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Aufführung im Düsseldorfer Tanzhaus: "Die Wölfe sind auf der Bühne glücklich"

Aufführung im Düsseldorfer Tanzhaus : "Die Wölfe sind auf der Bühne glücklich"

Das sagt die französische Choreografin Coraline Lamaison, deren Produktion im Tanzhaus NRW derzeit für kontroverse Diskussionen sorgt. Darf man Wildtiere im Namen der Kunst auf die Bühne stellen? Auch der Chef des Tanzhauses, Bertram Müller, sagt: Ja.

Sie sind noch sehr jung, die zwei Wölfe, die im Oktober zu einem kurzen Gastspiel ins Tanzhaus NRW kommen. Das männliche Tier heißt Golco, die Wölfin Corneille. Und sie sollen beide ausgezeichnete Schauspieler sein, Routiniers vor den Kameras von Film und Fernsehen. Auch der zweieinhalbminütige Auftritt zusammen mit der Tänzerin Annabelle Chambon, der an zwei Abenden in Düsseldorf gezeigt wird, ist perfekt einstudiert. An der Seite des Tieres auf der Bühne, es ist abwechselnd immer nur ein Wolf in Aktion, wacht aufmerksam der Trainer, bei dem die Tiere aufgewachsen sind. "Er behandelt sie wie seine eigenen Kinder. Er liebt sie und betet sie regelrecht an." Die Tiere fühlten sich auf der Bühne sogar auf eine Art glücklich.

Das alles erzählte gestern die Choreografin des dreiteiligen Tanzabends, Coraline Lamaison, im Gespräch mit der Rheinischen Post. Und dass sie sich überhaupt nicht vorstellen kann, warum man sich in Düsseldorf schon alleine bei der Ankündigung dieser Performance aufregt. Bei Aufführungen in Frankreich, wo sie das Stück schon mehrmals seit 2010 auf die Bühne gebracht hat, habe es nur überwältigende, positive Reaktionen gegeben. Gar keine Kritik an dem Einsatz der Tiere wurde laut — weder davor noch danach.

Die documenta 13 in Kassel hat in diesem Jahr sogar lebende Hunde im Programm. Wie auch die bildende Kunst, so beschäftigen sich die Choreografen in jüngster Zeit verstärkt mit dem Thema Mensch und Kreatur, sie holen die Natur in die Kunstwelt hinein und streben eine Versöhnung an, eine Einheit. Dabei will man den Abbau von Vorurteilen und Ängsten erreichen.

"Die Urangst vorm bösen Wolf sitzt tief", sagt die Choreografin, die zurzeit in der Nähe von Genf arbeitet und schon einmal mit Jan Fabre in Düsseldorf als Tänzerin gastierte. "Es ist eine kollektiv verankerte Angst, die unter anderem zur Ausrottung des Wolfes geführt hat. Dazu kommt eine unerklärliche Überheblichkeit des Menschen dem Tier gegenüber." Genau diese Beziehung wird thematisiert in ihrer Arbeit. "Dabei geht es auch drollig zu", sagt Lamaison, "in keinem Moment hat man das Gefühl von Qual oder Tortur."

So ähnlich argumentiert auch Tanzhaus-Chef Bertram Müller, der zur Zeit in der Schweiz Urlaub macht und die Empörung mitten im Sommerloch auch nicht versteht. So eine Debatte habe er sich nicht ausmalen wollen, als er die Produktion fürs Tanzhaus auswählte. "Auf Natur und Kunst wird zurzeit wieder verstärkt der Fokus der Kunst gerichtet", sagt Müller, "wir haben die hervorragende Choreografie nicht wegen der Wölfe hierher geholt, sondern wegen ihrer künstlerischen Aussage."

Alle Auflagen, die es in einem solchen Fall seitens der Behörden gebe, werde man erfüllen. Darin sei sein Theaterbetrieb professionell. Die Bedingungen im Umgang mit den Tieren vor Ort in Düsseldorf kenne man noch nicht bis in alle Einzelheiten, aber "die Sicherheit für alle Beteiligten ist garantiert". Er werde sich der Diskussion gerne stellen, ob man Wildtiere auf die Bühne stellen darf. Denn für ihn sei es eine zutiefst künstlerische Auseinandersetzung, bei der es um den Kern geht, um den Kern von Kunst und Natur.

Die EU fördert diesen Tanzabend in Düsseldorf über Gelder für ein internationales Tanzhäuser-Netzwerk. Und auch in der Landeshauptstadt wurden die Wölfe selbstverständlich nicht als "Zugpferd" verpflichtet. "Die Wölfe als PR-Gag — daran hat bisher wirklich niemand gedacht", sagt Müller, "weder wir, noch die Choreografin. Das wäre ja skandalös."

Bertram Müller geht davon aus, dass sich die Aufregung schon bald legt und die Neugier in Düsseldorf siegt. Alsbald erwartet er die erforderlichen behördlichen Genehmigungen.

(RP/ila)