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Düsseldorf: Die Armut wird ökumenisch bekämpft

Düsseldorf : Die Armut wird ökumenisch bekämpft

Caritas und Diakonie in Gerresheim bieten eine gemeinsame Sprechstunde für Menschen in Not an, die zur Hälfte von Flüchtlingen besucht wird. Zur Unterstützung dieser Arbeit hat die Bürgerstiftung Gerricus jetzt 10 000 Euro gespendet.

Armut ist auch im angeblich so reichen Düsseldorf allgegenwärtig. Das gilt für Gerresheim ebenso wie für viele andere Stadtteile. Eine Sprechstunde, ein fester Anlaufpunkt, wo die Betroffenen Hilfe erwarten können, ist umso wichtiger, wenn in der Nähe ein Flüchtlingsheim wie das an der Heyestraße mit 145 Bewohnern zusätzliche Klientel beschert.

Jeden Dienstag bieten Diakonie und Caritas seit einigen Jahren vormittags eine ökumenisch organisierte Sprechstunde im Gemeindehaus der evangelischen Gustav-Adolf-Kirche an der Hardenbergstraße an. Die ist mit rund 260 Familien pro Monat, die sich alleine nicht zu helfen wissen, derart gut besucht, dass ein beträchtlicher Kostenapparat anfällt. Laut Karl-Heinz Sülzenfuß, katholischer Pfarrer an St. Margareta, liegt der bei ungefähr 45 000 Euro im Jahr - Tendenz steigend und Sonderaktionen, etwa für Kinder zu Weihnachten oder Schulbeginn, nicht mit gerechnet.

Spenden sind daher immer willkommen - wie die 10 000 Euro von der Bürgerstiftung Gerricus. Allein 5000 Euro seien von einem privaten Gönner gekommen, sagt Vorstandsmitglied Michael Brockerhoff. Die Gemeinde St. Margareta hat zusätzlich 2000 Euro aus ihrem Etat zweckgebunden für Kinder beigesteuert.

Die evangelische Pfarrerin Cornelia Oßwald schätzt, dass die Hälfte der Menschen in Notsituationen, die in Gerresheim die Sprechstunde aufsuchen, Flüchtlinge sind - aus Syrien, Irak oder Eritrea, was oft zu Sprachproblemen führe, die meist nur mit Hilfe anderer Flüchtlinge, die schon länger in Deutschland leben, zu lösen seien. "Beim Arabischen stoßen wir selbstverständlich an Grenzen", fügt Diakon Oliver Steinbrecher hinzu.

Die Zahl der Besucher - darunter seien auch viele Seniorinnen, deren Rente nicht reicht, chronisch Kranke, die ihre Arbeit verloren haben oder alleinerziehende Mütter - würde seit vergangenem Jahr kontinuierlich steigen, erklärt Presbyter Eckhard Liebert. "Wenn an jedem zweiten Dienstag im Monat auch der Kleiderladen geöffnet hat und ein Frühstück angeboten wird, sind es noch einmal deutlich mehr als die sonst üblichen 50 bis 60."

Viele Gerresheimer wüssten nicht einmal von der Existenz des Flüchtlingsheims, in dem bis in die 80er Jahre noch das Käthe-Kollwitz-Kinderheim untergebracht war, berichtet Ingrid Schmitz, Mitglied des Sprechstunden-Teams. Mit einer gezielten Aktion will man in diesem Jahr dafür sorgen, dass bedürftige Kinder an Weihnachten nicht leer ausgehen. Dabei können private Spender eine Tüte mit Süßigkeiten füllen, zusätzlich wird ein Gutschein für Spielzeug im Wert von zehn Euro beigelegt. Von dem Spendenaufkommen sollen darüber hinaus Fahrräder und Bobbycars als fester Fundus für die Unterkunft an der Heyestraße angeschafft werden, sagt Brockerhoff.

Sülzenfuß glaubt, dass inzwischen weit mehr als 200 Flüchtlinge in Gerresheim leben, denn weitere seien in einem Hotel oder in Privatunterkünften untergebracht. "Wir müssen versuchen, diese Menschen auch am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen, müssen sicherstellen, dass sie Zugang zu Sprachkursen erhalten, und sie zu gemeinsamen Aktionen animieren", erläutert Steinbrecher. Pfarrerin Cornelia Oßwald kenne Flüchtlinge, die würden schon seit Jahren zur Sprechstunde erscheinen. "Am schönsten ist es für mich aber, wenn jemand sich bei mir verabschiedet und sagt, er würde jetzt nicht mehr kommen, er habe Arbeit."

(RP)