Schweinepest in Düsseldorf: Einsatzkräfte proben den Ernstfall

Übung im Aaper Wald: Das passiert, falls die Schweinepest nach Düsseldorf kommt

Seit 2018 gibt es Fälle der Afrikanischen Schweinepest in Belgien. Auch in Deutschland muss mit einem Ausbruch gerechnet werden. Die Einsatzkräfte probten nun für den Ernstfall.

Ein Dutzend Männer in türkisfarbenen Schutzanzügen läuft still durch den Aper Wald. Im Nieselregen tragen sie fellüberzogene Baumstämme in weißen Plastikplanen durchs Gestrüpp, packen sie in große Container, schließen die große Klappe, besprühen die Kanten mit einer durchsichtigen Flüssigkeit.

Anschließend bewegt sich die Gruppe geschlossen zurück zu einem weißen Pavillon, „Schleuse“ steht auf einem Schild. Rot-weißes Flatterband markiert einen Bereich, in dem die Männer ihre Anzüge wieder ausziehen, entsorgen – und anschließend wieder die reale Welt betreten.

Übung: Das passiert, falls die Schweinepest nach Düsseldorf kommt

Was wirkt wie der Dreh eines dystopischen Science-Fiction-Films, ist tatsächlich die Probe für eine reale Bedrohung. Und die Männer in den Schutzanzügen sind Einsatzkräfte von Feuerwehr, Forst- und Veterinäramt.

50 Menschen waren an dieser Übung beteiligt, darunter auch Mitarbeiter des Ordnungsamtes und für das Gebiet zuständige Jäger. Sie probten für den Ernstfall – falls die Afrikanische Schweinepest auch in Deutschland auftritt. Denn nach Einschätzung des Bundesinstituts für Tiergesundheit muss mit einem Ausbruch der Seuche in Deutschland gerechnet werden.

„Wir können nicht ausschließen, dass es kommt. Wir müssen wachsam und aufmerksam sein“, sagt Klaus Meyer, Leiter des Amtes für Verbraucherschutz. Im vergangenen September wurde der erste Fall von Afrikanischer Schweinepest (ASP) im benachbarten Belgien nachgewiesen.

2018 wurden 161 infizierte Wildschweine gezählt, seitdem steigen die Zahlen. Waren es am 5. März noch 197 Wildschweine, die sich neu infizierten, sind es in der darauffolgenden Woche (Stand: 12. März 2019) bereits 320 registrierte Fälle.

Die Schweinepest, die ursprünglich nur in afrikanischen Ländern verbreitet war, kommt seit 2014 auch immer wieder in osteuropäischen Ländern vor. Vermutlich wurde das Virus im Jahr 2007 über den Schwarzmeerhafen Poti nach Georgien eingeschleppt. Von dort aus gelangte der Erreger schließlich nach Russland, Weißrussland und die Ukraine. „Über Speiseabfälle“, vermutet Meyer.

Denn die Übertragung der „Pest“ ist nicht nur zwischen infizierten und nicht infizierten Tieren möglich: Der Erreger kann auch über kontaminierte Fahrzeuge, Kleidung, Lebensmittel oder über Tierfutter übertragen werden. „Das Virus kann über Monate in verarbeiteten Produkten erhalten bleiben“, sagt Meyer. Auch Menschen können ihn übertragen, wobei sie sich – im Gegensatz zur Schweinegrippe – nicht mit dem Erreger infizieren können. Auch andere Tiere sind nicht gefährdet.

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Bei Haus- und Wildschweinen treten hingegen in der Regel vier Tage nach der Infektion die ersten Krankheitserscheinungen auf: Fieber, Schwäche, Fressunlust, Bewegungsstörungen, Atemprobleme und Durchfall. Die Tiere zeigen auch Verhaltensauffälligkeiten wie verringerte Fluchtbereitschaft, Bewegungsunlust und Desorientiertheit.

Meist endet dies tödlich: „Ungefähr sieben bis 18 Tage nach Krankwerdung verenden die Tiere“, sagt Meyer. Und während des Verwesungsprozesses bleibt der Kadaver mehrere Wochen bis Monate infektiös. Für Funde von verendeten Wildschweinen gilt es darum, sofort die entsprechenden Stellen zu informieren. „Egal ob Feuerwehr, Polizei oder Stadt – alle wissen Bescheid“, betont Meyer.

Ein solcher „Fund“ – fiktiv natürlich – war nun auch Ausgangspunkt der Übung im Aaper Wald, die gegen 8 Uhr morgens begann. Zunächst wurde ein Kerngebiet festgelegt und abgesperrt, in dem weitere verendete Tiere vermutet wurden. Insgesamt drei „Baumstamm-Kadaver“ mussten die Einsatzkräfte orten und bergen.

Geübt wurde das Verladen und der Transport sowie das Einrichten von Sperr-, Kontroll- und Pufferzonen. Und um die weitere Verbreitung des Erregers durch kontaminierte Kleidung und Fahrzeuge zu verhindern, wurden Hygieneschleusen errichtet – die weißen Pavillons.

Oberstes Ziel ist es, die Ausbreitung zu verhindern, weil es bisher auch noch keinen Impfstoff gibt. Tritt die Seuche in Hausschweinbeständen auf, müssen sofort alle Tiere getötet werden.

„Der Einsatz heute war eine noch nie dagewesene Übung zur Suche von Wildschweinkadavern“, so der Leiter des Amtes für Verbraucherschutz. Im Anschluss waren alle Verantwortlichen sehr „zufrieden“. „Nur das Wetter hätte besser sein können“, sagt Meyer und lacht. Nach vier Stunden konnten die Einsatzkräfte den Wald wieder verlassen.

Auch die Baumstämme, die als Wildschwein-Attrappen fungiert haben, werden mitgenommen. „Die gehen wieder zurück an den Besitzer“, so Meyer. Und bei der nächsten Übung für einen Ernstfall werden sie auch wieder im Einsatz sein.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Schweinepest-Simulation im Aaper Wald in Düsseldorf

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