Streit um Neubau in Düsseldorf-Gerresheim

Debatte: Kunert kritisiert Bürgerverein

Der Bezirksbürgermeister distanziert sich von der Forderung, in dem Neubau an der Heyestraße in Gerresheim dürften nicht nur Obdachlose und Flüchtlinge wohnen.

In einem gemeinsamen Offenen Brief haben der Bürger- und Heimatverein Gerresheim sowie die Initiative „Wir GHS“ kritisiert, dass auf dem Gelände der ehemaligen Flüchtlingsunterkunft an der Heyestraße ausschließlich Wohneinheiten für Geflüchtete mit anerkanntem Status, für Obdachlose sowie für den sozialen Wohnungsmarkt entstehen sollen. Dies sei der Entwicklung des Gerresheimer Südens abträglich.

Nachdem sich bereits die zweite stellvertretende Bezirksbürgermeisterin Maria Icking von den Grünen, obwohl Mitglied in beiden Vereinen, von dieser Haltung distanziert hat, ergreift nun auch Bezirksbürgermeister Karsten Kunert das Wort. Im Namen seiner Partei, der SPD im Stadtbezirk 7, sagt Kunert, er könne dieser Einschätzung nicht folgen. Er bezeichnet sie vielmehr als schädlich für das Miteinander. „Der Brief schadet dem solidarischen Grundkonsens in Gerresheim. Mit ihrer Wortwahl stigmatisieren beide Vereine die Bewohnerinnen und Bewohner von Sozialwohnungen als gesellschaftliche Randgruppe“, erklärt Kunert.

Dabei würden die beiden Vereine offenbar verkennen, dass die Wohnungsnot in Düsseldorf nicht nur eine Randgruppe betrifft, sondern sie ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. „Circa 50 Prozent der Düsseldorfer haben mittlerweile Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein und somit auch auf eine geförderte Wohnung“, so der Bezirksbürgermeister. Die SPD hatte sich in der Sitzung der Bezirksvertretung im Mai 2018 zu der Zukunft des Grundstücks klar positioniert: Das Gelände solle der städtischen Wohnungsbaugesellschaft zur Verfügung gestellt werden, um hier ausschließlich geförderte Wohnungen entstehen zu lassen.

„Im Anschluss an die Diskussion in der Bezirksvertretung wurde die ausschließliche Belegung mit Flüchtlingen und Obdachlosen in der SPD-Ratsfraktion und in Gesprächen mit dem Oberbürgermeister und dem Stadtdirektor thematisiert. Dabei wurde deutlich, dass auch andere Wohnungssuchende Berücksichtigung finden müssen. Deshalb wurde vereinbart, dass es eine Drittel-Belegung geben soll: Obdachlose, Flüchtlinge mit gefestigtem Aufenthaltsstatus und Wohnungssuchende aus der Liste des Wohnungsamtes“, erläutert Kunert. Dies habe der Oberbürgermeister auch besorgten Bewohnern der Heyestraße mitgeteilt.

Inzwischen ist davon auszugehen, dass rund 60 Wohnungen durch die Städtische Wohnungsgesellschaft errichtet werden – mit der angekündigten Drittel-Belegung.

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