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Düsseldorf: Westernhagens Düsseldorf

Düsseldorf : Westernhagens Düsseldorf

Marius Müller-Westernhagen geht wieder auf Tournee. Sieben Konzerte stehen auf dem Plan, unter anderem in Köln und Oberhausen. Seine Geburtsstadt Düsseldorf hat der Rockmusiker seit zwei Jahren nicht mehr besucht. Er weiß aber, was er der Stadt zu verdanken hat.

Er gilt als einer der erfolgreichsten deutschen Musiker. Er hat mehr als elf Millionen Platten verkauft. Seine Tourneen sind Kassenschlager. Und geboren und aufgewachsen ist er in Heerdt. Marius Müller-Westernhagen (63) legte in Düsseldorf den Grundstein für seine beispiellose Karriere. Im September startet seine "Hottentotten-Tour". Köln steht auf dem Plan — Düsseldorf "leider", sagt Müller-Westernhagen, "nicht." Das habe organisatorische Gründe gehabt, denn die Tournee sei sehr kurzfristig geplant worden.

Zuletzt sei er vor zwei Jahren in seiner Heimat gewesen, als er beim Duell zwischen Boxweltmeister Wladimir Klitschko und Herausforderer Eddie Chambers in der Esprit-Arena auftrat. Ob er bei seinem Auftritt in Köln am 15. September einen Abstecher nach Düsseldorf macht, womöglich eine Herberge hier bezieht, will er nicht verraten.

Es ist jetzt fast 40 Jahre her, dass Müller-Westernhagen seiner Geburtsstadt den Rücken kehrte und nach Hamburg zog. Inzwischen lebt er in Berlin. "Nach Hamburg bin ich gezogen, weil dort die Szene spielte. Den Umzug hab' ich nie bereut — nur dass ich verpasst habe, früher aus Hamburg wegzuziehen. Was in Berlin abgeht, ist der Wahnsinn. Hier zieht es so viele internationale Künstler hin. Ein echter Schmelztiegel."

Als "internationalen" Schmelztiegel würde er die Szene der 60er in Düsseldorf zwar nicht beschreiben, wohl aber als einen "künstlerischen". "Düsseldorf war damals eine großartige Spielwiese für Nachwuchskünstler. Es gab so viele Möglichkeiten und so viele Bands. Das hat meine Karriere, meine Musik natürlich beeinflusst."

Geboren am 6. Dezember 1948 als Sohn eines Gründgens-Schauspielers und einer Regierungsbeamtin, wuchs Müller-Westernhagen mit seiner zwei Jahre älteren Schwester in einer Wohnung an der Heesenstraße in Heerdt auf. Der Vater starb früh. Trost und Ablenkung spendete Müller-Westernhagen die Musik der Beatles. Er brachte sich selbst das Gitarrenspiel bei und begann eine klassische Gesangsausbildung. Er schloss sich einer Schülerband an und gründete später die Gruppe "Harakiri Whoom", die es zu lokaler Berühmtheit schaffte, und deren Roadie kein Geringerer war als der spätere Air-Berlin-Chef Joachim Hunold. Aus dem Gitarristen wurde ein Sänger, der bei Schulfesten und Wochenend-Gigs den Rock 'n' Roll zelebrierte. "Damals war es illusorisch, an so etwas wie einen Plattenvertrag zu denken. Wir haben einfach Musik gemacht", beschreibt der 63-Jährige die bescheidenen Ambitionen seiner jungen Band.

Er hatte nämlich auch andere Ambitionen — im Schauspielfach. Noch vor dem Tod seines Vaters (1963) hatte er als 15-Jähriger seinen ersten Auftritt in dem Fernsehfilm "Die Höhere Schule". Die erste Gage wurde vom DEG-Fan umgehend in eine Eishockey-Ausrüstung investiert. Dem Schauspielfach blieb er treu. Sein erster schauspielerischer Erfolg gelang ihm mit dem 1976 gedrehten Film "Aufforderung zum Tanz" als Lkw-Fahrer "Theo Gromberg". Mit dem Umzug nach Hamburg schwand aber die Begeisterung für den Eissport: "Eishockey ist ein faszinierender Sport. Aber da muss man hautnah dabei sein. Meine Leidenschaft für die DEG ist deswegen etwas eingeschlafen."

In Hamburg 1973 nahm dafür auch seine musikalische Karriere ihren — zunächst holprigen — Lauf. Nach vier erfolglosen Plattenveröffentlichungen gelang ihm 1978 mit der Single und dem gleichnamigen Album "Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz" der Durchbruch.

Düsseldorf spielte für Müller-Westernhagen in den 80er Jahren noch einmal eine wichtige Rolle: Denn hier traf er das Model Romney Williams. Sie heirateten 1988. Ein Jahr später veröffentlicht er sein 13. und bis dahin erfolgreichstes Album "Halleluja", das den Sprung von Null auf Platz eins der Hitparade schaffte. Es folgten 50 ausverkaufte Konzerte und eine Million verkaufte Tonträger in nur einem Jahr.

(RP/ila/csi)