Düsseldorf: Uerige exportiert nach Russland und Israel

Düsseldorf : Uerige exportiert nach Russland und Israel

Früher hat Gennadi Rauchmann die boxenden Klitschko-Brüder vermarktet. Jetzt entdeckte der gebürtige Russe das Altbier der Hausbrauerei Uerige. Bald startet der Export von Flaschen nach Russland, Israel und in die Ukraine.

Wer künftig als Düsseldorfer auf Reisen durch Moskau oder Kiew ist, muss auf sein vertrautes Altbier nicht verzichten. Denn Gennadi Rauchmann bringt das Düsseldorfer Traditionsbier Uerige jetzt auch in den tiefsten Osten. Der gebürtige Russe will das Uerige in seiner Heimat zum Verkaufsschlager machen. 30 000 Flaschen will Rauchmann in einer ersten Tranche nach Russland bringen.

"AV" heißt eine Feinkostkette, die vor allem in Russlands Metropolen Moskau, St. Petersburg und Jekaterinburg ihre Filialen hat. 70 Niederlassungen gibt es im größten Land der Erde. Angeboten werden Delikatessen aus aller Welt und für russische Verhältnisse relativ teure Lebensmittel. "Wir exportieren zunächst die 0,33-Flaschen mit dem Bügelverschluss. Die haben eine tolle Optik und Haptik, mit den erhabenen Buchstaben", sagt Rauchmann. 75 Prozent der exportierten Flaschen enthalten Biere vom Typ Sticke und Doppelsticke. Der Rest sind Fassbrausen.

Aber Altbier und Russland? Wie passt das zusammen? "Sehr gut", meint Rauchmann. Denn die Russen, bekannt für ihren Wodka, lieben Bier. Russland ist der viertgrößte Biermarkt der Welt. 10,6 Millionen Hektoliter Bier tranken die Russen im Jahr 2012. "Die meisten nehmen die heimischen Sorten, weil deutsche Biere für den russischen Markt zu teuer sind", so der Geschäftsmann. Zielgruppe für das Uerige sollen die wohlhabenden Großstadtmenschen sein. Umgerechnet drei Euro soll eine Flasche kosten. Auch die Ukraine soll mit Uerige made in Düsseldorf beliefert werden. Dritter Zielmarkt des Kaufmanns ist Israel. "Dort könnte es schwieriger werden, weil der Wettbewerb härter ist", ahnt Rauchmann. Er wagt es trotzdem. Mit anderen Spezialitäten-Bieren, wie etwa dem Schlenkerla-Rauchbier aus Franken hat er es bereits geschafft. "Irgendwann fiel mir auf, dass es in Russland kein Altbier gibt. Diese Marktlücke wollte ich nutzen", sagt Rauchmann. Gezielt hat er nach einer Düsseldorfer Hausbrauerei gesucht - und sie im Uerigen gefunden. "Das ist das einzige Alt, das für mich bei diesem Geschäft infrage kommt", sagt der Russe. Einen der Gründe kennt Uerige-Baas Michael Schnitzler. "Das Alt für Russland ist nicht gefiltert. Die exportierten Biersorten reifen in der Flasche noch einige Monate weiter", sagt Schnitzler. Auch die Biere, die vom Uerige in die USA, nach Japan oder Brasilien geliefert werden, sind von dieser Sorte.

Bevor Gennadi Rauchmann mit seiner Firma Part Trading auf die Idee kam, deutsches Bier in seine Heimat zu exportierten, vermarktete er die beiden boxenden Brüder Wladimir und Vitali Klitschko in Hamburg. 2008 dann stieg Rauchmann in den Import von leeren Bierflaschen für große Brauereien aus Weißrussland, Russland und der Ukraine nach Deutschland. "Da dachte ich mir, warum nicht volle Flaschen wieder zurückschicken?", sagt Rauchmann.

Für den Uerige-Baas ist der Russlandauftrag ein gutes Geschäft. "Der größte Exportauftrag, den wir auf einen Schlag bekommen haben", sagt Schnitzler. Und was ist mit den Sanktionen gegen Russland? "Bier fällt nicht unter das russische Einfuhrverbot", weiß Rauchmann.

(RP)