Düsseldorf: Zwei Tänzer der Rheinoper choreografieren

Düsseldorf : Zwei Tänzer der Rheinoper choreografieren

Antoine Jully und Martin Chaix zeigen im Ballettabend b.15 eigene Arbeiten. Freitag ist Premiere.

Manchmal schaltet Martin Chaix den Fernseher ein, stellt den Ton ab, ein Stück Musik an — und freut sich an dem überraschenden Zusammenspiel, das er da per Knopfdruck geschaffen hat. "Das ist schon Choreografie", sagt Chaix und macht eine elegante Geste mit der Hand, wie sie nur Tänzer hinbekommen. Chaix ist seit 2009 Mitglied im Ensemble des Ballett am Rhein.

Er ist in Südfrankreich aufgewachsen, hat an der Pariser Oper studiert, war sieben Jahre dort engagiert. Dann wollte er neue Tanzsprachen kennenlernen, ging erst nach Leipzig, dann holte ihn Martin Schläpfer nach Düsseldorf. Diesen Aufbruch in neue Tanzkulturen unternahm er auch, weil er bereits spürte, dass er gerne choreografieren würde. Nun bekommt er an der Rheinoper die Gelegenheit dazu: "We were right here!!" heißt seine Arbeit zu Musik von Alfred Schnittke. Der Titel ist ein Zitat. Der Satz steht an der Wand im Ballettsaal des Tanzstudios der Rheinoper. Dort hat ihn Chaix entdeckt und zusammen mit seinen Tänzern Bilder dazu entwickelt.

Für Antoine Jully, ebenfalls Tänzer in der Kompagnie von Martin Schläpfer, ist es bereits die zweite Arbeit an der Rheinoper. Schon im Juni des vergangenen Jahres hatte er in b.12 zu jazziger Musik des Tschechen Jan Novak eine frische, farbenprächtige Choreografie auf die Bühne gepinselt.

Diesmal hat er sich die rhythmisch vertrackte Musik von Igor Strawinsky ausgesucht und zeigt zum Concerto "Dumbarton Oaks" ein Frühlingsstück, vielmehr eine Choreografie über die Zeit kurz vor dem Frühling, wenn die Natur noch davor steht, sich wieder grün zu gewanden, gerade noch nicht aufgeblüht ist. "Alles friert noch ein wenig, steckt noch fest im Winter", sagt Antoine Jully und zieht seine Jacke ein wenig enger, als fröstele er. Seine Choreografie "Rebound, Topple, Splash" ist eine strenge Studie dreier Bewegungsabläufe: federnder Rückstoß, unvermittelter Fall und plötzliches Aufblühen. Zugleich ist es ein Stück über die Liebe und über Menschen, die sich noch nicht ganz erfassen lassen von den Gefühlen des Frühlings, sondern noch festsitzen in frostigen Zeiten.

Für beide Tänzer ist der Wechsel in die Rolle des Choreografen logischer Schritt in ihrer künstlerischen Entwicklung, zugleich aber auch ein Wechsel, der so kurz vor der Premiere viel Aufregung mit sich bringt. Antoine Jully hat immer wieder den Rat von Ballettchef Martin Schläpfer einholen wollen, doch der habe nicht viel kommentiert, ihm nur sein Vertrauen gezeigt, ihn gestärkt in seiner Arbeit. "Und das ist entscheidend beim Choreografieren", sagt Jully. "Man muss sicher sein, was man tut, damit die Tänzer einem vertrauen können."

Für Martin Chaix liegt die größte Herausforderung darin, die Choreografie am Ende der Probenphase ganz gehen zu lassen. "Ich muss sie jetzt den Tänzern übertragen, das ist nicht so leicht", sagt Chaix. Am Premierenabend hat er endgültig nicht mehr in der Hand, was die Tänzer auf der Bühne aus seinen Ideen machen. "Man spürt nur die ganze Verantwortung dafür, dass es gut wird", sagt er. Doch dann lächelt er, streicht sich durch den kurzen Bart. "Aber es wird gut, das spüre ich schon", sagt er, wickelt sich einen Schal um den Hals, setzt Kopfhörer auf und macht sich auf den Weg zum Ballettstudio — zur nächsten Probe.

(RP/EW)
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