Düsseldorf: Erste Kandidaten für Holm-Nachfolge

Düsseldorf : Erste Kandidaten für Holm-Nachfolge

Die Findungskommission für den neuen Schauspielhaus-Intendanten hat wieder getagt. In der Theaterszene werden erste Bewerber-Namen gehandelt, auch eine Doppelspitze auf dem Theater-Chefposten wäre demnach denkbar.

Es ist ein Posten, der nach Kandidaten verlangt, die auf unterschiedlichen Gebieten erstklassig sind: Der Intendant eines Theaters mit der Größe und Ausstattung des Düsseldorfer Schauspielhauses muss einen komplizierten Theaterapparat lenken können.

Ein neuer Intendant fürs Schauspielhaus wird gesucht. Foto: Katharina Maaßen

Er muss sein Haus in der Stadt etablieren, den Austausch mit Politik und Gesellschaft pflegen und zugleich künstlerische Akzente setzen, die auch über die Stadtgrenzen hinaus wahrgenommen werden. Weil die Ansprüche also vielseitig sind, hatte die Findungskommission in ihrer ersten Sitzung im März festgehalten, dass auch ein Intendant denkbar wäre, der nicht selbst Regie führt, sondern durch die Auswahl seiner Regisseure das Profil seines Hauses formt.

Nun ist in der deutschen Theaterszene, aus der Experten in die Düsseldorfer Findungskommission gebeten wurden, zu hören, dass für das Schauspielhaus auch eine Doppelspitze vorgeschlagen werden könnte. Bei der nicht öffentlichen Sitzung gestern soll mit ersten Bewerbern gesprochen worden sein.

Darunter auch Dramaturgin Stefanie Carp, die derzeit das Schauspielprogramm der Wiener Festwochen leitet. Carp hat Mitte der 80er Jahre bereits unter Volker Canaris als Dramaturgin am Düsseldorfer Schauspielhaus gearbeitet, dann mit Frank Baumbauer in Basel und Hamburg, schließlich zeigte sie im Leitungsteam mit Christoph Marthaler in Zürich avantgardistisches Theater, das im deutschsprachigen Raum viel beachtet — auch kontrovers diskutiert wurde. In der Theaterszene ist zu hören, dass die als eher schwierig geltende Stefanie Carp die Schauspielhausleitung zusammen mit ihrem Bruder, Peter Carp, übernehmen könnte.

Der leitet derzeit das Theater Oberhausen und konnte dort, trotz finanzieller Not, mit Regisseuren wie Herbert Fritsch überregionale Beachtung gewinnen. Die Geschwister wurden auch in Hamburg schon einmal gehandelt. Die Carp-Lösung erscheint manchen in der Theaterszene auch deswegen als schlüssig, weil von den Wiener Festwochen bereits führende Köpfe nach Düsseldorf gekommen sind: Die derzeitigen Chefdramaturgen des Schauspielhauses Almut Wagner und Stefan Schmidtke haben ebenfalls dort gearbeitet, Stefanie Carp träfe also auf ein bekanntes Team.

Indes stellt sich die Frage, ob Düsseldorf überhaupt auf diese Kontinuität setzen sollte. Für einen echten Neubeginn wären auch Optionen aus der Region denkbar. Rita Thiele etwa, hochverdiente Dramaturgin bei Karin Beier in Köln, wäre sicher auch eine kluge Theaterleiterin. Zumal sie das Haus gut kennt, war sie doch unter Anna Badora von 2001 bis 2006 Chefdramaturgin in Düsseldorf. Allerdings ist bisher nur zu hören, dass sie mit Beier nach Hamburg geht. Dagegen soll Falk Richter, derzeit noch Hausregisseur in Düsseldorf, Interesse am Chefposten bekundet haben. Er hat aber noch kein Theater geleitet.

Alle Namen, die in der Szene gerade gehandelt werden, lassen allerdings darauf schließen, dass Düsseldorf noch nicht wirklich selbstbewusst auf Theaterleiter der ersten Riege zugegangen ist. Natürlich lassen sich auch an kleineren Häusern oder bei Festivals Entdeckungen machen, doch ein Haus vom Düsseldorfer Kaliber müsste auch für Theatermacher in Hamburg, München oder Berlin attraktiv sein.

Ein gewichtiger Theaterleiter mit klarer Vorstellung von der ästhetischen Ausrichtung seines Hauses hätte am Rhein die Möglichkeiten, Theater mit Strahlkraft zu machen. Das Publikum wartet auf einen solchen Ruck. Das konnte man bereits erleben, als Staffan Holm nach seiner Burn-out-Therapie mit einer Inszenierung von Ibsens "Peer Gynt" nach Düsseldorf zurückkehrte. Der Abend wirkte wie ein Befreiungsschlag, und das ist immer Sache des Künstlers — und der Zuschauer, die einen Aufbruch spüren. Holm ist in Düsseldorf ein Neubeginn als Regisseur gelungen, nun muss Düsseldorf der Neubeginn als beachtenswerte Bühne gelingen.

Eine Schwierigkeit dabei liegt im Zeitpunkt der Kandidatensuche: Kurz vor dem überraschenden Rücktritt von Staffan Holm im November hatte sich das Intendantenkarussell gerade gedreht, potenzielle Bewerber sind frisch verpflichtet.

Doch ist das Schauspielhaus bei Interims-Intendant Manfred Weber in guten Händen, es besteht also kein Grund, in Besetzungspanik zu geraten. Wahrscheinlich wird es schwer, schon zu 2014 ein wirkliches Schwergewicht zu gewinnen. Doch das Haus kann sich Gelassenheit wohl leisten. Entscheidend ist, dass das Ziel stimmt, auf das die traditionsreiche Bühne zusteuert.

(RP/EW/ila)
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