Sport in Düsseldorf : Walzer auf Rädern

Im Familienzentrum in Rath findet ein inklusives Tanztraining statt: Dort tanzen Rollstuhlfahrer gemeinsam mit Menschen ohne Behinderung. Einen speziellen Rollstuhl brauchen die Teilnehmer dafür nicht.

Udo Dumbeck klatscht in die Hände, ruft: „Jetzt tanzen wir Discofox“, und drückt auf Play. Popmusik schallt durch den Raum. Im Familienzentrum stehen fünf Menschen, die anfangen, sich zu bewegen. Ihnen gegenüber sitzen fünf weitere Menschen im Rollstuhl, auch sie tanzen, gemeinsam mit den Nicht-Rollstuhlfahrern. Die Paare nehmen sich an der Hand, die Rollstühle drehen sich, fahren vor und zurück. Hier in Rath findet einmal die Woche ein Rollstuhltanztraining statt. Der Verein „Tanzen Inklusiv in Nordrhein-Westfalen“ bietet es jeden Freitag an. „Jeder kann tanzen“, sagt Udo Dumbeck, erster Vorsitzender des Vereins. Dumbeck ist Tanzlehrer, 1993 hat er den Verein in Bonn gegründet. Damals hieß er noch „RollStuhlTanzZentrum“.

2016 wurde er in „Tanzen Inklusiv“ umbenannt, weil sich das Angebot eben nicht mehr nur an Rollstuhlfahrer, sondern auch an Menschen mit anderen Behinderungen richtet. In Rath aber steht das Rollstuhltanzen im Mittelpunkt. Hierbei ist der inklusive Gedanke besonders wichtig, erläutert Dumbeck. Es tanzen immer ein Fußgänger – so werden die Tänzer ohne Rollstuhl genannt – und ein Rollstuhlfahrer gemeinsam. „Alle reden über Inklusion – wir leben sie“, sagt Udo Dumbeck.

Markus Müllenmeister ist zweiter Vorsitzender von „Tanzen Inklusiv“, er sitzt im Rollstuhl. Vor 18 Jahren kam seine nicht gehbehinderte Frau zu ihm und schlug vor, zum Rollstuhltanzen zu gehen. Seine erste Reaktion war: „Ich hüpf doch nicht im Rollstuhl herum.“ Doch Müllenmeister ließ sich überreden, ging zur Tanzgruppe und merkte schnell, dass Rollstuhltanzen mehr ist als ein einfaches Herumhüpfen. Vielmehr tanzen die Rollstuhlfahrer selbstständig, sie agieren zusammen mit den Fußgängern als Paar, erklärt Dumbeck. Er steht wieder an der Musikanlage, spielt ruhigere Musik, die Paare stellen sich auf und tanzen einen langsamen Walzer durch den Saal im Familienzentrum.

„Einen speziellen Rollstuhl braucht man dafür nicht“, erklärt Dumbeck, der auf einer Stufe sitzt, die Tanzenden beobachtet und ab und zu Anweisungen gibt. Aber je beweglicher ein Rollstuhl ist, umso einfacher ist das Tanzen.

Die Rollstuhltanzgruppe in Düsseldorf gibt es seit 15 Jahren, seit zwei Jahren findet das Training in Rath statt. Tobias und Silvia Bandel tanzen hier seit 2015. Tobias Bandel hat durch eine Blutgerinnungsstörung beide Beine verloren, der 42-Jährige sitzt seit mehr als zehn Jahren im Rollstuhl. Für ihre Hochzeit 2015 wollten die Bandels einen Walzer lernen, fanden die Rollstuhltanzgruppe in Rath – und sind seitdem dabei. Sie haben dort Menschen kennengelernt, die gute Freunde geworden sind, sagen sie. Und: „Es ist schön, dass man hier trotz Behinderung was machen kann“, so Tobias Bandel.

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