts der Naturschutzstation an der Emmericher Ward. Es sollen Ausgrabungen stattfinden, damit Wasser länger in der Aue bleibt und zurückgehalten wird. „Wir haben bereits vor einigen Jahren ein LIFE-Projekt gestartet, bei dem wir eine Nebenrinne an den Rhein angeschlossen haben und das Auengewässer so angebunden werden konnte“, sagt der Schutzgebietsbetreuer.