Düsseldorf-Benrath: Hauptschule ist am Übergangsstandort gut angekommen

Hauptschule Benrath: Hauptschule ist gut angekommen

Seit Anfang des Jahres lernen die 350 Schüler vorübergehend in einem ehemaligen Bürogebäude an der Kappeler Straße. Schulleiter Hans-Jürgen Gürke ist zufrieden mit der Situation. In zwei Jahren geht es zurück in den Neubau.

Eine Zeichnung, die Philipp Melanchthon zeigt, Mitstreiter des Reformators Martin Luther und Namensgeber der Straße, an der am 29. Mai 1961 die Benrather Hauptschule in den Betrieb ging, hat Schulleiter Hans-Jürgen Gürke vor dem Müll gerettet. Anfang des Jahres zog die Schule mit Sack und Pack in einen Übergangsbau an die Kappeler Straße. Alles, was nicht mehr zu gebrauchen war, wanderte in die Abfallcontainer.

Dabei aber auch das eine oder andere Stück, das Trödelmarkt-Fan Gürke nicht der Müllpresse überlassen wollte. Melanchthon wacht von der Wand aus nun mit festem Blick über Gürkes Arbeitsreich. Ein weiteres Schätzchen wartet in seinem Regal noch darauf, ausgewertet zu werden. Eine Benrather Schulchronik, deren erster Eintrag im Jahr 1825 erfolgte. „Leider ist das der zweite Band; den ersten habe ich nicht gefunden“, erzählt Hans-Jürgen Gürke.

Abgesehen von den Erinnerungsstücken ist im Übergangsbau alles modern. Das frühere Bürogebäude der Firma Carborundum hatte die Stadttochter Industrieterrains Düsseldorf-Reisholz (IDR) für den Bedarf der Hauptschule recht aufwendig umgebaut.

Am alten Standort entsteht für fast 15 Millionen Euro ein Neubau, in den die 350 Schüler mit ihren Lehrern in zwei Jahren zurückziehen sollen. Der Abriss ist im vollen Gang. So lange behilft man sich mit dem Bürogebäude, das auch immer noch so anmutet.  Doch das wäre für Gürke das sprichwörtliche Jammern auf hohem Niveau, „wir kommen ja nicht gerade aus dem Schul-Paradies“. So lassen sich beispielsweise viele Fenster nicht öffnen; und der Schulhof  hat derzeit noch ein bisschen Knast-Atmosphäre. „Wir haben zugesagt bekommen, dass wir den umgestalten können“, sagt der Schulleiter. Rund zehn Jahren fand an der Melanchthonstraße der Unterricht in Containern statt, da das Hauptgebäude baufällig war. Seit Eröffnung der Schule 1961 hatte die Stadt so gut wie kein Geld in die Gebäudeunterhaltung gesteckt. Auch vor dem Hintergrund, dass die Politik vermeintlich meinte, dass Hauptschulen bei den Eltern zum Auslaufmodell geworden sind.

Und so kämpfen Düsseldorfs Hauptschulen jedes Jahr bei den Anmeldungen darum, mindestens auf die Schülerzahl 17 zu kommen, um zumindest eine Eingangsklasse bilden zu können. 2015 hatte die Stadtspitze die Benrather Hauptschule noch in eine Gesamtschule umwandeln wollen. Wegen des großen Protests aus Benrath und dem Vorschlag aus Garath, dort aus der Haupt- eine Gesamtschule zu machen, wurden die Schließungspläne auf Eis gelegt. Stattdessen wurde ein Neubau beschlossen.

In der ersten Runde der gerade begonnenen Anmeldephase für das nächste Schuljahr sind 20 Schüler angemeldet worden. Wahrscheinlich kommen in der zweiten Runde noch welche hinzu, die an Gesamtschulen keinen Platz gefunden haben. „Vielleicht können wir wieder zweizügig fahren“, berichtete Hans-Jürgen Gürke. Die jetzigen Jahrgangsstufen acht und neun sind sogar dreizügig, weil die Hauptschule über die Jahre auch viele Quereinsteiger aufnimmt oder Kinder, die an anderen Schulformen nicht glück‑lich geworden sind.‑

Drei der vier Etagen sind an der Kappeler Straße für die Hauptschule hergerichtet worden. Einiges ist von der Melanchthonstraße mit rübergezogen, wie die Ausstattung der Technikräume, die neue Küche für den Unterricht ist aus der Hauptschule an der Schmiedestraße, die ihren Betrieb eingestellt hat. Ein Manko sind die fehlenden Sportmöglichkeiten, rund zehn Minuten Fußweg sind es in den Sportpark Niederheid, dort steht den Hauptschülern eine Halle zur Verfügung.  Die anfänglich als Problem gesehene  ÖPNV-Anbindung  hat sich inzwischen auch entspannt.

Nach dem Auszug der Hauptschule soll das Gebäude abgerissen werden und auf dem Grund der Parkplatz für die neue Eishalle entstehen. Dazu gibt es aber auch kritische Stimmen. „Die IDR hat das Bürogebäude für viel Geld saniert, das könnte man nach dem Auszug der Hauptschule sicherlich auch anders weiternutzen“, sagt Jürgen Schmidt, der für die SPD in der Bezirksvertretung 9 sitzt. Weiter hinten auf dem Gelände soll zudem genügend Platz für Parkmöglichkeiten sein. Die Vorarbeiten für den Bau der Eishalle haben begonnen.

Mehr von RP ONLINE