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Mobile Redaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf-Derendorf

Mobile Redaktion : Derendorf wird durch Hochschule jünger

Die Derendorfer bedauern am Stand der Mobilen Redaktion der RP das Aus des Wochenmarktes auf dem Münsterplatz.

Derendorf ist ein bunt gemischter Stadtteil, die Stimmung bei den meisten Menschen, die am Samstag bei der Mobilen Redaktion der Rheinischen Post vorbeischauen, ist entspannt. Sie haben Verbesserungsvorschläge, leben aber in dem Bewusstsein, dass es aufwärts geht mit ihrem Viertel und die Lebensqualität insgesamt stimmt. Dazu trägt auch die Hochschule bei. „Dadurch sind viele junge Menschen nach Derendorf gekommen, das macht sich im Straßenbild bemerkbar“, sagt Peter Bongertz.

Das Areal der Hochschule umfasst auch neuen öffentlichen Raum, den Familien nutzen können. Davon gibt es im dicht besiedelten Stadtteil nämlich eher zu wenig. „An der Hochschule kann ich meinen dreijährigen Sohn mit dem Laufrad auch mal eine Runde drehen lassen und muss nicht Angst haben, dass ihm etwas passiert“, sagt Bita Fesidis, die parallel auf ein einjähriges Kind aufpassen muss. Der Spielplatz auf dem Münsterplatz ist offen zur Straße, das bedeutet für Eltern eher Stress. Der Anna-Spielplatz ist für Fesidis zu weit weg, der Zoopark am Wochenende ein schönes Ausflugsziel. Ihr Wunsch, mehr freie Flächen in Derendorf für Familien umzunutzen, ist vor diesem Hintergrund verständlich. Matgorzda Kawalicz hat ebenfalls zwei Kinder, ist jedoch ganz zufrieden. „Wir sind gerade erst von der Nord- zur Barbarastraße gezogen und haben es jetzt sehr viel ruhiger. Drei Jahre haben wir nach einer neuen Wohnung gesucht.“

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Mit dem knappen Parkraum hat Gerd Sträter ein Problem. Er findet, dass die Stadt zu wenig dagegen macht. „Man kann doch nicht alle drei Monate Geld nehmen und dann nichts dafür tun, dass es auch genug Parkplätze gibt.“ An der Roßstraße gebe es teils acht Meter breite Bürgersteige, dort ließen sich zusätzliche Stellplätze schaffen. Die Idee einer Parkraumbewirtschaftung, die für Auswärtige Parkgebühren bedeutet, hält er deswegen für „glänzend“. Walter Mausberg argumentiert ähnlich, ihm ist die Verkehrspolitik und die Stadtplanung insgesamt zu unausgegoren. Von der Umweltspur auf der Prinz-Georg-Straße etwa hält er gar nichts. Immer wieder komme es beim Abbiegen zu Konfliktsituationen zwischen Radlern und Autofahrern. Die Paketdienste verschärften das Problem. Was Johann Lenzen fast noch schlimmer findet: „Es wurden so viele neue Radwege angelegt, von der Ulmenstraße bis zum Spichernplatz zum Beispiel, und 50 Prozent der Radfahrer fahren immer noch auf den Gehwegen. Das geht gar nicht.“

Mehrere der Derendorfer bedauern es, dass es mit dem Wochenmarkt auf dem Münsterplatz nicht geklappt hat. „Die Händler hatten vielleicht nicht die nötige Geduld, so richtig Werbung nach außen wurde auch nicht gemacht, die Menschen, die hier wohnen, haben aber offenbar auch schlichtweg zu wenig gekauft“, sagt Elke Kostré. Das sieht Christa Sennert ganz ähnlich: „Es gab zu Anfang wirklich tolle Angebote: Bäcker, Metzger, Fisch und Geflügel, Blumen, Gemüse, Obst und Eier – aber kaum einer hat gekauft. Und dann beschweren sich plötzlich alle, wenn der Markt weg ist.“

Sandra Hengstermann wohnt seit neun Jahren auf dem Ulanen-Kasernengelände an der Hermann-Reuter-Straße, wo 590 neue Wohnungen entstanden sind, auf dem alten Rheinmetallgelände sind weiter 290 hinzugekommen. Nur einen Supermarkt gebe es nicht: „Wir bräuchten dringend einen Rewe oder Edeka, einen Vollsortimenter mit großer Frischetheke, damit eine fußläufige Nahversorgung der vielen neuen Bewohner hier sichergestellt ist.“ Eigentlich sei laut Bebauungsplan eine Nahversorgung im Bereich eingeplant gewesen. Dieses habe der ehemalige Baudezernent Gregor Bonin aber nicht umgesetzt.

Regine Schmitt findet es immer noch schade, dass die Münsterpassage durch den großen Rossmann geschlossen werden musste. „Anfangs habe ich noch gedacht, durch einen Boykott etwas erreichen zu können. Da aber kaum einer mitgemacht hat, habe ich es dann sein gelassen“, sagt die Derendorferin, die ansonsten nichts an ihrem Stadtteil auszusetzen hat. Das kann Hans Neumann nur bestätigen: „Ich bin 80 Jahre alt, und ich fühle mich hier sauwohl.“

Einen eher bescheidenen Wunsch hat Peter Bongertz. Er habe vor zwei Jahren beim OB-Dialog Thomas Geisel darauf aufmerksam gemacht, dass es am Überweg der Münsterstraße in Höhe Barbarastraße Hinweisschilder für Autofahrer geben müsse. Es sei ein Glück, dass noch nichts passiert sei. „An der Glockenstraße gibt es diese Schilder.“ SPD-Ratsherr Philipp Tacer, der zur Mobilen Redaktion gekommen war, will das Thema mit der Verkehrsverwaltung besprechen.In wenigen Tagen verlässt Lorena Gamiz Derendorf, zwei Jahre hat sie als Personalmanagerin in Düsseldorf gearbeitet. Nun ist das Projekt beendet, es geht zurück nach Madrid. Sie lobt den Stadtteil, auf der Münsterstraße bekomme man alles. Die Düsseldorfer seien offen, international könne man sich in der Stadt gut vernetzen. Was das Wetter angeht, würde sie lieber hier bleiben. „In Madrid sind es 40 Grad“, sagt sie. Ihr Freund Santiago Rodriguez stöhnt, er stammt aus Venezuela und ist übers Jahr allenfalls 20 bis 30 Grad gewöhnt, Kanaren-Klima. „Ich will nicht nach Madrid“, sagt er und lacht gequält wie ein Verurteilter, „hier kann man es aushalten“.